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 Influencer Michi Leber über den Fehler im YouTube-System
Sportbusiness | 24.04.2017

Action-Sportler von der Schulbank zum Social-Media-Star

YouTube-Star als Influencer: „Daniel Craig für TV-Werbung, Michi Leber für YouTube“

Influencer Michi Leber über den Fehler im YouTube-System. Action-Sportler Michi Leber betreibt bereits seit 2012 einen eigenen YouTube-Kanal. (Quelle: Felix Lukas Photography)
Action-Sportler Michi Leber betreibt bereits seit 2012 einen eigenen YouTube-Kanal.
Bild: Felix Lukas Photography
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Michi Leber ist ein YouTuber aus Deutschland und das mit einem Actionsportkanal. Allein das ist außergewöhnlich. Die Fans auf seinem YouTube-Kanal schauen Leber beim Freerunning, Longboarden, Snowboarden, Paragliden zu und begleiten ihn auf seinen Abenteuerreisen um die Welt.

Wenn man mit Leber spricht, dann merkt man, dass das wirklich kein gewöhnlicher 20-Jähriger ist. Sehr reflektiert geht er mit seinem Beruf um. 

Das hat inzwischen sogar Google mitbekommen, zusammen mit dem Internetriesen berät er Unternehmen zum Thema YouTube und Influencer. Gleichzeitig kritisiert er im Interview aber auch eine aktuelle Entwicklung bei YouTube. 

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ISPO.com: Herr Leber, seit ihrem Abitur 2015 konzentrieren Sie sich voll und ganz auf Ihren YouTube-Kanal im Actionsportbereich. Nicht der klassische Weg für einen Jungen aus Mannheim...
Michi Leber:
Stimmt. Begonnen hat das Ganze 2010 mit einem Ipod Touch 4, den ich mir mit „Kücheneinmachbändern“ meiner Mutter um den Kopf geschnallt habe. Damals war ich 13 und wollte eigentlich genau den Stil an Videos produzieren, den ich heute shoote.

Den eigentlichen Michi-Leber-YouTube-Kanal gibt es seit 2012. Nach dem Ipod habe ich mit der Videofunktion meiner Low-Budget-Canon gefilmt und dann bin ich schließlich bei einer GoPro gelandet. Irgendwann habe ich von der GoPro-Family erfahren. Da habe ich mich sehr, sehr bemüht, dass die mich entdecken. Die kamen nach einiger Zeit tatsächlich auf mich zu und sagten, dass sie das cool finden, was ich mache und dass sie mich gern unterstützen würden. 

Ein Selfie über den Dächern Chinas: Michi Leber in Aktion. (Quelle: Michi Leber)
Ein Selfie über den Dächern Chinas: Michi Leber in Aktion.
Bild: Michi Leber

Mehrheit der Zuschauer aus den USA

Welche Leute schauen Ihren YouTube-Kanal?
Unter den Top-3-Regionen kommen ungefähr 55 Prozent der Zuseher aus den USA, 25 aus England und zwölf aus Deutschland. Derzeit nimmt der deutsche Anteil zu, weil ich einige Features in deutschen Zeitungen habe.

Die Zuseher sind zu 65 bis 70 Prozent zwischen 18 und 25. Da habe ich Glück, dass sich für diese „Extremthematik“ tendenziell eher Leute über 18 interessieren. Dadurch bekomme ich derzeit auch einige sehr interessante Sponsoring-Anfragen. Danach kommen die 13- bis 17-Jährigen mit 15 bis 20 Prozent. Leider ist es ein männlich dominierter Kanal: Hier liegt der Anteil bei 85 Prozent.

YouTuber Michi Leber: Warum werden asoziale YouTube-Kanäle toleriert?

Neben Ihnen natürlich, welche Kanäle sind Ihre YouTube-Klicktipps aus dem Actionsport?
Das ist eine schwierige Frage, denn es gibt so viele YouTuber, die viel mehr Erfolg verdient hätten. Leider ist das im Internet derzeit so ein „The-Winner-Takes-It-All-Prinzip“. Das ist sehr schade. Ich schätze einfach diese „alternative“ YouTube-Richtung mit Menschen, die für Qualität stehen, die lustig und am Boden geblieben sind. Leute die sagen, was sie denken und die nicht durch große Werbeverträge manipuliert werden.

Da klingt auch ein wenig Kritik durch...
Ja, richtig. Es gibt so viele tolle, kleine Kanäle von Leuten, die mit Grips bei der Sache sind und reflektieren, was sie machen. Viel schlimmer finde ich aber noch, dass gerade in diesem und im vergangenen Jahr Leute „getrendet sind“ – wie es im Fachjargon heißt – die völlig falsche Werte propagieren.

Für mich ist es absolut schockierend, dass Kanäle mit beispielsweise homophoben Inhalten oder absolut asozialem Verhalten mehrere Millionen Abonnenten haben. Wobei ich mich immer frage, was ich schlimmer finde, die Inhalte, oder dass es so viele Leute gibt, die diesen Leuten folgen. Ich finde es auch schlecht von YouTube, dass so etwas toleriert wird. Und das muss ich so sagen, obwohl YouTube ein großer Teil meines Lebens ist. 

Seit dem Abitur sind Sie hauptberuflich YouTuber, mit was verdienen YouTuber ihr Geld? Woher kommen ihre Einnahmen?
Momentan bin ich noch in der komfortablen Lage, dass ich bei meiner Mutter wohne, somit keine Miete zahle und einen vollen Kühlschrank habe (lacht). Um meine hohen Ausgaben für Flüge etc. zu decken, habe ich aber inzwischen einige Einnahmequellen

  1. Der YouTube-Kanal, hier verdiene ich Geld durch die vorgeschaltete Werbung bei meinen Videos.
  2. Seit etwa drei Jahren produziere ich zudem Videos für Kunden, darunter beispielsweise Skigebiete und Unis. Diese integrieren die Clips dann in ihrer App, in einer Imageproduktion, oder ähnlichem.
  3. Ich habe zudem einen deutschen YouTube-Videokurs.
  4. Ich werde als Vortragsredner gebucht.
  5. Ich berate einmal im Monat in Zusammenarbeit mit Google Unternehmen
  6. Und dann habe ich noch Kooperationen mit einigen Brands. 

Wer sich mit YouTube beschäftigt, findet die richtigen Influencer

Wie entstehen diese Kooperationen?
Ich gehe gar nicht mehr auf Unternehmen zu, muss ich sagen. Da ist man automatisch in einer sehr schlechten Verhandlungsposition. Generell bin ich aber immer offen für Kooperationen mit Unternehmen. Die Voraussetzung ist, dass die Produkte cool sind und ich davon überzeugt bin.

Wie entdecken Unternehmen die richtigen YouTuber für sich?
Wenn Unternehmen auf Influencer oder YouTuber aufmerksam werden wollen, sollten sie sich einfach in dem Feld bewegen, das sie interessiert. Ganz nach dem Motto „who is out there“, wen gibt es und mit wem kann man kooperieren? Die meisten YouTuber werden zurückschreiben.

Natürlich würde ich am meisten darauf schauen, dass die Nische stimmt, eine Paraglide-Firma wird sicher nicht mit einem Beauty-Kanal zusammenarbeiten. Man nimmt sich lieber den kleineren Blogger oder YouTuber, gibt ein bisschen weniger aus, hat aber eine „targetiertere“ Zielgruppe, also Menschen die sich wirklich dafür interessieren.

Wenn man sich im Marketing mit dem Thema auseinandersetzt und ein paar Suchbegriffe bei YouTube und Google ausprobiert, findet man sicher passende Creators mit der dementsprechend passenden Zielgruppe. 

Testimonial-Werbung und Influencer-Marketing ergänzen sich

Wenn der erste Eindruck passt, worauf sollten Unternehmen vor einer Kooperation achten?
Ich würde immer auf die Klicks achten – also wie gut die Videos geklickt sind und auf den „Trust“. Das heißt, wie geht eine Person mit Tests etc. um? Sagt sie ihre tatsächliche Meinung und auf welche Art und Weise macht sie das?

Ich denke, bei mir funktioniert das momentan ganz gut, denn ich bekomme viele Produkte einfach so zugeschickt. Aber ich behalte mir auch vor, Sachen zu kritisieren.

So hat GoPro eine Drohne rausgebracht, die ich nicht so gut finde. Das kommuniziere ich auch ganz öffentlich, dafür finde ich die Kameras umso besser. Und diese Ehrlichkeit kommt an. Ein schlechtes Zeichen ist natürlich auch, wenn eine Person mit vielen Firmen kooperiert, mit denen ihr YouTube-Kanal eigentlich nichts zu tun hat.


Wie wägen Unternehmen am besten ab, ob sie eher in YouTuber oder eher in „klassische“ Sponsorings investieren?
Ich würde definitiv zweigleisig fahren. Ich würde die Zusammenarbeit mit Promis oder Profi-Sportlern nicht ausschließen. Wenn man mit Bloggern oder YouTubern zusammenarbeitet, liegt das Ziel ganz woanders.

Testimonial-Werbung ist natürlich für die Massentauglichkeit – sofern das nötige Budget vorhanden ist. Daniel Craig für die Fernsehwerbung und Michi Leber macht dann „LowKey“-Werbung auf eine coole Art auf seinem YouTube-Kanal.

Influencer wirken in einer Dauerwerbesendung nicht, denn da geht ihre Authentizität verloren. Einige Firmen fahren sehr erfolgreich zweigleisig. Beispielsweise hatte eBay eine sehr gelungene Kampagne mit einem Erfinder aus England.

Der hat von eBay ein gewisses Produktionsbudget bekommen, durfte auf eBay einkaufen und daraus was bauen!

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 (Quelle: CK)
Ein Beitrag von Claudia Klingelhöfer, Autorin
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