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 Wie Bode Miller zum Aztech-„Chief Innovation Officer" wurde
Wintersport | 20.01.2017

Ski-alpin-Profi jetzt im Sport-Business

Bode Miller als „Chief Innovation Officer“ bei Aztech Mountain: „Fortschritte sind unglaublich“

Wie Bode Miller zum Aztech-„Chief Innovation Officer" wurde. Bode Miller gewann insgesamt sechs olympische Medaillen, darunter einmal Gold. (Quelle: Imago)
Bode Miller gewann insgesamt sechs olympische Medaillen, darunter einmal Gold.
Bild: Imago
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Bode Miller wagt bei Aztech Mountain den Umstieg von der Piste ins Sport Business. Im Interview mit ISPO.com spricht der Ski-alpin-Crack über seine neuen Prioritäten im Leben und über seine Teilnahme an der ISPO MUNICH 2017.

Bode Miller ist einer der erfolgreichsten Skiläufer der Geschichte. Nach einem schweren Sturz im Februar 2015 kämpft der Olympiasieger und viermalige Weltmeister nun um ein Comeback als Aktiver.

Doch abseits der Piste hat sich seitdem bei Miller viel getan: Der 39-Jährige ist nicht nur Vater geworden, sondern auch Geschäftsmann mit Partner Aztech Mountain. Für die ISPO MUNICH 2017 wird Miller eigens nach München kommen.

Im Interview mit ISPO.com spricht Miller über seine neue Aufgabe als Chief Innovation Officer, seine Vorteile als Ski-Ass in der Branche und eine mögliche Profi-Rückkehr auf die Piste.

Die Profi-Karriere des Bode Miller


ISPO.com: Herr Miller, wie würden Sie Ihren Beruf als Ski-Profi jemandem beschreiben, der noch nie von Bode Miller gehört hat?
Bode Miller: Ich denke, Sport ist ziemlich selbsterklärend. Das Coole daran ist seine Geschichte und die Tatsache, ihn Menschen im Grunde genommen seit Hunderten von Jahren tun: Fortbewegung auf Schnee. Es ist einfach eine tolle Erfahrung, draußen im Freien zu sein. Dazu kommt der knallharte Wettbewerb, der bei den Weltcups herrscht, wo Sieg und Niederlage so eng beieinander liegen und die Folgen eines Fehlers so schwerwiegend sind – das ist in dieser Form ziemlich einzigartig.

Würden Sie sich selbst immer noch als Rennläufer oder als Geschäftsmann bezeichnen? Was ist im Moment Ihr Job?
Ich denke, sowohl als auch. Und das schon seit Längerem. Natürlich war ich Rennläufer, habe jedoch auch viel Zeit und Energie in die geschäftliche Seite investiert. Obwohl ich auf eine wirklich lange Karriere zurückblicke, fühle ich mich jetzt nicht wirklich anders als in meinen Zwanzigern.

Die größte Veränderung ist meine Familie. Ich trage jetzt so viel mehr Verantwortung in diesem Bereich. Prioritäten verändern sich. Skirennen waren das Wichtigste in meinem Leben, jetzt ist es meine Familie.

Herzlich Glückwunsch zur Geburt Ihrer Tochter übrigens! Wie alt ist Emeline Grier jetzt?
Rechnen Sie's aus: Sie wurde am 5. November 2016 geboren.

Bode Miller ist Partner von Aztech Mountain

Gleich nach Ihrer Familie kommt wahrscheinlich Ihr neuer Job bei Aztech Mountain. Warum haben Sie sich für diese Marke entschieden, statt für einen der anderen Anbieter auf der Welt, die sicher ebenfalls gern mit Ihnen gearbeitet hätten?
Ich habe Erfahrung mit Kjus. Ich habe jahrelang für die Firma gearbeitet, und die Beziehung war einzigartig. Es war eine tolle Zeit für mich, denn ich habe viel über die Produktion und die Branche insgesamt gelernt. Ich war ziemlich stark involviert.

Am Ende meiner Tätigkeit wurde mir klar, dass ich wirklich Teil eines Unternehmens sein wollte, das die gleiche Art von Ideen hat, was die Bereitstellung von Materialien für Kunden angeht. Bei Aztech betrachten wir es als unsere Chance, die Allerbesten zu sein.

Als ich das Team zum ersten Mal traf, hatten wir sehr ähnliche Vorstellungen davon, was wir in den Staaten tun wollten. Es war klar, dass eine Zusammenarbeit möglich war. Anthony und David, die eher aus dem Luxusbereich kamen, hatten den Vorteil, dass sie diese Perspektive verstanden.

Wenn ich sage, „schaut, dieses Detail können wir verbessern“, würden viele Unternehmen sagen: „Zerbrechen wir uns darüber nicht den Kopf darüber. Es ist nur ein Detail, und es wird uns Geld kosten, sie zu optimieren. Lassen wir es einfach.“

Aber das Aztech-Team sagte sofort: „Absolut, wir fangen am besten sofort an!“ Das ist ein kleiner Teil dessen, was uns so einzigartig macht. Die Gründer sehen einen echten Wert darin, die Dinge fortlaufend zu optimieren. Und wenn sie einen Weg gefunden haben, etwas zu verbessern, dann zögern sie nicht, dies zu tun. So schafft man es bis an die Spitze und bleibt auch dort.

Bode Miller (rechts) mit David Roth (links) und Anthony Rutgers von Aztech Mountain

Wie groß ist Aztech in den USA? Das Unternehmen ist in Europa noch nicht sehr bekannt.
Es ist ein sehr junges Unternehmen, erst wenige Jahre alt. Wir werden in mehr als 30 verschiedenen Geschäften weltweit verkauft.  International konnten wir 2016 ein solides Wachstum verzeichnen. In Japan und China ist das Geschäft mit starken Ergebnissen angelaufen.

Obwohl wir in Europa noch nicht gerade riesig sind, hat Aztech dort bereits einige Großkunden. Unsere Einzelhandelspartner und unsere Kunden schätzen die Qualität. Das Produkt spricht für sich selbst. Das ist das Tolle: Aztech Mountain ist wirklich authentisch und kein Produkt eines raffinierten Marketing-Teams.

Die Herausforderung besteht für uns darin, im Wachstum die Qualität zu wahren, während wir weiter an unserer Infrastruktur arbeiten und geeignete Leute für unser Unternehmen finden. Die Nachfrage steigt, jeder will unsere Ware – Qualitätskontrolle ist jedoch notwendig, und der Kunden-Service muss stimmen.

Manchmal sind diese Dinge nicht so weit, wie du sie gerne hättest. Das ist etwas, das uns allen klar ist. Wir haben sehr erfahrene Leute, die im Board sitzen und in das Unternehmen involviert sind. Sie alle brachten Vorteile mit, die sehr nützlich sind. Wir haben so ein tolles Team, wirklich nette Kollegen.


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„In der Welt des Skisports, seit ich fünf war“

An welchen Produkten haben Sie bis jetzt als Chief Innovation Officer gearbeitet?
An allen. Von den Shorts, den Sommersachen, unseren Flanellen, den Skijacken. Eines der Dinge, die mir sehr wichtig sind, woran die Jungs ebenfalls glauben: Wir machen bessere Crossover-Kleidungsstücke als irgendjemand sonst. Wir können eine Skijacke herstellen, die Sie auch in New York City, zum Après-Ski oder einfach zum Spazierengehen tragen können.

Das ist eine moderne Denkweise mit Blick auf die Branche. Die Leute wollen keine fünf verschiedenen Jacken haben. Ja, eine Skijacke ist eine Skijacke, und Sie würden sich komisch fühlen, in einer Skijacke in New York City herumzulaufen. Und ja, die Leute wollen eine funktionelle Jacke, wenn sie draußen auf dem Skihang sind.

Aber wenn man es genau richtig macht, bekommt man dieses Crossover-Feeling: Die Jacke sieht stylish und toll aus, ist funktionell, ist jedoch auch für jeden anderen Bereich geeignet. Und dann müssen Sie Ihre Jacke einfach jeden Tag tragen.

In diesem Punkt, denke ich, sind wir besser als jedes andere Unternehmen. Wir besitzen das Knowhow und den Hintergrund, um dies umzusetzen. Ich habe wie gesagt an praktisch jedem Teil der Kollektion mitgearbeitet, angefangen bei dem Schnitt, dem Testmaterial und der Form der T-Shirts und Golf-Shirts bis hin zu den Flanellen, Bündchen, Taschen und Reißverschlüssen. Wir verbessern unsere Produkte einfach immer weiter.

 

Eine neue Welt für Sie. Wie sehr liegt Ihnen das Design?
Sie ist nicht wirklich neu. Ich bin in der Welt des Skisports, seit ich fünf Jahre alt war. Ich habe Jacken jeder Art getragen und war dem aggressivsten Klima der Welt ausgesetzt, das höchste Ansprüche an die Bekleidung stellt. Wenn du so viel Zeit im Wind, in der Kälte und im Regen verbringst, lernst du, was funktioniert und was nicht.

Während meiner Tätigkeit für einige andere Unternehmen habe ich einige der technischen Weiterentwicklungen gesehen, was Materialien und Gewebe sowie die Behandlung der Textilien anbelangt. Aufgrund meiner einzigartigen Erfahrung vereine ich all diese Dinge in einer Person und sauge Informationen auf.

Wenn ich anfange, darüber zu sprechen, wie wir die Gewebe verändern und verschiedene Behandlungen durchführen, dann tue ich das aus meiner Erfahrung heraus. Es ist nicht einfach Spekulation oder kommt von einem Ingenieur, der im Büro sitzt und denkt: „Wir brauchen etwas, das Wasser stärker abweist.“ Ich weiß es, weil ich selbst draußen auf dem Berg bin.

In bestimmten Bereichen werden nicht unbedingt andere Materialien benötigt. Denn Sie können das gleiche Gewebe einfach anders behandeln und erhalten ein besseres Resultat. Das kann man aber nicht ohne Erfahrung.

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„Erste Skijacke sah aus wie aufgeblasen“

Wie wichtig ist Mode für Sie?
Für das Unternehmen ist Mode unglaublich wichtig. Denn wenn sich die Menschen in ihren Klamotten nicht wohlfühlen, dann tragen sie sie nicht allzu oft. Ich persönlich mag Kleidung, die ihren Zweck erfüllt, gut passt, ausreichend dehnbar ist, den richtigen Schnitt hat und deren Taschen perfekt sind. Da die Jungs beim Design so gute Arbeit geleistet haben, trage ich das Zeug einfach, weil es tut, was es soll. Erst dann merke ich, dass mir wirklich gefällt, wie die Sachen aussehen.

Ich bin einer der wenigen Menschen, die von der anderen Seite ins Business kommen. Doch letztendlich sind beide Aspekte für das Unternehmen gleichwichtig. Wir haben nicht genau das gleiche auf Lager wie einige Unternehmen, die Rot, Schwarz, Blau und Weiß anbieten.

Das superauffällige, bunte Zeug ist nicht unser Ding. An den Mustern und Nähte, die wir einsetzen, um Taschen mit Details versehen – ist das wirklich gut zu erkennen. Sie sind nicht schrill oder penetrant. Ich bin sehr zufrieden damit.

Haben Sie eine Lieblingsfarbe?
Nein, ich mag Schwarz und Grau, aber mir gefällt auch das Blau, Rot und Grün unserer Flanelle.

Nach seinem Sturz in Beaver Creek liegt Bode Millers Profi-Karriere auf Eis. (Quelle: Imago)
Nach seinem Sturz in Beaver Creek liegt Bode Millers Profi-Karriere auf Eis.
Bild: Imago

Erinnern Sie sich an Ihre erste Skiausrüstung als Kind, damals in New Hampshire?
Ich glaube, meine erste Ausrüstung war von CB. Und ich hatte Stretchhosen. Die CB-Jacke sah wie aufgeblasen aus, war überdimensioniert und zu groß, doch sie hielt warm, und ich mochte sie definitiv. Wir haben so große Fortschritte gemacht, was das Material anbelangt, es ist unglaublich.

Wie würden Sie Ihre Zielgruppe beschreiben?
Wir haben ein breites Spektrum. Das ist einer der Vorteile unseres Styles. Unser Fokus liegt auf höchster Qualität, tollen Schnitten und der Form der Kleidungsstücke. Als Materialien setzen wir die neuesten und ausgereiftesten technischen Textilien ein. Das gefällt jedem.

Wir müssen uns keine Gedanken darüber machen, wer unsere Zielgruppe ist – ob technisch versierte Fahrer oder jemand anderes – da für jeden das Passende dabei ist. Für jedes Teil gibt es ein breites Spektrum von Einsatzmöglichkeiten.

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ISPO MUNICH 2017: Chance für Aztech Mountain

Klingt, als wären Sie voll dabei. Fühlen Sie sich wohl in der Geschäftswelt?
Es ist eine großartige Gelegenheit, und es ist schön, mit jemandem zusammenzuarbeiten, der wirklich dieselben Werte und Ziele hat. Das macht es leicht. Die Bedingungen sind perfekt für uns.

Sie kommen im Februar zur ISPO MUNICH. Wie wichtig ist die ISPO für Ihren neuen Job?
Die Teilnahme an der ISPO MUNICH 2017 als Mitinhaber einer dynamischen Marke für Funktionsoberbekleidung ist spannend und etwas ganz Neues für mich. Ich bin stolz auf meinen Beitrag zu der Produktlinie, die wir präsentieren werden. Das ist unsere Chance, unsere Kollektion dem Einzelhandel und Medienpartnern aus der ganzen Welt vorzustellen und ihnen die Möglichkeit zu geben, das Produkt aus erster Hand zu erleben.

Was bedeutet dieser neue Job für Ihre Rennkarriere?
Niemand weiß das genau. Wir haben über die Möglichkeit gesprochen, dieses oder nächstes Jahr an Rennen teilzunehmen. Denn das wäre derzeit noch möglich. Ich bin fit und mental gut vorbereitet. Wir müssen verschiedene Herausforderungen bewältigen. Das ist etwas, worauf ich Ihnen im Moment keine abschließende Antwort geben kann. Ich kann jedoch sagen, dass es möglich wäre.

Wie viele Paar Skier besitzen Sie?
Um die 25.

Vermissen Sie das Skirennen?
Bestimmte Aspekte fehlen mir. Zuletzt habe ich für NBC die Rennen in Val d‘Isère kommentiert. Ich vermisse es nicht so sehr, dass ich das Gefühl habe, zurückkehren und wieder dabei sein zu müssen. Es wäre okay für mich aufzuhören, aber ich liebe es, Ski zu laufen und an Rennen teilzunehmen.


Haben Sie in letzter Zeit mit dem US-Team trainiert?
Ja, einige Tage lang in Copper Mountain, Colorado.

Wie war das?
Ich fühle mich sehr wohl. Es gibt keine wirklich großen Hindernisse.

Was wäre Ihre bevorzugte Comeback-Station in diesem Winter?
Keine Ahnung. Die Rennen in Wengen und Kitzbühel hatte ich einmal im Visier, aber das war nicht zu realisieren. Ob es bis zur WM klappt? Man wird es sehen.

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