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 Vater und Triathlon-Star: So anstrengend ist der Spagat
Running | 20.04.2016

Ironman-Star Andreas Raelert über sein neues Leben als Vater und Profi

Triathlon-Star Andreas Raelert: Als Vater zwischen Ironman und Familie

Abkühlung gefällig: Andreas Raelert beim Ironman Hawaii 2015, bei dem er auf dem zweiten Platz landete. (Quelle: imago/ZUMA Press)
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Es war das Triathlon-Comeback des vergangenen Jahres: Mit einem zweiten Platz beim Ironman Hawaii kehrte Andreas Raelert im Oktober 2015 an die Weltspitze zurück. Wenige Wochen später heiratete der 39-Jährige und wurde erstmals Vater: sein persönlich größter Moment.

Für seinen Traum vom Sieg in Hawaii 2016 musste er sein Training komplett umstellen. Vor dem Start in die Vorbereitung erzählt Raelert im Interview mit ISPO.com wie er den Spagat zwischen Familie und Hochleistungssport meistert.

ISPO.com: Herr Raelert, die vergangenen Monate waren für Sie ja sehr emotional.
Andreas Raelert: Es waren intensive Monate, aber nach dem Ironman Hawaii konnte ich die Triathlonwelt etwas ausblenden. Es gab für mich familiär wichtigere, vor allem schönere Dinge zu tun. Das Vatersein ist sehr faszinierend, und die Situation ist derzeit noch etwas ungewohnt. Der Alltag hat uns voll im Griff und ich versuche nach Möglichkeit da zu sein und so gut es geht zu unterstützen. Vater zu sein, ist eine große Herausforderung, aber schöner als ich es mir vorgestellt habe. Ich freue mich auf alles, was kommt, und es geht mir richtig gut.


Wie gehen Sie mit diesen intensiven Erlebnissen um?
Wenn ich an den zweiten Platz beim Ironman Hawaii denke, an diesen einen Tag im Oktober 2015, dann sind diese bewegenden Augenblicke noch sehr präsent. An diesem Tag zählte für mich nur Triathlon und nichts anderes. Ich werde weiter an der Verwirklichung meines Traums zu arbeiten und den Ironman Hawaii – vielleicht zusammen mit meinem Bruder – doch noch zu gewinnen. Abseits dieser Triathlonwelt ist mit meiner Familie und meinem Sohn der Fokus nun ganz anders gesetzt. Die Geburt unseres Sohnes ist für uns ein großes Geschenk. Ein guter Freund und deutscher Leistungsschwimmer hat es gut beschrieben: „Als junger Vater hatte ich unglaublich wenig Schlaf, und die Voraussetzungen waren nicht die Allerbesten. Aus sportlicher Sicht war es aber mein schönstes und erfolgreichstes Jahr.“ Ich denke, dass ich genau diese Motivation in den nächsten Jahren in den Triathlon mitnehmen kann.

Mentale Stärke als Garant für den Erfolg

In Jan Frodeno und Ihnen standen 2015 zwei werdende Väter auf dem Podium in Kona. Man könnte annehmen, dass die neuen Lebensaufgaben optimale Voraussetzungen für Top-Platzierungen beim Ironman Hawaii sind. Werden wir zukünftig einen Andreas Raelert erleben, der seine Rennen noch fokussierter bestreitet und wieder souverän gewinnt?
Ich hoffe es, denn die letzte Saison war schon etwas Besonderes. Ich habe das große Glück, dass mein komplettes Umfeld und meine Familie mich unterstützen und mir den entsprechenden Freiraum geben, dann aber auch einfordern, dass ich mich engagiere. Es tut gut zu wissen, dass auf mich neben dem Triathlon noch eine andere Welt wartet. 

Die Ironman-Legenden von Hawaii


Ihr Weg zurück an die Weltspitze war nach Verletzungen und einigen Rückschlägen auch eine Geduldsprobe. In diesem Sommer werden Sie vierzig, wie lange werden Sie dort oben noch mitspielen können?
Solange ich noch Spaß daran habe, nicht nur das Starterfeld auffülle und mein Traum nicht unrealistisch wird, möchte ich gerne weitermachen. Dass ich jetzt mehr Verantwortung trage und mein Training effizienter gestalten und noch besser planen muss, ist ein großer Vorteil. Vor allem muss ich meine Zeit besser einteilen.

Das heißt, Sie trainieren wieder hauptsächlich in Rostock, während Ihr Bruder Michael im fernen und warmen Asien im Trainingslager weilt?
Im Moment trainiere ich in der Heimat bei jeder Witterung, so wie auch vor vielen Jahren. Das ist natürlich ein großer Unterschied. Letztes Jahr war ich 300 Tage unterwegs und zu diesem Zeitpunkt schon im dritten Trainingslager mit Michael. Mein neues Leben mit der Familie zu Hause ist zwar anders, aber sehr schön, und es funktioniert gut.

Schon lange dabei, bislang aber dreimal nur Zweiter: Andreas Raelert beim Ironman 2009 auf Hawaii. (Quelle: imago/Thomas Frey)
Schon lange dabei, bislang aber dreimal nur Zweiter: Andreas Raelert beim Ironman 2009 auf Hawaii.
Bild: imago/Thomas Frey

Meine Familie gibt mir Kraft für den Sport

Was bedeuten diese vielen Veränderungen für Ihren Alltag und für Ihr Training als Triathlonprofi?
Triathlon hat bisher täglich 24 Stunden mein Leben ausgefüllt, und das wird weiterhin so bleiben. Neu ist, sich Freiraum zu schaffen und den Fokus gleichzeitig auf das Familienleben zu lenken. Ich weiß, dass ich vor einer neuen, meiner größten Herausforderung stehe. Wie sich das alltägliche Leben und meine Vaterpflichten mit meinem Triathlontraining am Besten miteinander vereinbaren lassen, wird mir jeder Tag aufs Neue zeigen. Das gibt mir auch viel Kraft, um meine Ziele als Triathlet zu verwirklichen. (Lesen Sie hier, wie hart Raelerts Konkurrent Jan Frodeno trainiert.)

Unter Insidern gelten Sie als Vieltrainierer. Wie teilen Sie bei der neuen Doppelbelastung Ihre Kräfte ein, um auch noch im reifen Trainingsalter Höchstleistungen zu erbringen?
Ich fühle mich körperlich topfit, vor allem aber mental sehr frisch, um mich diesen neuen Herausforderungen zu stellen. Das konnte ich vergangenes Jahr bestens beweisen. Klar verzeiht der Körper nicht mehr ganz so viele extreme Einheiten, und ich muss mehr auf meine Regeneration achten, sowie an der Effektivität arbeiten. Das Trainingsvolumen hat noch Rekordniveau, aber ich setze öfter Erholungstage. Ansonsten ist alles beim Alten.


In den vergangenen Jahren mussten Sie die Qualifikation für Kona immer in der Nachspielzeit einfahren. Sie sind 2016 in der komfortablen Situation, bereits viele Punkte durch den zweiten Platz mitgenommen zu haben. Wird Ihnen das nutzen?
Ich werde im Sommer beim Ironman Frankfurt starten und möchte mich dort dann auch qualifizieren. Mein Fokus liegt aber ganz klar auf Kona und dem Ironman Hawaii.

Auf der Facebook-Seite der Raelert-Brüder Andreas und Michael bekommen Sie die aktuellsten News.

Stefan Drexl ist Redakteur der ISPO. (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von Stefan Drexl, Autor
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