ISPO.com is also available in English ×
 Usain Bolt und das Geld: Das Business mit dem Supersprinter
Sportbusiness | 09.08.2016

Supersprinter gewinnt das dritte Triple bei Olympia 2016 in Rio

Usain Bolt verdient Millionen: Das Business mit dem schnellsten Mann der Welt

Usain Bolt und das Geld: Das Business mit dem Supersprinter. Usain Bolt feiert in Rio sein drittes olympisches 100-Meter-Gold. (Quelle: Imago)
Usain Bolt feiert in Rio sein drittes olympisches 100-Meter-Gold.
Bild: Imago
Artikel bewerten:
Usain Bolt ist der schnellste Mensch der Welt – und er ist Multimillionär. Seine Jahreseinnahmen werden von „Forbes“ auf 32,5 Millionen Dollar geschätzt – dabei tritt Bolt eher selten auf. So funktioniert das Millionen-Geschäft mit dem Supersprinter aus Jamaika, der bei Olympia in Rio 2016 seine Goldmedaillen Nummer sieben bis neun gewann.

Die Mission ist erfüllt. Usain Bolt ist und bleibt der schnellste Mann der Welt. Der Superstar der Olympischen Spiele 2016 von Rio ist seiner Favoritenrolle beim 100- und 200-Meter-Lauf gerecht geworden und hat auch mit der Jamaika-Staffel über 4x100 Meter gewonnen.

Neun Mal Gold für Usain Bolt: das dritte Tripple

Damit hat Usain Bolt das Triple-Triple geschafft: Bei drei Olympischen Spielen hintereinander – Peking 2008, London 2012 und jetzt Rio 2016 –  gewann er jeweils Gold in den drei Disziplinen. „Ich habe gemischte Gefühle. Ich bin traurig, aber zugleich auch glücklich", sagte Bolt, der in Rio seine olympische Karriere beendete und nun noch die WM 2017 in London laufen will. 

ISPO.com stellt das Business rund um den den 29-jährigen Jamaikaner vor, der als einziger Leichtathlet in der Liga der Topverdiener des Weltsports mitspielt.

Das sind die Top-Verdiener bei Olympia


1. Sportliches Einkommen

Laut „Forbes“ ist Bolt die Nummer 32 auf der Liste der bestbezahlten Sportler des Planeten. Startgelder und Prämien bringen dabei „nur“ bis zu 2,5 Millionen US-Dollar ein. In der Szene spricht man davon, dass Bolt bis zu einer halben Million Dollar Startgeld bei großen Meetings fordert – und oft genug bekommt.

Die Meeting-Direktoren zahlen zähneknirschend. „Ja, Usain Bolt ist seit 2008 teurer geworden“, sagte Zürich-Boss Patrick Magyar schon vor vier Jahren. „Es gibt aber auch keinen anderen Athleten auf der Welt, der eine solche Auswirkung auf die Zuschauerzahlen, auf die Vermarktung und auf das Medien-Interesse hat oder je hatte.“

An manchen Standorten könne es „10.000 Zuschauer ausmachen, ob er dabei ist oder nicht“.

Die Siegprämien sind dagegen gering: In der Diamond League (maximal 14 Events) kassiert der Sieger jeweils 10.000 Dollar, der Gesamtsieger der Disziplin 40.000 Dollar. Eine Goldmedaille bei der Weltmeisterschaft ist 60.000 Dollar wert, ein Weltrekord beim alle zwei Jahre stattfindenden Event 100.000 Dollar.


2. Die Bolt-Sponsoren

Usain Bolt kassiert etwa 30 Millionen Dollar von seinen zehn globalen und sieben regionalen Geldgebern:

Puma (Ausrüster), Gatorade (Getränke), Regupol (Tartan-Bahnen), Hublot (Uhren), Nissan GT-R (Sportwagen), Ana (Airline), Gibson (Kopfhörer), Enertor (Schuheinlagen-Hersteller), Champion Shave (Rasierer);

Digicel, Virgin Media, Optus, Telkom, Fastweb, Celcom (allesamt Telekommunikationsunternehmen), Banco Original (Finanzunternehmen).

Der größte Anteil der Sponsoring-Einnahmen kommt von Puma (siehe unten). Damit ist Vermarktungskönig Bolt der mit Abstand bestverdienende Leichtathlet aller Zeiten.

3. Werbung mit dem schnellsten Mann der Welt

Die weltweite Bekanntheit von Usain Bolt macht sich für ihn bezahlt. Sein Management achtet bei den Partnern darauf, dass sie hundertprozentig zum Image passen: Geschwindigkeit, Gold, Coolness, Leichtigkeit.

Die Telekommunikationsunternehmen im Bolt-Portfolio werben dementsprechend mit schnellen Internet- oder Mobilfunk-Verbindungen.

Nissan nutzt Bolts Faible für schnelle Autos und präsentiert ein Sondermodell des 570  PS starken GT-R – natürlich in Gold.

Und die japanische Fluggesellschaft ANA bringt Usain Bolt dazu, etwas albern wie ein Flugzeug durch die Gegend zu trippeln.

4. Ausrüster Puma mit Bolt-Kollektion

Für Puma ist Usain Bolt DAS Aushängeschild. Seit er als 15 Jahre alter Highschool-Athlet sämtliche Rekorde in seinem Heimatland brach, ist der Sportartikelhersteller aus Herzogenaurach an Bolts Seite.

„Forever faster“ heißt der Puma-Slogan, den Usain Bolt verkörpert und in die Welt transportieren soll. Nach Bolts erstem Gold-Lauf in Rio lieferte der Puma-Runner ein perfektes Beispiel für Ambush Marketing – da haben die IOC-Anwälte wohl keine Chance.

2013 verlängerte Bolt seinen Vertrag mit Puma bis 2016. Pro Saison gibt es mindestens zehn Millionen Dollar. Falls er auch 2017 bei der WM in London antritt, noch einmal zehn Millionen Dollar.

Angebote von anderen Sport-Unternehmen habe es zahlreich gegeben, berichtete Bolt einst in einem Interview: „Ja, ja, natürlich. Aber für mich ist Puma die Nummer eins. Wir sind schon so lange zusammen, sie sind wie eine Familie für mich – und ich will nicht mit einer neuen Familie starten. Natürlich will man Geld verdienen, aber die Kameradschaft zwischen dir und deinem Unternehmen sollte auch zählen.“

Nach seinem Rücktritt soll Bolt vier Millionen Dollar pro Jahr als Botschafter für Puma kassieren. „Usain Bolt spielt eine entscheidende Rolle bei der Strategie von Puma für die Olympischen Spiele 2016 in Rio und danach. Er ist der perfekte Werbeträger für uns“, sagte Puma-Chef Björn Gulden.

Sogar „Boltmojis“ wurden vor Olympia in Zusammenarbeit mit Puma als Marketing-Gag auf den Markt geworfen. Natürlich kann man auch echte „Bolt-Klamotten“ von Puma bekommen.

Pünktlich zu Olympia 2016 ging der neue E-Store online, in dem die Fans die komplette Bolt-Kollektion erwerben können – ab 10 Euro für eine Bolt-Kaffeetasse bis 179 Euro für eine Sonnenbrille. Ein Bolt-Lauftrikot mit großem Jamaika-Aufdruck kostet 40 Euro.


5. Usain Bolts Manager-Team

Auf seiner Homepage präsentiert Usain Bolt vier Personen, die sich um das Management des Superstars kümmern:

  • Norman Peart: Der ehemalige Leichtathlet und Steuerprüfer war Bolts erster Manager. 2003 überzeugte er Bolts Eltern – Usain war da nicht mal 16 Jahre alt – von dessen Karriere als Leichtathletik-Profi. Pearts offizieller Titel: Business Manager.
  • Nugent Walker: Sie waren bereits als Sechsjährige Klassenkameraden und sind seit der Highschool beste Freunde. Seit 2010 ist Walker fest im Bolt-Team als sein wichtigster Vertrauter („Executive Manager“), der dafür sorgen soll, „dass alle im Team in die selbe Richtung streben“, wie es auf der Homepage heißt.
  • Gina Ford: Die Marketing-Expertin kümmert sich als Commercial Agent vor allem um die Marke Usain Bolt und den Kontakt zu den Sponsoren.
  • Ricky Simms: Der smarte Geschäftsmann ist Chef von Pace Sports Management und zweifelsohne ein Profi auf seinem Gebiet. Der Brite kümmert sich seit 2003 um Bolts Terminplan, spricht mit Sponsoren und Meeting-Direktoren.


6. Die Zukunftspläne von Bolt

Nach Gold über 100 und 200 Meter in Rio de Janeiro gelang ihm auch der Sieg in der 4x100-Meter-Staffel. Dann hat Usain Bolt insgesamt neun olympische Goldmedaillen gesammelt – wie Leichtathletik-Legende Carl Lewis.

Bolt will seine Karriere nach den Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2017 in London beenden. „Mein ursprünglicher Plan war, meine Karriere nach den Olympischen Spielen von Rio zu beenden. Aber mein Sponsor (Puma) hat mich gebeten, noch ein Jahr weiter zu machen“, sagte Bolt.

Möglicherweise wird er dann aber nur bei einem Event starten – den 100 Metern: „Ich will als Sieger abtreten.“ Bolt wird von London natürlich als großer Werbeträger für die WM 2017 genutzt.

Während der Olympischen Spiele in Rio erzählte Bolt von seiner Idee, als Schauspieler zu arbeiten.


7. Soziales Engagement

Der Multimillionär hat eine eigene Stiftung, die Kinder und Jugendliche durch Bildung und kulturelle Aktivitäten ein besseres Leben ermöglichen soll. Seiner alten Schule in Jamaika gab Usain Bolt einst gut 1,5 Millionen Dollar, um die Schließung des dortigen Leichtathletik-Programms zu verhindern.

Eine weitere jährliche Charity-Aktion von Bolt, in der er am Jahresende etwa 30.000 Dollar an Bedürftige gespendet hatte, wurde von der Polizei gestoppt. „Ich trainiere auf einem Universitäts-Campus und es kam zu Auseinandersetzungen zwischen Studenten, denen ich geholfen hatte, und anderen, die nichts bekommen hatten. Also hat mich die Polizei gebeten, das zu beenden“, erzählt Bolt.

Seine Hilfsbereitschaft sei oft missbraucht worden, berichtete Usain Bolt in einem Interview mit „Runners World“: „Das Problem sind immer die Erwachsenen und nicht die Kinder, deshalb helfe ich meist den Jungen. Wenn jemand zum Beispiel Bücher oder Hilfe bei der Rückzahlung eines Studenten-Kredits braucht, versuche ich zu helfen.“

Cooler Typ in Lederhosen: Usain Bolt auf dem Oktoberfest 2014 im Schützen Festzelt. (Quelle: Imago)
Cooler Typ in Lederhosen: Usain Bolt auf dem Oktoberfest 2014 im Schützen Festzelt.
Bild: Imago
Lars Becker (Quelle: Lars Becker)
Ein Beitrag von Lars Becker, Autor
Kommentare
Top Themen
ISPO Newsletter
ISPO Newsletter
Jetzt anmelden
Social Media