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 Die richtigen Freeski finden: ÖSV-Experte gibt Kauf-Tipps
Wintersport | 02.01.2017

Die besten Ski für Freestyle und Freeride

Die richtigen Freeski finden: ÖSV-Experte Roman Kuss erklärt, worauf beim Kauf zu achten ist

Die richtigen Freeski finden: ÖSV-Experte gibt Kauf-Tipps. „Der Ski-Nachwuchs orientiert sich sehr an den Stars der jeweiligen Szene“, sagt Roman Kuss vom ÖSV. (Quelle: Fischer Sports)
„Der Ski-Nachwuchs orientiert sich sehr an den Stars der jeweiligen Szene“, sagt Roman Kuss vom ÖSV.
Bild: Fischer Sports
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Lift hoch, Piste runter, das war einmal. Viele Jugendlichen können mit dem traditionellen Ski-Vergnügen ihrer Eltern nicht viel anfangen. Mehr Individualität, mehr Freiheit – damit lockt Freeski. Klingt gut, oder? Roman Kuss, Referatsleiter Freestyle beim Österreichischen Skiverband, klärt auf, wie der Freeski-Trend in der Praxis ankommt und schlüpft für einen älteren Freeski-Einsteiger in die Rolle eines Ski-Fachverkäufers.

Heute Villach, morgen Kaunertal, übermorgen Stubai: Roman Kuss ist viel unterwegs, nicht nur weil die Skisaison nun richtig durchstartet. Der 27-Jährige ist Referatsleiter und sportlicher Leiter für den Bereich Freestyle beim Österreichischen Skiverband (ÖSV) – und damit ganz nah dran am Ski-Nachwuchs.

ISPO.com hat mit Roman Kuss über die Trends im Freeski gesprochen, über die wichtigsten Equipment-Unterschiede der Trendsportarten Freeride und Freestyle und darüber, wie man den richtigen Freeski für sich findet.


ÖSV-Freestyler Roman Kuss im Interview

ISPO.com: Herr Kuss, einfache Frage zum Anfang: Wie finde ich den richtigen Freeski für mich oder für meine Kinder?

Roman Kuss: (lacht) Wenn das schon die einfachste Frage sein soll…! Aber okay, ich versuche mal, den Fachverkäufer zu spielen. Freeski, das ist ja ein weiter Begriff, ich muss also mit Gegenfragen antworten: Wie gut fahren Sie Ski und was wollen Sie denn genau mit den Freeski machen?

Im Gelände powdern, ein wenig springen. Abstecher in den Funpark ja, aber eher keine Rails oder Boxen. So in etwa. Zu meinen Ambitionen: seit bald drei Jahrzehnten auf Pisten unterwegs, im Tiefschnee insgesamt solide. Und mittlerweile deutlich risikoärmer.
Ja, das kenne ich mittlerweile auch. Man fängt an, über Konsequenzen nachzudenken. Stürze tun deutlich länger weh. Aber zurück zu den Ski: Den einen Freeski gibt es nicht. Sie wollen einen Ski zum Freeriden, aber eher Richtung Allmountain. Man sollte schon relativ genau wissen, wo die künftigen Einsatzschwerpunkte seiner Ski liegen werden, denn die Ski-Industrie hat die Produktpalette im vergangenen Jahrzehnt deutlich diversifiziert. Früher gab es nur wenige Ski-Modelle, heute gibt es nichts mehr, was es nicht gibt.

Roman Kuss kam vom alpinen Rennsport und ist nun Referatsleiter Freestyle beim ÖSV. (Quelle: privat)
Roman Kuss kam vom alpinen Rennsport und ist nun Referatsleiter Freestyle beim ÖSV.
Bild: privat

Zu was würden Sie einem typischen Freeski-Interessenten wie mir raten?
Freeride-Ski sind üblicherweise länger und breiter als Freestyle-Ski, die man vor allem für Tricks und Sprünge verwendet. Bei beiden ist die Taillierung nicht so stark wie bei klassischen Ski für die Piste. In Ihrem Fall als geübten Skifahrer würde ich bei der Skilänge sagen: Körpergröße plus maximal fünf Zentimeter.

Weniger Können bedeutet meist auch weniger Skilänge. Twintip, also vorne und hinten aufgebogen, ist mittlerweile Standard bei Freeski. Damit können Sie auch rückwärtsfahren und einen Abstecher in den Funpark machen. Und mittlerweile gibt es fast keine Freeride- und Freestyle-Ski ohne Rocker-Technologie. Durch die negative Vorspannung sind die Ski deutlich drehfreudiger.

Freestyle-Bindung: Mittiger Montagepunkt 

Was ist mit der Bindung? Welche Unterschiede gibt es zwischen Freeski- und normaler alpiner Bindung?
Die Unterschiede bei den Bindungen sind gar nicht so groß. Es gab da ebenfalls allerhand Entwicklungen, aber in der Praxis hat sich da kaum etwas durchgesetzt. Wenn Sie mit den Ski allerdings auch aufsteigen wollen, dann benötigen Sie dafür natürlich eine spezielle Bindung mit Aufstiegsfunktion, also Freeride-Tourenbindungen.
Der größte Unterschied zu alpinen Ski ist der Montagepunkt der Bindung: Bei Freeski für den Freestyle-Bereich rutscht sie weiter nach vorne, in die Mitte. Damit haben Sie bessere Kontrolle und Kraftübertragung beim Springen und Rückwärtsfahren.

Junge Skifahrer möchten sich auch abseits der Pisten ausleben. (Quelle: Fischer Sports)
Junge Skifahrer möchten sich auch abseits der Pisten ausleben.
Bild: Fischer Sports

Welche Stöcke sind empfehlenswert? Oder benötige ich Skistöcke gar nicht mehr?
Doch, durchaus – auch wenn es den klassischen Stockeinsatz kaum noch gibt. Aber Stöcke helfen ja bei der Balance. Beim Freestyle-Skiiing nimmt man kürzere Modelle. Fürs Freeriden, wo man mehr Schwünge fährt, ist die Stocklänge eher klassisch bemessen. Also rechter Winkel zwischen Ober- und Unterarm und dann in die Hand nehmen. Freerider, die längere Passagen aufsteigen, setzen auf in der Höhe verstellbare Stöcke.

Und zuletzt: Welche Unterschiede gibt es bei den Skischuhen?
Da gibt es durchaus größere Unterschiede. Ich versuche, es mal grundsätzlich zu formulieren: weich für Freestyler, etwas härter für Freerider, hart für alpine Skifahrer. Im Pistenbereich haben die Schuhe meist noch vier Schnallen, Freeskier sind meist in Skischuhen mit drei Schnallen unterwegs. Außerdem sollten Freestyle-Schuhe über Schockabsorbierungs-Eigenschaften verfügen, um die Landung nach Sprüngen zu dämpfen.

Another special day at Absolut Park ! 18 year old @wallner_laura did her first double backflip! #oesv #boom #freeskiaustria

Posted by Freeski Austria on Donnerstag, 29. Dezember 2016

Die Jury des ISPO AWARD zeichnet die besten Sportprodukte des Jahres aus – wer die Gewinner 2016 im Ski-Segment waren, sehen Sie hier >>>

Als Referatsleiter Freestyle sind Sie ja sehr nah dran am Ski-Nachwuchs. Welche Trends lassen sich da erkennen?
Ich sag’s mal so: Die Nachwuchsgewinnung beim ÖSV ist in den vergangenen Jahren nicht einfacher geworden. Für viele Kinder und Jugendliche stehen andere Dinge – Handy und Computer – im Vordergrund. Die ÖSV-Referate sind ja an den olympischen Disziplinen ausgerichtet, für viele klingt das wenig reizvoll. Kreativität und Individualität, das ist es, was bei den Kids ankommt.
Das wissen wir beim ÖSV natürlich längst auch und arbeiten daran, die richtigen Angebote zu erstellen. Ein Beispiel: Obwohl es kein Freeride-Referat gibt, bieten wir Freeride-Camps für unsere Mitglieder an. Am Freeriden herrscht beim Nachwuchs großes Interesse. Aber es kommt auch darauf an, woher die Kinder kommen.

Funparks locken Ski-Nachwuchs an 

Wie meinen Sie das?
Ob es in deren Heimat-Skigebiet einen Funpark gibt oder nicht. Wenn ja, ist Slopestyle natürlich ein heißes Thema. Und die Ski-Industrie freut sich mit, weil die Ski wegen der Abnutzung auf den Obstacles oft nicht länger als einen Winter halten. Wer keinen Funpark in der Nähe hat, landet schneller beim Freeriden.
Die Ski-Hersteller haben jedenfalls reagiert und für jede Art des Skifahrens die entsprechenden Produkte auf den Markt gebracht. Und wenn man sich das Design ansieht, erkennt man sofort, für welche Zielgruppe die Freeski entworfen wurden.

Kleiner roter Punkt springt die weiße Klippe hinab – oder: Roman Kuss in Aktion. (Quelle: Manfred Rupitsch)
Kleiner roter Punkt springt die weiße Klippe hinab – oder: Roman Kuss in Aktion.
Bild: Manfred Rupitsch

Also farbenfroh?
Nicht nur, sondern einfach modern. Manche Kids mögen es extrem bunt, andere dagegen schlicht. Design und Optik der Ski sind jedenfalls ein wesentliches Kaufkriterium. Der Nachwuchs orientiert sich sehr an den Stars der jeweiligen Szene. Die Kinder und Jugendlichen wissen genau, wer welche Ski fährt – und wollen diese Marke dann auch fahren.
Das war ein zentraler Aspekt, den ich in meiner Masterarbeit über Produktinnovationen in der Skibranche herausgearbeitet habe: Bei Ski-Trendsportarten wie Freestyle und Freeriden ist das Markenimage entscheidend.

Das werden die Marketing-Verantwortlichen gerne hören…
Ja, die schon. Aber besonders schlau ist das natürlich nicht von den Kids. Die sollten sich lieber genau überlegen, für was sie die Ski brauchen und welche Voraussetzungen sie mitbringen: Ein kleiner und dünner Rookie kann nicht viel anfangen mit einem auf einen großen und durchtrainierten Profi abgestimmten Ski. Das ist für die eigene Entwicklung nicht gerade förderlich.


Tipp für Freeskier: Lasst Euch beraten!

Weitere Tipps für Jugendliche, die mit dem Freeski anfangen wollen?
Wenn man die Möglichkeit hat, an einem Camp teilzunehmen, ist das eine gute Sache. Da bekommt man einfach die Grundlagen beigebracht, die man später immer anwenden kann. Und dann noch zwei Empfehlungen zum Equipment.
Erstens: Ohne Rückenprotektoren und Helm geht im Freeski-Bereich gar nichts, das ist das Nonplusultra.
Und zweitens: Lasst Euch im Fachgeschäft vor dem Kauf beraten. Die Produktpalette ist riesig, da kann man leicht die Übersicht verlieren. Ein guter Verkäufer weiß hingegen genau, welche Ausrüstung zu Euch passt.

Joscha Thieringer (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von Joscha Thieringer, Redakteur
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