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 Erste Deutsche bei World's Toughest Mudder 2016
Extremsport | 10.11.2016

2. Platz beim Extrem-Hindernislauf in Las Vegas – trotz Knieschmerzen

Susanne Kraus bei World's Toughest Mudder 2016: Deutsche erstaunt US-Konkurrenz

Erste Deutsche bei World's Toughest Mudder 2016. Susanne Kraus startet beim World's Toughest Mudder 2016. (Quelle: Strongman Run)
Susanne Kraus startet beim World's Toughest Mudder 2016.
Bild: Strongman Run
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Susanne Kraus hat beim World’s Toughest Mudder 2016 die Konkurrenz erstaunt. Die Läuferin belegte beim Extrem-Hindernislauf in Las Vegas den zweiten Platz. Während in den USA, England und Skandinavien der vermutlich dreckigste Ausdauersport im Profitum angekommen ist und boomt, läuft Deutschland meist hinterher.

24 Stunden Wettkampf durch Matsch, Strom, eiskaltes Wasser und Hindernisse. Das verlangte die inoffizielle WM im Extrem-Hindernislauf World’s Toughest Mudder 2016 am 12. und 13. November in Las Vegas den Teilnehmern aus aller Welt ab.

Man muss besonders fit, zäh und verrückt sein, um diese inoffizielle Hindernislauf-Weltmeisterschaft durchzustehen. Die Thüringerin Susanne Kraus vom Getting Tough Team ist es: Ab der sechsten Stunde arbeitete sich die 35-Jährige kontinuierlich von Rang sechs auf drei vor – und überholte schließlich in der letzten Runde auch noch die bis dahin zweitplatzierte April Hartwick, die einbrach und gestützt werden musste.

Susanne Kraus kam mit insgesamt 80 Meilen (ca. 129 Kilometer) hinter Stefanie Bishop und vor Morgan McKay ins Ziel. 

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Nach ihren vorherigen Siegen beim Tough Guy, Getting Tough Race und dem Strongman Run waren auch die Medien auf Susanne Kraus aufmerksam geworden. Szene-Kenner räumten der Amateursportlerin sogar in Las Vegas Siegchancen ein, doch auch ihr zweiter Platz ist in einem Sport, der sich in rasantem Tempo professionalisiert und bis 2024 olympisch werden soll, eine kleine Sensation.

Mit ISPO.com sprach Susanne Kraus vor dem kräftezehrenden Wettkampf in Las Vegas. 

Susanne Kraus: „Ich trainiere auch nachts“

ISPO.com: Sie sind zum ersten Mal in Las Vegas beim World’s Toughest Mudder Extrem-Hindernislauf. Wie bereitet man sich auf solch ein 24-Stunden-Rennen vor?
Susanne Kraus:
Die Anforderungen sind nicht nur so vielschichtig wie bei kaum einem anderen Sport, sondern auch extrem. Ich muss täglich trainieren und jede Kalenderlücke nutzen. Ich trainiere auch nachts. Und da ich in Vollzeit arbeite, werden auch Mittagspausen mit 45-minütigen Einheiten gefüllt.
Das Wochenende ist dann wie ein kleines Trainingslager – von Kraftzirkeln, Bergsprints und Parcours-Trainings im Wald ist alles dabei. Meist allein. Nur selten kann ich mal mit Michael „Kalinator“ Kalinowski trainieren. Er ist Ex-Fallschirmjäger. Mit ihm wird’s richtig intensiv. Wir pushen uns gegenseitig ans Limit.

Vom Klettern, Boxen, Duathlon und Triathlon kam Susanne Kraus zum Extrem-Hindernislauf. (Quelle: Strongman Run)
Vom Klettern, Boxen, Duathlon und Triathlon kam Susanne Kraus zum Extrem-Hindernislauf.
Bild: Strongman Run

Der Trainingsalltag scheint sehr einsam zu sein. Haben Sie keinen Trainer?
Meine Trainingspläne schreibe ich selbst. Durch meine Erfahrung im Leistungssport weiß ich, worauf es ankommt. Zweitmeinungen hole ich mir von meinem alten Trainer Dieter Herrmann (Anm. d. Red.: führte Nils Schumann 2000 zum Olympiasieg über 800 Meter). Charles Franzke ist der einzige Hindernisläufer, der wirklich professionell trainiert. 

Verfolgen Sie eine sportliche Strategie?
2017 möchte ich athletischer werden. Beim lauflastigen Strongman Run hatte ich zuletzt 20 Minuten Vorsprung. Beim technischeren Spartan Race waren es nur fünf. Das werde ich ändern. Was das Team betrifft, wollen wir uns 2017 die EM und WM zur Brust nehmen und die deutsche Fahne noch höher hängen. 

In Deutschland noch keine Profiverhältnisse

Wieviel fehlt dem Team noch bis zur internationalen Spitze?
Wir sind ein reines Amateur-Team. Doch was das Sportliche betrifft, ist Getting Tough in Deutschland die Nummer eins. In Europa schafften wir es regelmäßig unter die drei besten europäischen Hindernislauf-Teams. Nur international – vor allem mit Blick auf die USA – fehlt noch ein Schritt.

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Wie wirkt sich der Erfolg auf die Sponsoringsummen aus?
Unser Core Team wird von Brooks, LED Lenser und Rodenstock unterstützt. Sie stellen Produkte und soweit ich weiß, in der Regel mittlere, vierstellige Summen im Jahr. Nur bei einem Hauptsponsor geht es auch mal in die Fünfstelligen. Das reicht, um Material- und Reisekosten zu senken. Dafür sind wir sehr dankbar. Voll durchgesponsert ist im deutschen Extrem-Hindernislauf bisher niemand.

Gibt es Firmen, die sich beim Produktmarketing auf den Sport spezialisiert haben?
Trailrunningschuhe von Brooks oder Innov-8 sind in der Szene sehr beliebt, aber auch Merrell und Reebok haben mittlerweile sogar eigene Hindernislauf-Schuhe im Sortiment.

In den USA sind die Preisgelder für höher

Was ist mit Textilien? Wären Shirts und Hosen mit Neopren-Applikationen keine Hilfe?
Mir ist Atmungsaktivität wichtig. Warm wird mir beim Laufen ohnehin (lacht). Ansonsten muss man zwischen Winter- und Sommer-Rennen unterscheiden. Beim Getting Tough – The Race zum Beispiel wäre ein dünnes, bewegliches Neopren im Core-Bereich genial. Im Team wird viel mit Neos, Kompression etc. experimentiert. Beim Tough Guy vor zwei Jahren mussten rund 30 Prozent der Top-Läufer wegen Unterkühlung aussteigen – definitiv eine Marktlücke!

Wird Extrem-Hindernislauf noch missverstanden?
Missverstanden nicht, aber das eigentlich Besondere nicht erkannt: Hindernislauf grenzt sich durch den einzigartigen Team- und Sportsgeist ganz klar von allen klassischen Ausdauersportarten ab. Nehmen wir das Getting Tough – The Race 2015: Charles Franzke lag auf Platz drei, der Zweitplatzierte kam nicht über das Pyramiden-Hindernis. Charles überholte ihn aber nicht, sondern stoppte. Er half ihm rüber und das Duell um Platz zwei ging weiter. Das sind Gänsehautmomente pur. 

Um die Team-Wertung zu gewinnen, wird auch mal auf Teamkollegen gewartet. Das werden Sie in Las Vegas nicht können.
Nein, Extrem-Hindernisrennen in den USA sind eine andere Nummer. Dort gibt es den Sport zehn bis 15 Jahre länger. Die Preisgelder sind deutlich höher und Top-Läufer werden von Veranstaltern eingeladen. Da gibt’s nur Vollgas.

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Trendsport Extrem-Hindernislauf

Beim New York Marathon 2016 wurden 100.000 Dollar Siegprämie ausgezahlt. Die gleiche Summe lässt sich beim World’s Toughest Mudder 2016 als Team einstreichen. Waren es 2012 noch acht Hindernislauf-Veranstaltungen, verzeichnet der Rennkalender 2016 über 100 allein in Deutschland.

Bei den fünf härtesten Hindernisläufen in Deutschland wird mittlerweile die 10.000-Teilnehmer-Marke geknackt. Das sind Dimensionen, mit denen man sich in den Top 10 der größten Laufveranstaltungen Deutschlands bewegt. Sogar 800-Meter-OlympiasiegerNils Schumann ist als Organisator des Hindernislaufs „King of Cross“ engagiert.

All das zeigt, dass Hindernislauf für die Favoriten keine Spaßveranstaltung ist. Wer sich selbst überzeugen will, kann den World’s Toughest Mudder 2016 bei CBS Sports live anschauen. Einblicke hinter die Kulissen der deutschen Teilnehmer gewährt die Facebook-Seite von Getting Tough mit Facebook Live-Streams von der Strecke.

Das Interview führte David Lemmer.

ISPO (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von ISPO.com, Redaktion
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