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 Tipps fürs Training von Top-Kletterin Lena Herrmann
Outdoor | 31.03.2017

Tipps von Deutschlands bester Kletterin

Lena Herrmann im Interview: „Einfach ganz viel klettern“

Tipps fürs Training von Top-Kletterin Lena Herrmann . Lena Herrmanns Lieblings-Klettergebiet ist das Frankenjura. Auf kleinen Leisten und Löchern ist sie besonders gut.  (Quelle: privat)
Lena Herrmanns Lieblings-Klettergebiet ist das Frankenjura. Auf kleinen Leisten und Löchern ist sie besonders gut.
Bild: privat
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Lena Herrmann (23) ist Deutschlands beste Fels-Kletterin. Im Juni 2016 kletterte sie als erste Frau die Route Battle Cat im Schwierigkeitsgrad 8c+ im Frankenjura. Wie sie trainiert, was sie antreibt und wie man als Freizeitkletterer besser wird, hat sie auf der ISPO MUNICH 2017 im Interview mit ISPO.com erzählt.

ISPO.com: Was ist die wichtigste Eigenschaft, die Sie im Klettern so erfolgreich gemacht hat?
Lena Herrmann: Ganz klar Leidenschaft und Disziplin. Aber man kann überall viel Disziplin oder viel fachliches Know-how haben. Wenn man nicht leidenschaftlich genug dabei ist, bringt das alles nichts. Egal welches Einstiegs-Niveau und auch egal welches Ziel man am Ende hat: Leidenschaft ist das wichtigste bei allem. 

Die Leidenschaft kommt ja nicht von alleine. Was treibt Sie an?
Bei mir ist es der Ehrgeiz herauszufinden, wie weit ich gehen kann und was ich alles erreichen kann. Für mich hat der Klettersport so einen hohen Stellenwert, dass es kein Problem ist, alles durchzuziehen. Ich weiß, dass sich jeder Moment, egal ob es ein gequältes Training oder ein Projekt am Fels ist, lohnt. Klettern ist ein Sport, bei dem nicht nur die Performance zählt, sondern er reflektiert viel von der Persönlichkeit. 

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Lena Herrmann bei der HardMoves Boulderleague 2016. (Quelle: privat)
Lena Herrmann bei der HardMoves Boulderleague 2016.
Bild: privat

„Entweder du kletterst jetzt bis zur nächsten Exe oder lässt los, weil du Schiss hast “

Sie scheinen sich selber schon gut zu kennen. Wie gehen Sie mit dem Thema Angst um? Wenn Sie zum Beispiel weit über dem Haken sind oder an Ihrer Leistungsgrenze?
Ich klettere seit ich ein kleines Kind bin. Mit acht Jahren habe ich angefangen vorzusteigen. Wenn man solche kognitiven Fähigkeiten schon als Kind antrainiert bekommt, dann findet man das nicht so schlimm und kann sich schneller damit anfreunden. Schon damals habe ich gesehen, dass Persönlichkeitseigenschaften einem dabei helfen können. Also entweder du kletterst jetzt bis zur nächsten Exe oder du lässt los, weil du Schiss hast und musst nochmal alles von vorne machen. 

Also haben Sie gar keine Angst mehr?
Mittlerweile habe ich gar keine Angst mehr vorm Vorsteigen. Im Gegenteil: Wenn ich richtig weit über der Exe bin und den Haken nicht mehr sehe, dann ist das für mich ein purer Moment. Dann ist der Flow-Moment und die Konzentration noch stärker. 

Kommen wir zu Ihrem Training. Wie verteilen Sie Ihr Training zwischen Stärken weiter ausbauen und Schwächen verbessern?
Periodisierte Trainingsplanung. Im Winter, wenn alle Kletterer nach Spanien fahren, bin ich Zuhause auf dem Dachboden meiner WG und trainiere. In den letzten beiden Jahren habe ich angefangen, zielorientiert zu trainieren. Zum Beispiel eine bestimmte Route am Fels oder in einem bestimmten Gebiet klettern zu können. Vorher habe ich ein ganzheitliches Training gemacht, um ein kompletterer Athlet zu werden: Fokus auf den Ausbau der Schwächen und parallel stärken der Stärken.

 

Was sind momentan Ihre Schwächen und was Ihre Stärken?
Ich bin stark, was die ganze Fingerkraft-Kletterei angeht. Auf kleinen Leisten, Löchern und leicht überhängende Sachen bin ich besonders gut. Deswegen klettere ich auch gerne im Frankenjura. Was ich nicht so gut kann, ist supermaximalkräftiges Zeug, Sloper-Zangen, Super-Dächer. Um mich zu verbessern, beschäftige ich mich im Training aber auch mit den Sachen, die mir schlecht liegen. Aber mittlerweile überlege ich mir, was meine Ziele sind. Meistens ist es eine bestimmte Route. 

Wenn Sie sich eine Route aussuchen, die Sie als Nächstes klettern wollen, wie gehen Sie dann das Training an?
Ich gehe zunächst an den Felsen und hänge mich von Exe zu Exe, um zu schauen, was die Route abverlangt. Am besten ist es, wenn man sich die Route im Herbst schon einmal anschaut und dann im Winter trainiert. So weiß man, woran es hapert und kann die Trainingsplanung daran ausrichten. 

Welche Routen würden Sie gerne mal klettern?
Beispielsweise Routen, die früh erstbegangen wurden. Die Wallstreet (11-) von Wolfgang Güllich oder Shangri-La (11-/11) von Guido Köstermeyer. Meistens sehr historische Routen. Da ist mir dann der Schwierigkeitsgrad egal.  

Der Einstieg ist einfach: „Am Anfang ganz viel Klettern gehen.“

Wie sieht das Training dann konkret bei Ihnen zuhause aus?
Ich fange mit einer Vorbereitungseinheit an, also Muskelaufbau, um die maximale Kraft, Fingerkraft, Gesamtathletik und Körperspannung zu verbessern. Parallel dazu trainiere ich die Grundausdauer. Zum Schluss kommt dann die Kraftausdauer. Ich schaue, dass ich zwischendurch auch mal an den Felsen komme oder zum Bouldern gehe, damit ich das Felsgefühl nicht komplett verliere. 

Welchen ultimativen Tipp würden Sie Freizeitkletterern geben, der sie sofort besser macht?
Am Anfang ganz viel Klettern gehen. Kletterer, die besser werden wollen und dafür anfangen zu trainieren, verstehe ich überhaupt nicht. Wenn ich sagen würde „Ich will jetzt Rudern!“ dann gehe ich auch nicht zuerst ins Fitnessstudio an die Rudermaschine. Deswegen einfach ganz viel klettern.

Einfach nur klettern?
Am besten unterschiedliche Kletteranforderungen und unterschiedliche Boulder-Routen ausprobieren. Außerdem mit motivierten Leuten zusammenarbeiten, die vielleicht ein bisschen besser sind als ich. Wenn dann irgendwann nach mehreren Jahren ein Leistungstief kommt, dann kann man mal anfangen zu trainieren. Aber am Anfang ist ganz viel Klettern am wichtigsten.

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Ein Beitrag von Anja Heder, Autorin
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