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 Chris Cole bei Munich Mash: „Skateboarden ist wie Star Wars“
Action-Sports | 01.07.2016

Street-League-Skateboarding-Star beim Munich Mash 2016

Chris Cole: „Skateboarden ist eine eigene Welt – wie Star Wars“

Chris Cole ist einer der Stars der SLS: 2013 gewann der US-Amerikaner die Champions League des Skateboardens. (Quelle: Street League Skateboarding)
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Seinen ersten Sieg auf der Tour der Street League Skateboarding (SLS) holte Chris Cole in München im Rahmen der X-Games 2013: Im selben Jahr gewann der US-Amerikaner auch die gesamte SLS. Der 34-Jährige ist einer, der konstant auf höchstem Level fährt: Mehr als Dreiviertel aller SLS-Finals erreichte der Skater aus Philadelphia. Beim Munich Mash 2016 kehrt Cole wieder zurück nach Deutschland.

Im Interview mit ISPO.COM erklärt er, warum das Internet für den Skate-Sport nicht nur ein Segen ist, das Bierbestellen im Münchner Hofbräuhaus schwierig ist und wieso Skateboarding eine eigene Welt ist.


ISPO.COM: Mister Cole, wenn ein Amerikaner nach München kommt, führt sein erster Weg meistens ins Hofbräuhaus. Sie haben 2013 hier Ihren ersten SLS-Sieg geholt, auch beim Munich Mash 2016 gehen Sie an den Start: Also, waren Sie schon dort?
Chris Cole: Oh ja, ich war mit den anderen Jungs dort – es war einfach großartig. Irgendwie ist es dort stressig, ein Bier zu bekommen. Aber ich bin total happy, dass wir das gemacht haben, weil wir normalerweise nicht viel sehen, wenn wir in einer Stadt sind. Das war so richtig deutsch, da bleibt in Erinnerung, wo man war.

Wieviel Bier trinkt ein Skateboarder dann?
Oh yeah, zwei von den großen Kerlen. Dann sind wir aber weitergezogen, weil das schon wirklich viel Bier ist, wirklich viel Arbeit. Die servieren dir auch Essen, aber man isst eigentlich genug, wenn man nur das Bier trinkt. Da kann man nicht mehr viel essen, man muss das eine oder andere machen.

Warum Sie ja eigentlich in München sind: Sie sind einer der Stars der Street League Skateboarding – welche Ziele haben Sie sich für die Saison in der besten Skateboard-Liga der Welt gesetzt?
Ich will die Leute mit meinem Skate-Style begeistern. Deswegen bin ich hier. Mein Ziel ist, dass ich alle Events der Tour fahre. Alle stehen in meinem Terminkalender und dann will ich bei jedem Gas geben.

Das ist der Terminplan für das Munich Mash 2016

„Die Leute wollen Wettbewerbe“

Sie sind der älteste Skater auf der SLS-Tour, derjenige, der als Top-Star gilt. Blicken die jungen Wilden zu Ihnen auf?
Darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht. Ich wüsste auch nicht, ob sie das zugeben würden. Aber ich glaube wirklich, dass meine Rolle hier ist, so zu fahren, wie es für mich typisch ist. Ich möchte niemanden nachmachen, nicht versuchen die Jungs zu schlagen – nur so zu skaten, wie ich eben bin.

Einer Ihrer Grundsätze: Immer man selbst sein.
Wenn die Leute kommen, um mich skaten zu sehen, dann will ich mich auch so geben, wie ich bin und mich nicht verstellen müssen.

Chris Cole (l.) gefällt es in München: Der Oldie der SLS gewann seinen ersten Contest in der bayrischen Landeshauptstadt. (Quelle: Imago/Plusphoto)
Chris Cole (l.) gefällt es in München: Der Oldie der SLS gewann seinen ersten Contest in der bayrischen Landeshauptstadt.
Bild: Imago/Plusphoto

Seit 2010 sind Sie in der SLS dabei: Wie hat sich die Champions League des Skateboardens entwickelt in diesen Jahren?
Mittlerweile haben viele herausgefunden, wie man hier am besten fährt: Es ist ein mentales Spiel, dazu physisch anspruchsvoll durch die Sprünge und Tricks. Interessant ist es, den Jungs zuzuschauen, wie sie lernen, den Contest zu skaten. Das macht es noch viel härter, weil mittlerweile alle so smart sind.

Das ist die Street League Skateboarding: So kämpfen die Stars um den Titel

Die meisten Fahrer sind Amerikaner: Kann die SLS helfen, Skateboarden auch in Europa so groß zu machen, wie es in Amerika bereits ist?
Oh, natürlich. An den meisten Orten springen die Leute auf Wettbewerbe wie diesen an, weil sie die von den anderen Sportarten kennen. Ohne den Wettbewerb wird man die Leute nicht dahin bringen, Skateboarden zu verstehen, oder sich alleine die Frage zu stellen: Zum Teufel, wie funktioniert das denn? Das ist so, weil die Menschen Contests und Turniere gewohnt sind.

„Die Skate-Shops sterben aus – das ist traurig“

Es muss doch noch andere Wege geben, Skateboarding weiter zu entwickeln.
Puh, das ist eine schwere Frage. Aber schwer wird es alleine deswegen, weil sich die gesamte Skateboard-Industrie mit dem Internet geändert hat. Mono-Marken-Shops, Skate-Shops sind gerade am Aussterben. Das ist eine traurige Entwicklung. Einige werden wieder auftauchen: Allerdings werden diese kleiner sein, verglichen zu denen, als ich angefangen habe zu skaten. Die Shops können nie ganz verschwinden, weil sie die lokalen Szenen vorantreiben, die mit ihren Skate-Shops immer eng verbunden sein werden: Alleine deshalb, weil die älteren dort die jüngeren Skater der Region beeinflussen.

Aber das Internet hilft doch ungemein, wenn man den Sport populär machen will.
Das Internet hilft und behindert gleichermaßen: Es gibt jedem eine Stimme, egal ob er diese verdient, sich also erarbeitet hat oder nicht. Jeder denkt heutzutage, dass ihm eine Stimme zusteht – und dass er sagen kann, was er will und so seine Meinung verbreiten. Aber solange du nicht viel in deinem Leben erlebt hast, solltest du vielleicht nicht so viel über Dinge reden, die du nicht verstehst. Und das Internet ist großartig für Leute, sich über Dinge auszulassen, die sie nicht verstehen.

Das klingt, als hätten sie mit der heutigen Generation nicht mehr viel am Hut.
Ich gehe da nicht mehr raus und versuche die Jungs zu schlagen: Ich versuche mich selbst zu schlagen. Jeden Ort, an den ich komme, versuche ich auch als Sieger zu verlassen, indem ich all das mache, was ich machen will. So macht mir das Spaß.

„Du bleibst für immer ein Skater“

Auf ihrem rechten Zeigefinger ist der Kopf eines Stormtroopers von Star Wars: Wie passt Skateboard und Star Wars zusammen?
Star Wars ist genauso kreativ und eine eigene Welt, in die man eintauchen kann. Das ist nicht nur ein Film, sondern eine ganze Community, eine Spielwaren-Serie, Comic-Bücher und eben eine ganze Welt neben dem eigentlichen Film. Und so ist es beim Skateboarden auch: eine ganze eigene Welt neben den ganzen Kickflips.

Was macht die Faszination der Skateboarding-Welt für Sie aus?
Skateboarder sind ein großer Mix aus einem Künstler, einem Athleten, einem Rebellen, einem Musiker. Außerdem ist es nicht so einfach zu definieren, während all die anderen Sportarten als Sport so sehr definiert sind: Man kann nicht einfach sagen „Skateboarding ist ein Sport“ – es ist mehr als nur ein Sport. Man kann aber auch nicht sagen, dass Skateboarding Kunst ist, weil wir Athleten sind. Wir sind da draußen und arbeiten körperlich. Es ist eben nicht nur auf der Bettkante sitzen und lernen, Gitarre zu spielen. Daran sieht man, dass Skateboarding eine ganz eigene Welt ist.

Und so speziell sind die Typen dieser Welt?
Bist du einmal ein Skateboarder, wirst du dich auch nie mehr ändern und für immer ein Skateboarder bleiben. Wenn du draußen unterwegs bist, wirst du immer Straßen sehen und dir überlegen, wie du sie skaten würdest. Siehst du eine Bodenwelle oder eine Auffahrt, siehst du immer als erstes einen Skate-Spot – das verlierst du nie wieder. Selbst wenn du körperlich nicht mehr skateboarden kannst, dann verfolgst du es immer noch. Skateboarding ist eine Welt, die du in den Magazinen verfolgst, über die du immer noch weißt, was gut ist und warum es so krass ist. Du bleibst für immer ein Skater.

Das sind die Stars des Munich Mash 2016


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Das ist das Munich Mash: Alle Highlights im Überblick


Das sind die drei Action-Sports-Contests beim Munich Mash 2016:

1. Mountainbike-Slopestyle: Risiko und Wachstumsmarkt

2. Street Skateboarding: „Ritterschlag fürs Munich Mash“

3. Wakeboarding: Riesensprünge beim Big Air


Weitere Interviews mit den Stars beim Munich Mash:

1. Dominik Gührs: Wakeboard-Star aus purem Zufall

2. Wakeboard-Star Daniel Grant: „US-Sponsoren betreiben Hire-and-Fire-Mentalität“

3. Nyjah Huston: „Die Leute begreifen, dass man mit Skateboarden Geld verdienen kann“

4.  MTB-Star Thomas Genon beim Munich Mash 2016: „Viele bekommen ein Kopfproblem“


Gregor Röslmaier schreibt für ISPO.com. (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von Gregor Röslmaier, Autor
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