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 Ludwig und Walkenhorst: So verdient das Beach-Duo sein Geld
Olympia | 19.08.2016

Beachvolleyball – für Sponsoren attraktiv

Laura Ludwig und Kira Walkenhorst: Das verdienen die Olympia-Siegerinnen von Rio 2016

Ludwig und Walkenhorst: So verdient das Beach-Duo sein Geld. Laura Ludwig (r.) und Kira Walkenhorst feiern den Sieg im olympischen Beachvolleyball-Finale 2016 in Rio. (Quelle: Imago)
Laura Ludwig (r.) und Kira Walkenhorst feiern den Sieg im olympischen Beachvolleyball-Finale 2016 in Rio.
Bild: Imago
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Laura Ludwig und Kira Walkenhorst haben ihr großes Ziel erreicht: Das Beachvolleyball-Duo aus Deutschland ist Olympiasieger 2016 in Rio. Doch wer glaubt, der Sport-Job der beiden sei ein Traum am Strand, irrt gewaltig. Ludwig und Walkenhorst betreiben knallhartes Sport Business. Wie sie ihr Geld verdienen, wer sie unterstützt, erklärt ISPO.com.

Baggern am Venice Beach, pritschen auf Teneriffa, blocken in Fort Lauderdale, jubeln an der Copacabana: Das Beachvolleyball-Leben von Laura Ludwig und Kira Walkenhorst hört sich herrlich an. Die 30 und 25 Jahre alten Athletinnen aus Deutschland (Wahlheimat Hamburg) erleben als Goldmedaillen-Gewinnerinnen von Rio 2016 zwar die Sonnenseite ihres Lebens, doch ihr Sport-Job ist viel mehr als nur Strand, Sonne und Bälle.

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Hinter dem Duo Ludwig/Walkenhorst, das erst vor vier Jahren zueinanderfand, steckt eine ausgeklügelte Sport-Business-Strategie. Gemeinsam machen sie einen Jahresumsatz im mittleren sechsstelligen Euro-Bereich. Die Popularität von Deutschlands Beach-Ladies hat sich durch die Präsenz in den Medien – teilweise verfolgten über acht Millionen TV-Zuschauer ihre Olympia-Partien – gewaltig erhöht.


ISPO.com erklärt, wie die Beachvolleyball-Stars ihr Geld verdienen, wer sie unterstützt und welches Team hinter ihnen steht.

Ihr Manager ist Beachvolleyball-Insider

Andreas Scheuerpflug von der Agentur Vitesse-Kärcher war früher selbst erfolgreicher Beachvolleyballer (5. Platz bei Olympia 2004 in Athen). Der 49-Jährige kümmert sich um die Vermarktung des deutschen Beachvolleyball-Top-Duos – nun hat Scheuerpflug deutlich mehr zu tun bekommen.

Die Olympia-Kollektion von Adidas


Ludwig und Walkenhorst: Ausbildung und Gehalt

Laura Ludwig wechselte vor über zehn Jahren direkt von der Gymnasium-Schulbank ins Profi-Dasein. Offiziell hat sie den Status „Studentin“.

Die fünf Jahre jüngere Walkenhorst hat die Mittlere Reife als Schulabschluss und ist Sportsoldatin. Als Stabsgefreite (Besoldungsgruppe A 5) verdient Walkenhorst rund 2500 Euro brutto pro Monat.

Förderung durch Deutsche Sporthilfe

Als Mitglied des Förderprogramms ElitePlus der Deutschen Sporthilfe erhält Ludwig 1500 Euro monatlich. „Das Fördermodell ElitePlus soll Medaillenkandidaten, die nicht über eine alternative Absicherung (z.B. als Mitglied der Sportfördergruppe der Bundeswehr) verfügen, trotz Studiums oder Ausbildung eine optimale Vorbereitung auf die Olympischen Spiele ermöglichen“, heißt es bei der Sporthilfe.

Kira Walkenhorst wird deshalb als Sportsoldatin nicht von der Sporthilfe unterstützt.

Prämie für den Olympiasieg

Medaillensieger von Rio 2016 werden in Deutschland nicht reich. Das Prämiensystem des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) ist im internationalen Vergleich eher bescheiden. Gold-Gewinner bekommen 20.000 Euro.

Allerdings gilt diese Vereinbarung nur für Einzelsportler. Wie viel Ludwig und Walkenhorst für ihren Rio-Triumph erhalten, ist nicht bekannt. Übrigens: Die Olympia-Prämien werden nicht auf einmal, sondern verteilt auf zwölf Monate ausbezahlt.

Unterstützung durch den Hamburger SV

Seit 2013 starten Ludwig und Walkenhorst für den Hamburger SV. Die Spielerinnen erhalten dafür ein monatliches Salär, das sich nach Schätzungen auf einen dreistelligen Euro-Betrag belaufen soll.

Vor den Olympischen Spielen lobte der HSV eine „Rio-Sonderförderung“ aus. HSV-Sportvorstand Dietmar Beiersdorfer besuchte dann sogar das olympische Beachvolleyball-Finale vor Ort in Rio.


Sponsoren von Ludwig und Walkenhorst

Auf ihrer Homepage nennen die Beachvolleyballerinnen drei „Gold-Partner“: Capri Sonne, Almased und Smart. Diese drei Sponsoren sind auf der knapp bemessenen Bekleidung des Duos präsent. 

Der dickste Vertrag kam im Januar 2016 mit Almased zustande: Ludwig und Walkenhorst unterschrieben einen Dreijahreskontrakt mit dem Diät-Nahrungsmittel-Hersteller.

Sonnen- und Sportbrillenhersteller Oakley unterstützt die Spielerinnen als „Silber Partner“.

Sehr wichtig für das Duo ist auch Ausrüster Nike, der nicht nur Shirts, Shorts, Sport-BHs (siehe unten) oder Schuhe liefert, sondern Ludwig und Walkenhorst natürlich auch finanziell fördert.


Als Nebensponsor führen beide auch die Fitness- und Trainingsanalyse-Firma Biomychanics auf, die das Duo vor allem mit Sachleistungen unterstützt.

Der Gesamtwerbewert von Laura Ludwig und Kira Walkenhorst wurde bislang auf 200.000 Euro jährlich geschätzt, nach ihrem Olympia-Gold dürfte er sich mindestens verdoppelt haben. 

Verdienst bei FIVB World Tour und smart beach tour

Preisgelder spielen eine große Rolle im Etat von Profi-Beachvolleyballer(inne)n. Bei der vom internationalen Verband organisierten FIVB World Tour werden 2016 insgesamt neun Millionen US-Dollar ausgeschüttet.

Allein ihr Sieg beim World-Tour-Finale in Toronto im September 2016 bescherte Ludwig und Walkenhorst ein Preisgeld in Höhe von 100.000 Dollar, der Major-Turniersieg in Hamburg im Juni 2016 brachte 50.350 Euro.

Das deutsche Duo hat bei 36 World-Tour-Starts acht Mal gewonnen und zudem 15 Mal das Final Four erreicht – das läppert sich.

Die Preisgelder unterscheiden sich je nach Klassifizierung des Turniers: Grand Slam (5 Turniere/800.000 Dollar Gesamt-Preisgeld), Major (4/800.000 Dollar) und Open (13/150.000 Dollar).

Auf der deutschen Turnier-Serie Smart Beach Tour lässt sich längst nicht so viel verdienen. Das Gesamtpreisgeld der Serie betrug 2015 lediglich 250.000 Euro, die beiden Meisterteams erhalten zudem zwei Autos vom Sponsor.

Einnahmen mit Fan-Kollektion

Beim Hamburger Textilunternehmen Wizard hat sich das Beachvolleyball-Duo einen kleinen Merchandising-Store eingerichtet. Dort kann man wenige Artikel erstehen: Caps für zehn Euro bis Shirts für 29 Euro. Das Fan-Shirt „Copacabana-Gold 2016“ sei schnell ausverkauft gewesen, schrieben Ludwig und Walkenhorst auf ihrer Facebook-Seite: Es hätte nachproduziert werden müssen.

Die dadurch entstehenden Einnahmen für Ludwig und Walkenhorst dürften sehr überschaubar bleiben – weil bislang eine größere Fanschar fehlte.

Das Team hinter den Sportunternehmerinnen Ludwig und Walkenhorst

Die „Ich-AG Ludwig/Walkenhorst“, wie die „Süddeutsche Zeitung“ das Duo nennt, kommt auf einen Jahresumsatz im mittleren sechsstelligen Bereich. Allerdings müssen die Beachvolleyballerinnen davon nicht nur ihre Reisen, Verpflegung und Unterkünfte bezahlen, sondern auch die ihres Teams:

  • Trainer Jürgen Wagner, der schon 2012 Julius Brink und Jonas Reckermann zu Olympia-Gold coachte, ist Ludwigs und Walkenhorsts ständiger Begleiter.
  • Mentaltrainerin Anett Szigeti bereitete die beiden optimal auf die Antipathien der brasilianischen Zuschauer in Rio vor.
  • Katharina Huber kümmert sich als Physiotherapeutin um die Wehwehchen der Beach Girls.
  • Die ehemalige Beachvolleyballerin Helke Claasen fungiert als Heimtrainerin.

Ludwig und Walkenhorst profitieren nachhaltig von Gold

Im Gegensatz zu Deutschlands Olympiasiegern 2012 Brink/Reckermann haben Laura Ludwig und Kira Walkenhorst nicht vor, sich mit der Goldmedaille zur Ruhe zu setzen. Olympia 2020 in Tokio ist das gemeinsame Fernziel. „Wir sind so fit wie noch nie – es wäre dumm, wenn wir aufgehört hätten“, findet Ludwig.

Nach der Karriere bleibt genug Zeit, um wie Reckermann als TV-Experte und Referent die Gold-Medaille beruflich zu nutzen.

Für Ludwig und Walkenhorst läuft es derzeit blendend – auch finanziell.

Laura Ludwig und Kira Walkenhorst gibt's im Internet: Auf ihrer offiziellen Homepage, auf Facebook und auf Twitter.

Joscha Thieringer (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von Joscha Thieringer, Autor
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