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 Regina Halmich über EMS-Training und ihre zweite Karriere
Sportbusiness | 01.06.2016

Ex-Weltmeisterin Regina Halmich im ISPO-Interview

Regina Halmich spricht über EMS-Training und ihre zweite Karriere

Regina Halmich über EMS-Training und ihre zweite Karriere. Regina Halmich ist die Pionierin des Frauenboxens – und heute als Geschäftsfrau erfolgreich. (Quelle: Imago)
Regina Halmich ist die Pionierin des Frauenboxens – und heute als Geschäftsfrau erfolgreich.
Bild: Imago
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Sie ist die Pionierin des Frauenboxens: Regina Halmich. Die 39-jährige Karlsruherin machte den Sport gegen alle Widerstände, vor allem von Männern, salonfähig und populär: Bis zum Ende ihrer Karriere verfolgten fast neun Millionen Zuschauer die Kämpfe von Regina Halmich im Fernsehen.

Zwischen 1995 und 2007 war Halmich WIBF-Weltmeisterin im Fliegengewicht und musste sich in 56 Profikämpfen nur einmal geschlagen geben. Mit ISPO.com spricht Halmich über ihre Rolle als Testimonial für Elektro-Myo-Stimulationstraining (kurz: EMS), den Transfer vom Leistungssport ins Geschäftsleben und erklärt, warum sie immer noch hart trainiert.

ISPO.com: Frau Halmich, was bedeutet für Sie mehr Stress, das Leben als Profisportlerin oder das Leben als Geschäftsfrau?
Regina Halmich: Das ist schwer zu vergleichen. Als Boxerin war ich körperlichem Stress ausgesetzt, jetzt bin ich ständig auf Reisen. Die Hälfte der Zeit bin ich damit beschäftigt, von A nach B zu kommen. Ich würde aber nicht so weit gehen, dies als Stress zu bezeichnen, schließlich bin ich in der glücklichen Lage, mir meine Jobs aussuchen zu können.

Als Box-Weltmeisterin prägte Regina Halmich ihren Sport. (Quelle: imago)
Als Box-Weltmeisterin prägte Regina Halmich ihren Sport.
Bild: imago

Als Profiboxerin wurden Sie lange Zeit nicht ernst genommen, doch am Ende bejubelte Sie ein Millionenpublikum. Welche Prinzipien haben Sie aus dieser Zeit mit ins Geschäftsleben genommen?
Eine Eigenschaft, die mir im Sport wie im Geschäft immer geholfen hat, war meine Disziplin. Das war für mich immer der Schlüssel zum Erfolg. Klar, manchmal gehört auch etwas Glück dazu oder etwas klappt erst im zweiten oder dritten Anlauf – aber ohne Disziplin geht gar nichts.

Würden Sie aus Sicht der Geschäftsfrau sagen, dass Sie bereits eine Marke Regina Halmich kreiert haben?
Der Name Regina Halmich ist im Sportbereich auf jeden Fall ein Türöffner, wird immer mit dem Frauenboxen verbunden sein. Das allein reicht aber nicht, wenn die Qualität meiner Arbeit nicht stimmt. Und bislang gibt mir der Erfolg recht. Ich bin heute, acht Jahre nach dem Ende meiner Profikarriere, immer noch gut beschäftigt.

Kurz und prägnant in drei Worten: Für was steht die Marke Regina Halmich? 
Frauenpower, Durchsetzungskraft und Verlässlichkeit. Sich selbst beschreiben, ist aber immer schwer. Vielleicht wäre es ganz gut, auch mal die Meinung von außen dazu zu hören.


Selbstmarketing als Profiboxerin gehört zum Business dazu. Wie schwer fällt Ihnen dieser Prozess jetzt als Geschäftsfrau?
I
n erster Linie erledigt das alles meine Managerin. Direkt im Anschluss an meine Karriere waren die Anfragen einfach da und die Leute waren – egal ob bei Vorträgen, als Trainerin oder als Co-Kommentatorin – zufrieden mit meiner Arbeit. Danach hat sich über Mundpropaganda herumgesprochen, dass ich immer gut vorbereitet bin und mich professionell verhalte. Das merken sich die Leute und buchen mich immer wieder.

Sie engagieren sich im sozialen Bereich, bringen eigene Trainingsvideos heraus, halten Vorträge und arbeiten nebenbei noch beim Fernsehen. Wie sieht eine typische Woche bei Regina Halmich aus?
Das ist zum Glück völlig unterschiedlich – und das liebe ich an meinem Leben gerade. Das jüngste Projekt führt mich zum Beispiel nach Kasachstan, wo ich den vorolympischen Entscheid beim Frauenboxen als Co-Kommentatorin begleiten werde. Ich habe aber auch weiterhin noch genug Freiraum, um zu Hause Freunde zu treffen oder selbst zu trainieren.

Zusätzlich sind Sie noch Testimonial für das Elektro-Myo-Stimulationstraining von ISPO-AWARD-WINNER bodyficient. Was kann man sich unter EMS-Training vorstellen?
Das sind kleine Stromstöße, die den Muskel kontrahieren lassen. Diese Technik wird auch in der Physiotherapie eingesetzt, zum Beispiel bei Rückenschmerzen. Ich probiere immer gerne neue Trendsportarten aus und halte es für eine sehr gute Trainingsergänzung. Das Thema ist richtig auf dem Vormarsch.

Würden Sie Ihr normales Training durch EMS ersetzen?
Eher nicht, da ich genug Zeit zum Trainieren habe. Eine Kombination aus normalem Training und EMS finde ich gut, aber für Leute, die wenig Zeit haben, ist EMS perfekt.

Trainieren mit dem Box-Champion: Regina Halmich in Action. (Quelle: Instyleproductions)
Trainieren mit dem Box-Champion: Regina Halmich in Action.
Bild: Instyleproductions

Wenn Sie sich also zwischen einem Leberhaken beim Sparring und einem satten Stromstoß beim EMS-Training entscheiden müssten...
Dann würde ich zuerst den Leberhaken wählen – und mich danach noch an den Strom anschließen.

Wie wichtig ist Ihnen als Ex-Profisportlerin noch diese Regelmäßigkeit des Trainings, die früher doch in weiten Teilen Ihren Alltag bestimmt hat?
Der Sport gehört nach wie vor zu meinem Leben, und wenn ich zu Hause bin, ist es für mich eine Selbstverständlichkeit, dass ich morgens zum Training gehe. Egal was kommt, das ist gesetzt.

Bei vielen Profisportlern macht sich das Karriereende auch auf der Waage bemerkbar. Dieses Problem scheinen Sie nicht zu haben...
Oh, doch doch. Ich habe sicher auch zwei, drei Kilo mehr als zu Wettkampfzeiten. Und ich muss sehr hart arbeiten, um mein Gewicht zu halten. Das ist eine Eitelkeit, die ich mir behalten habe. Schließlich möchte ich noch guten Gewissens vor den Spiegel treten können. Da spricht nicht die Sportlerin aus mir, da bin ich dann ganz Frau. Eigentlich ist es ja so: Ich gehe nur trainieren, damit ich essen kann (lacht).


Was fehlt Ihnen mehr: das harte Training oder die Wettkämpfe?
Machen wir uns nichts vor. Auf dem Level, auf dem ich früher trainiert habe, hat das nicht immer Spaß gemacht. Bei uns ging es erst richtig los, als der Normalo mit dem Training schon aufgehört hat. Am meisten fehlt mir das Adrenalin im Wettkampf. Noch einmal in so eine Arena einmarschieren... Es gibt kein vergleichbares Gefühl.

Wo holen Sie sich diesen Adrenalin-Kick jetzt?
Die gibt es so eins zu eins nicht. Was mich aber sehr glücklich macht, ist ein gelungener Vortrag, oder wenn Leute nach einem Training positives Feedback geben. Wenn ich Leute erreichen kann, ist das auch eine Erfüllung für mich. Nur gar nichts tun, das geht nicht. Ich könnte nicht einfach so in den Tag hineinleben, Struktur ist schon sehr wichtig für mich.

Worauf werden Sie häufiger angesprochen: Auf Ihren Weltmeister-Titel oder den Showkampf gegen Stefan Raab?
Beides in einem Atemzug. In der Regel geht das meistens so: ‚Toll wie sie damals geboxt haben Frau Halmich – und dass Sie dem Raab eine auf die Nase gegeben haben, fanden wir auch super’. Aber es ist in der Tat erstaunlich, dass sich noch so viele Leute an diesen Kampf erinnern. Ich glaube, der wird ewig bleiben.

Die gebrochene Nase von Stefan Raab war für Sie also ein ziemlicher Karriereschub. Welche Niederlagen mussten Sie in Ihrer Laufbahn hinnehmen?
Ein Schlüsselerlebnis war natürlich der technische K.o. in Las Vegas gegen Yvonne Trevino, meine einzige Niederlage in einem Profikampf. Generell war es zu Beginn meiner Karriere dieses ständige sich rechtfertigen müssen, warum ich mich für Frauenboxen entschieden habe. Es wurde so oft versucht, mich klein zu halten. Bei Fernsehübertragungen blieb ich am Anfang außen vor, an Boxabenden wurde meine Fähigkeit, im Hauptkampf anzutreten, in Frage gestellt, und die Gehaltsverhandlungen waren auch immer schwer. Meine letzten Verträge hat dann der Anwalt Christoph Schickhardt gemacht, der auch den DFB vertritt. Ihm habe ich es zu verdanken, dass ich finanziell unabhängig bin.


Und in Ihrem bisherigen Geschäftsleben?
Alle haben großen Respekt vor dem, was ich geleistet habe und kommen mir eigentlich immer nur positiv entgegen. Ich habe bis heute gute Sponsoren, die alle ihre Verträge immer verlängern wollen. Das ist eine sehr gute Visitenkarte.

Was haben Sie aus den sportlichen Niederlagen gelernt?
Dass es einem nichts bringt, immer nur nach hinten zu blicken. Sich an negativen Dingen und Erlebnissen festzubeißen, führt nicht zum Ziel. Solche Gedanken belasten nur die Psyche und lassen einen an sich selbst zweifeln.

Ihr geschäftliches Portfolio ist aktuell relativ breit aufgestellt. Wo soll es in Zukunft für Regina Halmich hingehen?
Das kann ruhig so vielfältig bleiben, solange die Aufgaben mit Sport und Ernährung zu tun haben. Das ist einfach meine Welt.

Auf ihrer Facebookseite gibt Regina Halmich Einblick in ihr sportliches und berufliches Leben.

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Florian Pertsch (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von Florian Pertsch, Autor
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