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 Mountainbike-Oldie Sabine Spitz kämpft um Sponsoren
Olympia | 16.08.2016

Cross-Country-Oldie kämpft um Sponsoren

Trotz fünf Olympia-Starts sagt Sabine Spitz: Mountainbike ist eine kleine Nummer

Mountainbike-Oldie Sabine Spitz kämpft um Sponsoren. Mountainbike-Crosscountry heißt die Disziplin von Sabine Spitz. (Quelle: Imago)
Mountainbike-Crosscountry heißt die Disziplin von Sabine Spitz.
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Sabine Spitz ist auch mit 44 Jahren Deutschlands populärste Mountainbike-Cross-Country-Fahrerin – auch wenn sie bei ihren fünften Olympischen Spielen klar an einer Medaille vorbeigefahren ist. Platz 19 in Rio 2016 – für Sabine Spitz war dies trotzdem ein versöhnlicher Abschied von Olympia. Bei ISPO.com spricht sie über den Kampf um Medaillen und Sponsoren – und verrät, wie Franz Beckenbauer ihr einen TV-Auftritt vermasselte.

Seit den Olympischen Spielen 2000 ist die Cross-Country-Mountainbikerin Sabine Spitz nicht aus der deutschen Mannschaft wegzudenken. In Rio 2016 litt sie an einer bakteriellen Entzündung im linken Knie, nachdem sie zuvor bei einem Training in Kanada gestürzt war. Ihr Olympia-Start war lange gefährdet. 

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Doch die 44-Jährige schaffte es an den Start und konnte auch die komplette Distanz absolvieren, sechs Runden über je 4,85 Kilometer. Mit 9:01 Minuten Rückstand auf Olympiasiegerin Jenny Rissveds (Schweden) landete Sabine Spitz abgeschlagen auf Platz 19.

„Es hat geklappt. Ich bin ins Ziel gekommen und habe Spaß gehabt. Das ist ein versöhnlicher Abschluss. Mir hat es sehr viel bedeutet, dieses Rennen zu fahren, sonst wäre es keine fünfte olympische Teilnahme gewesen“, sagte Sabine Spitz nach ihrem letzten Olympia-Start.

Mit ISPO.com hat Sabine Spitz kurz vor der Abreise zu Olympia über Ziele, Geld und TV-Präsenz als Mountainbikerin gesprochen.

Sabine Spitz: Olympia motiviert mich

ISPO.com: Frau Spitz, Sie bestreiten in Rio Ihre fünften Olympischen Spiele, haben je einmal Gold (2008 in Peking), Silber (2012 in London) und Bronze (2004 in Athen) gewonnen. Wie war einst Ihr erster Eindruck von Olympia? 

Sabine Spitz: 2000 in Sydney hat mir einen kräftigen Motivationsschub gegeben. Ich hatte gerade so die Olympia-Norm geschafft, da traf das Motto „Dabei sein ist alles“ genau zu: Olympia mit allen Sinnen wahrnehmen. Im Jahr danach bin ich dann international so richtig durchgestartet.


Wie wichtig waren all die Olympia-Medaillen in Sachen Vermarktung?
Es ist ja so, dass der Mountainbike-Sport nur alle vier Jahre mal aus seinem Schattendasein und seiner Special-Interest-Szene heraustritt und für die breite Bevölkerung präsenter wird. Insofern lässt sich ein Erfolg bei Olympia natürlich sehr viel besser verwerten als eine Weltmeisterschaft.

„Wer am Anfang gewinnt, ist stärker präsent“

Die Olympischen Spiele 2008 in Peking mit der Goldmedaille waren dann wahrscheinlich nochmal ganz speziell, oder?
Ganz klar. Im Leistungssport ist halt der Zweite der erste Verlierer. Dadurch, dass ich alle drei Medaillen zu Hause habe, kann ich den Unterschied sehr gut feststellen. Gerade als Sportler ist man für diese Abstufungen sehr stark sensibilisiert.
Zum Beispiel kann der Goldmedaillen-Gewinner, der dank Zeitplan sehr früh dran ist und der die erste Medaille für Deutschland gewinnt, diesen Effekt sehr gut ausnutzen. Der kann die Plattform Olympia noch zwei Wochen lang nutzen, sich präsentieren, wird von ARD und ZDF gefilmt, wenn er bei anderen Sportarten zuschaut, wenn er an der Copacabana oder an der Jesus-Statue unterwegs ist. Wer am Anfang gewinnt, ist halt stärker präsent als die zehnte oder fünfzehnte Goldmedaille.

Sieg bei Olympia in Peking 2008: Direkt nach dem Gewinn der Goldmedaille stemmt Sabine Spitz vor Freude ihr Mountainbike in die Höhe. (Quelle: Imago)
Sieg bei Olympia in Peking 2008: Direkt nach dem Gewinn der Goldmedaille stemmt Sabine Spitz vor Freude ihr Mountainbike in die Höhe.
Bild: Imago

Sehr viele Deutsche besitzen Mountainbikes, aber die Sendezeiten für Ihren Sport sind eher übersichtlich. Sie sind 44, also schon lange dabei. Wie hat sich die Vermarktung Ihres Sportes in den vergangenen 20 Jahren entwickelt?
Zu gewissen Anlässen poppt das Thema Mountainbike immer mal wieder auf, aber was die Sendezeiten angeht, gibt es keine Kontinuität. Der Fußball nimmt halt extrem viele Ressourcen und Sendezeit weg, rund 85 Prozent, und was übrig bleibt, müssen sich alle anderen Sommersportarten teilen.
Der Wintersport hat es hingegen geschafft, sich anders zu verpacken, den Wintersport-Tag als Paket zu verkaufen. Da tun sich die Verbände zusammen und stimmen Wettkampftermine ab, sodass die Fernsehsender einen ganzen Übertragungstag gestalten können. Diese Koordinierung schaffen die Sommersportarten nicht. Da gibt’s keine Taskforce.

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Sabine Spitz: Olympia bringt Bewegung in den Radsport

Wäre das nicht Aufgabe des Radsport-Verbands?
Was die Lobby-Arbeit angeht, ist Mountainbike national wie international nach wie vor eine kleine Nummer. Gegen den traditionellen Straßenradsport oder die Bahnfahrer hast du keine Chance. Die haben in den Verbänden immer noch einen größeren Stellenwert.
Aber auch wenn Redaktionschefs erzählen, dass sie begeisterte Mountainbiker sind, können sie nicht versprechen, mal mehr über Mountainbike zu machen.

Klingt so, als hätte sich nicht so viel getan.
Im Internet ist unserer Sport recht präsent. Der Weltcup wird per Livestream bei redbull.tv übertragen. Aber das ist halt was für die Insider. Die breite Masse? Wenn wir Leuten mal Bilder oder Videos zeigen, sind die total begeistert, wie spannend und faszinierend das ist.

Wie sieht das in anderen Ländern aus?
In der Schweiz ist Mountainbike im Fernsehen schon präsenter, auch weil es da sowohl bei Frauen als auch bei Männern Fahrer in der Weltspitze gibt. Da sieht man aber auch 60-Jährige in Baggy Pants auf dem Mountainbike sitzen – bei uns ist diese Altersklasse mit dem E-Bike oder dem Tourenrad unterwegs.

Beckenbauer brachte sie um ZDF-Auftritt

Wie haben Freestyler und Slopestyler die Szene beeinflusst? Ist das Konkurrenz? Nehmen die Ihnen Aufmerksamkeit weg?
Nehmen die Freerider dem alpinen Skifahrer Zuschauer weg? Es ist halt eine andere Form: spektakulär, schon abgedreht, was die da machen. Das sind ja fast Kunstturner. Und irgendwie sind wir Menschen ja so gepolt, dass wir darauf warten, dass es wieder einen zerlegt.
Was die Medien angeht, nehmen die uns wahrscheinlich schon Aufmerksamkeit weg. Die TV-Sender sagen dann: „Wir haben doch da und dort vom Mountainbike-Festival berichtet.“ Da geht natürlich Sendezeit für Mountainbike-Cross-Country verloren. Manchmal fliegen auch längst fertig gedrehte Beiträge wieder raus.


Wie das?
Einmal war ein längerer Beitrag für das „Aktuelle Sportstudio“ entstanden, inklusive Einladung in die Sendung. Da hat das ZDF bei uns zu Hause im Schwarzwald gedreht und auch bei einer Trans-Alp-Tour. Von Venedig aus sollten wir direkt nach Mainz fliegen – doch dann war irgendwas mit Franz Beckenbauer, und so flog Mountainbike mal wieder aus dem Programm.

Spitz über Mountainbike-Sponsoren und Nachwuchs-Sorgen

Lassen Sie uns über Geld sprechen. Wie viele Sportler in Deutschland können von Mountainbike-Cross-Country leben?
Vielleicht eine Handvoll. Einige bekommen Sporthilfe oder sind in einer Sportförderkompanie. Aber viele sind das wirklich nicht.

Wie sieht's mit Sponsoren bei Ihnen aus?
Ein hartes Brot, seit sehr vielen Jahren. Aber da spielt sicher auch mein Alter eine Rolle. Es sagt einem ja keiner auf den Kopf zu: „In deinem Alter kann ja nicht mehr viel kommen...“ Aber man spürt das ja bei Verhandlungen.

Als Olympiasiegerin müssten die Ihnen doch eigentlich die Bude einrennen!
Es war immer schwer, selbst nach der Goldmedaille.

Keine guten Nachrichten für den Cross-Country-Nachwuchs. Wie ist es um den bestellt?
Da haben wir schon ein Problem in Deutschland. Grundsätzlich kann man aber nicht sagen, dass der Mountainbike-Sport sich nicht rentiert. Es gibt sicher auch jüngere Athleten, die bei den Sponsoren besser ankommen.

Ein Beitrag von Thomas Becker, Autor
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