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 Ski-Star Viktoria Rebensburg: Shitstorm wegen RB Leipzig
Sportbusiness | 13.01.2017

Business-Interview über Sponsoren, TV-Präsenz und Social Media

Ski-Star Viktoria Rebensburg: „Mein Besuch bei RB Leipzig führte zu heftigen Diskussionen“

Ski-Star Viktoria Rebensburg: Shitstorm wegen RB Leipzig. Viktoria Rebensburg wird seit zehn Jahren von Sponsor Red Bull unterstützt. (Quelle: Hans Herbig / Red Bull Content Pool)
Viktoria Rebensburg wird seit zehn Jahren von Sponsor Red Bull unterstützt.
Bild: Hans Herbig / Red Bull Content Pool
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Viktoria Rebensburg fährt seit Jahren in der Weltspitze des Ski-alpin-Zirkus, bei der Abfahrt auf der Kandahar in Garmisch schafft sie es aufs Podest. Im Business-Interview mit ISPO.com spricht sie über Sponsoren, Geld, Social Media – und einen Stadionbesuch bei RB Leipzig mit Folgen.

Bei den Olympischen Winterspielen 2010 feierte Viktoria Rebensburg mit der Goldmedaille im Riesenslalom ihren bisher größten sportlichen Erfolg. Doch die 27-Jährige ist längst nicht nur auf der Piste ein Profi: Auch bei Sponsoren-Terminen und in den Social Media weiß Rebensburg zu überzeugen.

Im Interview mit ISPO.com spricht die Oberbayerin unter anderem über Dauersponsor Red Bull, bei dem sie ein vierwöchiges Praktikum absolvierte, ihren bislang einzigen Shitstorm und die Auswirkungen ihres Olympiasieges.


Viktoria Rebensburg im Business-Interview

ISPO.com: Nach langer Verletzungspause ist Ihnen Ende vergangenen Jahres ein beeindruckendes Comeback geglückt. Dabei sah man Sie auch erstmals mit lila Milka-Helm fahren. Wie entstehen Partnerschaften dieser Art eigentlich?
Viktoria Rebensburg: Man muss grundsätzlich unterscheiden zwischen Ausrüster und privaten Sponsoren. Im Bereich der Ausrüster sind Partnerschaften insofern begrenzt, da der DSV als unser Verband vorgibt, welche Partner in diesen Pool überhaupt eintreten dürfen.
Innerhalb dieses Pools wählt man als Athlet dann sein Equipment. Also Ski, Skischuhe, Stöcke, Helm, Brille und Protektoren. Wobei Ski und Schuhe natürlich die wichtigsten Ausrüstungsgegenstände für einen Skifahrer sind. 

Back home and directly on my favourite playground again🤓✌🏼️ #milkamoment

Ein von Viktoria Rebensburg (@viktoria_rebensburg) gepostetes Foto am

Vor zwei Jahren wechselten Sie die Skimarke von Nordica auf Stöckli. Wie kam es dazu?
Je erfolgreicher man wird, umso eher erhält man Ende der Saison Einladungen zu unverbindlichen Skitests. Kurzum: Stöckli lud mich seinerzeit ein, ich war vom Material begeistert. So kam letztendlich der Wechsel zustande.

Ist es bei privaten Sponsoren ähnlich?
Ganz klar: Je präsenter man ist, umso eher wird eine Marke, eine Firma auf einen aufmerksam. Milka kam in dem Fall auf mich zu. Angebote dieser Art gilt es dann abzuwägen: Passt so eine Partnerschaft zu mir beziehungsweise wo sind die Synergien? Sportler und Marke müssen zusammenpassen. Erst dann wirkt eine Partnerschaft authentisch und kann – für beide Seiten – erfolgreich sein.

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Stimmen Sie Entscheidungen dieser Art mit Ihrer Agentur ab?
Natürlich lasse ich mich von Profis beraten. Gemeinsam mit meiner Agentur haben wir gleich zu Beginn analysiert, wofür ich stehe, wer ich bin und was mir wichtig ist.

Und wofür steht Viktoria Rebensburg?
Ich bin heimatverbunden. Die Liebe zur Natur und zum Draußen sein prägen mein Leben. Ich bringe eine große Leidenschaft für meinen Sport mit und bin bereit an mein Limit zu gehen. Authentizität ist mir sehr wichtig. Ich verbiege mich nicht, bleibe mir also treu.

Viktoria Rebensburg fährt auf Stöckli ab

Müssen Sie in der Kooperation mit Ihrer Skimarke Ihr Know-how auch in Sachen Serienski einbringen, also beispielsweise auch Ski testen, die später jedermann im Laden kaufen kann?
In erster Linie setze ich mich natürlich mit meinem eigenen Setup auseinander und melde, was ich spüre, wenn ich auf dem Ski stehe. Ich gebe also meinen Input weiter. Der Skibauer nimmt in Abstimmung mit mir gegebenenfalls minimale, aber entscheidende Detailänderungen im Skiaufbau vor.
In jeder Skifirma gibt es eine Person, die dieses absolute Fachwissen innehat und Ski entwickelt beziehungsweise letztendlich baut. Auf dieser Position ist man immer für beide Segmente, Renn- und Serienski, verantwortlich.

Viktoria Rebensburg in Aktion mit Stöckli-Ski und Sponsor Milka auf dem Helm. (Quelle: Imago)
Viktoria Rebensburg in Aktion mit Stöckli-Ski und Sponsor Milka auf dem Helm.
Bild: Imago

Welche Pflichten hat man als Markenbotschafter bei Milka oder Red Bull?
Das ist reine Verhandlungssache. Was Ausrüster betrifft, ist TV-Sichtbarkeit natürlich entscheidend. Das Thema Social Media ist allerdings mittlerweile auch richtig groß und relevant.
Man verpflichtet sich zur Teilnahme an bestimmten Facebook- oder Instagram-Aktionen, man steht für Shootings bereit, ist auf Messen präsent, auch mal auf einer Mitarbeiterveranstaltungen anwesend, hält Vorträge, besucht TV-Sendungen, steht für Autogrammstunden oder einem Meet & Greet zur Verfügung.
Das variiert natürlich von Vertrag zu Vertrag, aber ein paar Präsenztage muss man jedem Partner zugestehen.

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„Ich habe keinen fixen Plan B“

Auch mitten in der Weltcup-Saison?
Das wird spontan und recht flexibel mit Trainern und Athleten abgestimmt. Der Sport hat immer Priorität. Training und Regeneration gehen vor. Aber man findet immer Lösungen, die für beide Seiten passen.

Schwere Verletzungen häufen sich im Skisport. Sie können mitunter ein jähes Karriereende bedeuten. Gibt es einen Plan B für Ihre Karriere?
Vor dem Hintergrund, dass man als Sportler nie weiß, was passiert, habe ich nach Olympia 2010 an der Fachhochschule Erding ein Sportmanagement-Studium begonnen. Ich möchte breiter aufgestellt sein. Sich mit anderen Dingen als ausschließlich dem Skifahren zu beschäftigen, über den Tellerrand hinauszuschauen, tut mir als Mensch auch einfach gut.
Was böse Verletzungen betrifft, mache ich mir schon mal Gedanken, aber nicht als zentrales Thema. Roger Federer sagte einmal auf eine ähnliche Frage sinngemäß: Wenn sich ein Athlet mit dem „Danach“ beschäftigt, ist er nicht mehr zu 100 Prozent auf seinen Sport fokussiert. Das sehe ich auch so.
Zurück zur Frage: Einen fixen Plan B habe ich nicht in der Schublade.


Sie haben im Sommer ein Praktikum bei Red Bull Deutschland in München absolviert. Sie hätten in der Zeit auch am Tegernsee urlauben können.
Nun, das vierwöchige Praktikum war Teil meines Studiums. Allerdings war es wirklich interessant, einmal hinter die Kulissen zu schauen. Ich kooperiere seit knapp zehn Jahren mit Red Bull und habe zu vielen Menschen, die dort arbeiten, über die Jahre ein enges Verhältnis aufgebaut. Die Jobs und Abläufe kennenzulernen, einzelne Abteilungen zu durchlaufen, war sehr spannend.

„Inspirierend, die Seite zu wechseln“

Welche Abteilungen durften Sie kennen lernen?
Eine Woche lang war ich in der Abteilung EHC München, später in der Event-Abteilung und schließlich im Bereich Athleten-Kommunikation. Es war inspirierend, eine andere Perspektive einzunehmen und mal die Seite zu wechseln.

In den sozialen Medien präsentieren Sie sich natürlich, sympathisch, humorvoll. Verfolgen Sie in Abstimmung mit Ihrer Agentur eine bestimmte Strategie oder kommen die Inhalte frei nach Viktoria Rebensburg direkt von Ihnen?
Das sind meine Beiträge. Es ist mir ausgesprochen wichtig, dass hinter jedem Post auch wirklich ich selbst stehe. Alle Texte und Zitate müssen mir und meinem Charakter entsprechen.
Da sich aber gerade diese Medien rasant schnell weiterentwickeln und man auf dem neuesten Stand sein muss, berate ich mich schon mit Fachleuten. Wir sprechen gelegentlich über interessante Inhalte und wie man diese aufbereiten könnte. Ich möchte meine Fans informieren und gut unterhalten.


Mittlerweile gibt es auch einen Blog auf Ihrer Webseite.
Das war schon länger ein Wunsch vor mir. Es gibt in unserem Sport so viel Interessantes zu erzählen. Die Rennen selbst bilden nur einen Bruchteil ab. Auf meinem Blog möchte ich künftig Menschen vorstellen, die mir wichtig sind, die mich unterstützen und begleiten.
Ich kann auf diesem Weg meine eigenen Inhalte spielen und über Engagements meinerseits berichten. Im Frühjahr 2017 startet mit „fit und aktiv“ ein Projekt zum Thema Kindergesundheit, das ich zusammen mit dem Bayerischen Gesundheitsministerium und Berchtesgadener Land ins Leben gerufen habe.

Kein Neid auf Veith und Gut

Lara Gut folgen auf Facebook 570.000 Fans, Anna Veith 661.000 Menschen. Sind Sie mit 72.600 Fans auf Ihrem Facebook-Account zufrieden?
Natürlich registriere ich diese Zahlen. Allerdings muss man schon differenzieren. In Österreich und der Schweiz haben Skisportler eine ganz andere Relevanz als in Deutschland. Das spiegelt sich natürlich in deren Reichweiten.
Zudem sind beide genannten Damen großartige, sehr erfolgreiche Sportlerinnen. Ich verfalle also weder in Panik, noch pushe ich meine Accounts ohne Ende. Das kostet ja auch alles viel Zeit. Menschen, die sich freiwillig mit mir auseinandersetzen, mich begleiten und mir gerne folgen, denen möchte ich etwas bieten: Gute Unterhaltung und Mehrwert.

Folgen Sie aktiv anderen Sportlern?
Klar, folgen und liken wir uns eifrig gegenseitig. Ich mag das. Es ist eine witzige und nach außen hin sichtbare Art mit Kolleginnen und Kollegen, aber auch Sportlern aus anderen Bereichen in Kontakt zu sein.

Haben Sie schon einmal einen Shitstorm geerntet?
Einmal teilte ich über ein Foto auf Facebook mit, dass ich gemeinsam mit meinen Teamkollegen Julius Brink und Stefan Glowacz ein Heimspiel von RB Leipzig besuche. Es war das entscheidende Spiel vor dem Aufstieg in die erste Liga. Da gab es heftige Diskussionen. Mein Besuch bei RB Leipzig hat extrem polarisiert. Wobei es interessant war, die ganzen Sichtweisen zu lesen.
Trotz aller Diskussion: Red Bull ist nicht nur mein langjähriger Partner, sondern ganz allgemein ein Förderer des Sports. Red Bull unterstützt auch Sportarten, die keinen starken Verbänden unterstehen, denen wenig Geld zur Verfügung steht. Vor diesem Engagement habe ich Respekt. Kommerzielle Interessen, das liegt in der Natur der Sache, verfolgt auch jeder andere Partner aus der Wirtschaft.

„Olympiasieg alleine legt keinen Schalter um“

Es heißt so schön: Ein Olympiasieg steigert den Marktwert. Standen nach Ihrer Goldmedaille in Vancouver 2010 potentielle Sponsoren Schlange?
Ich bin da kein gutes Beispiel.

Warum nicht?
Der Olympiasieg war mein erster Sieg. Fährst du aber schon ein paar Jahre in der Spitze mit und holst dann Olympia-Gold, ist die Geschichte schon interessanter. Olympia ist dann die Krönung.

Kam der Olympiasieg zum falschen Zeitpunkt? Wäre er etwa vier Jahre später lukrativer gewesen?
Ein Olympiasieg kommt nie zum falschen Zeitpunkt! Er ist und bleibt ein Titel für die Ewigkeit. Ich bin zwar kein Marketingexperte, aber mein Gefühl sagt mir, dass sich der Marktwert eines Sportlers kontinuierlich aufbaut. Ein Sieg bei Olympia alleine legt da keinen Schalter um. Da muss mehr stimmen. Neben Erfolgen muss auch das Auftreten passen.

Rebensburg vertraut Agentur acta7

Sie werden von der Sportmarketing-Agentur acta7, bei der unter anderem auch Philipp Lahm unter Vertrag steht, betreut. Nach welchen Kriterien haben Sie sich für diese Agentur entschieden?
Ich kannte etliche Leute aus der Agentur schon vorher gut. Edgar Kohler war früher in der Skiindustrie tätig, ist also in meiner Welt zu Hause und entsprechend gut vernetzt. Gründer Roman Grill, ehemaliger Fußballer und Ausbilder beim FC Bayern, kannte ich auch schon. Wir kommen beide aus demselben Landkreis Miesbach, wohnen nicht weit voneinander entfernt.
Seit sechs Jahren begleitet mich nun acta7. Vom ersten Gespräch an hat für mich alles gepasst. Ich bin sehr happy mit dieser Wahl und werde top begleitet. Streng genommen stehen mir die Leute von acta7 in allen Belangen, außer den sportlichen, zur Seite.
Natürlich betreuen sie mich hinsichtlich meiner Sponsoren, koordinieren Interviewanfragen, klären aber auch mal DSV-intern etwas für mich oder besorgen mir ein bestimmtes Gerät, das ich in der Reha gerade gut gebrauchen könnte. Wenn man so will, ist das ein Rundumkonzept. 

Die Partner und Sponsoren von Viktoria Rebensburg:

Milka, Stöckli, Red Bull, Bogner, Leki, Uvex

Johanna Stöckl (Quelle: Johanna Stöckl)
Ein Beitrag von Johanna Stöckl, Autorin
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