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 Chris Sharma: Darum ist der Indoor-Trend beim Klettern gut
Outdoor | 08.06.2016

Klettern und Bouldern zieht es in die Halle

Chris Sharma: Darum ist der Indoor-Trend beim Klettern gut

Chris Sharma: Darum ist der Indoor-Trend beim Klettern gut. Chris Sharma gehört zu den besten Kletterern der Welt. Hier ist er beim Bouldern in Island unterwegs. (Quelle: PrAna)
Chris Sharma gehört zu den besten Kletterern der Welt. Hier ist er beim Bouldern in Island unterwegs.
Bild: PrAna
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Chris Sharma (35) ist ein Weltklasse-Kletterer – und hat seinen Sport nicht am Fels, sondern in der Halle gelernt. Mit ISPO.com spricht der US-Amerikaner darüber, wie er die rasante Entwicklung des Kletterns und seiner Community erlebt.

Mister Sharma, die Sportart Klettern erlebt gerade einen grundlegenden Wandel: Aus einer Draußen-Sportart, die ihre Ursprünge in den Bergen und Felsen hat, wird eine Drinnen-Fitness-Sportart. Wie sehen Sie das eigentlich?
Chris Sharma: Ja, das ist definitiv so. Ich habe auch selbst eine Kletterhalle eröffnet, in meiner Wahlheimat Barcelona. Es ist die erste kommerzielle Halle dieser Art in Spanien. Die Zahl solcher Hallen nimmt zu, in den USA und auch insbesondere in Deutschland. Das beeinflusst dann natürlich, woher die neuen Generationen Kletterer kommen: Nicht mehr aus den Bergen. Sie sind auch in der Halle glücklich.


Und wie bewerten Sie das? Es gibt durchaus prominente Stimmen in der Kletter-Community, die diese Entwicklung scharf kritisieren.
Ich stelle mich ganz sicher nicht dagegen. Wieso auch? Ich habe selbst in der Halle angefangen zu klettern. Ich bin in Santa Cruz am Meer aufgewachsen, da hatte ich keine andere Möglichkeit. Jetzt zählt für mich vor allem, mehr und mehr Menschen für unseren Sport zu gewinnen, in welcher Form auch immer. Klettern hat als Sport so viel zu bieten, egal ob drinnen oder draußen.

Was meinen Sie damit genau?
Es ist ein großartiges Ganzkörpertraining (Lesen Sie hier: Die zehn besten Gründe, mit dem Bouldern anzufangen) und ein tolles soziales Erlebnis. Beim Klettern findest du leicht Freunde. Und ich finde es wirklich schön zu sehen, wie unser Sport auf diese Art und Weise weiter wächst. Wir bekommen immer mehr Aufmerksamkeit, die ganze Industrie dahinter wächst und reift immer mehr. Wir dürfen sogar davon träumen, 2020 ein olympischer Sport zu werden. Mich, der ich mein Leben dem Klettern verschrieben habe, macht es glücklich, diese Evolution zu sehen.

„Indoor- und Outdoor-Klettern: Der Kern bleibt gleich“

Muss sich die von Ihnen erwähnte Industrie noch mehr auf die Indoor-Kletterer fokussieren?
Ich denke nicht, dass Indoor- und Outdoor-Kletterer so grundverschieden sind. Der Kern der Sportart bleibt weiter gleich: Die Gruppenerfahrung, der Wettkampf auf der einen Seite, die Auseinandersetzung mit sich selbst, die Grenzerfahrung auf der anderen. Klar wird es in Zukunft noch mehr Produkte für den Indoor-Einsatz geben. Aber ich denke nicht, dass die Hallen-Kletterer eine wirklich andere Ansprache als die Draußen-Kletterer brauchen. Wir sind eine große Community und wissen das auch zu schätzen!


Was sind die Produkt-Trends beim Klettern?
Das grundlegende Qualitäts-Level aller Produkte steigt: Klettergurte, Kletterschuhe, Bekleidung, auch die Kletterwände, die Hallen an sich. Früher waren Kletterhallen dunkle und schmutzige Orte, wo sich die Menschen getroffen haben, die sowieso schon Kletterer waren. Heute kannst du mit deiner ganzen Familie einen Tag in einer Kletterhalle verbringen.

Was wiederum, zum Beispiel in Hotspots wie in München, zu überfüllten Hallen führt.
Das ist wohl wahr. Aber ich sehe es einfach so: Klettern hat mein Leben verändert und es freut mich, wenn es anderen Menschen genauso geht. Sogar außerhalb der Kletterhalle. Der Sport transportiert den Urban-Outdoor-Trend, mit Kleidung, die eigentlich für das Klettern entwickelt wurde, die aber überall getragen werden kann. Ich arbeite mittlerweile seit 20 Jahren mit PrAna zusammen, sie sind ein Vorreiter in diesem Bereich.

Chris Sharma im Gespräch mit ISPO.com-Redakteur Julian Galinski. (Quelle: ISPO.com)
Chris Sharma im Gespräch mit ISPO.com-Redakteur Julian Galinski.
Bild: ISPO.com

„Das Seil kann beim Klettern nicht leicht genug sein“

Was denken Sie: Wie entwickeln sich Kletterseile weiter? Weiter leichter und leichter?
Nun, das Seil kann nicht leicht genug sein! Es gibt mittlerweile 9,1-Millimeter-Seile, die extrem leicht und dünn, aber zugleich genauso widerstandsfähig sind. Aber schauen wir uns die Entwicklung der Mobiltelefone an: Die wurden auch kleiner und kleiner, jetzt sind sie wieder größer. Am Ende ist eines wichtig: Produkte zu kreieren, die die Bewegungen des Kletterers geringstmöglich einschränken.

Auf was freuen Sie sich im Jahr 2016 besonders?
Ich werde zum ersten Mal Vater – das ist ein riesiges Ereignis!

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Julian Galinski (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von Julian Galinski, Leitender Redakteur
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