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 Maria Höfl-Riesch: So vermarktet sich der Ex-Skistar
Sportbusiness | 31.03.2016

Ex-Skistar Maria Höfl-Riesch

„Die Marke Maria steht für Qualität“

Volle Fahrt voraus: Maria Höfl-Riesch treibt ihre Karriere nach der Karriere unter anderem mit einem Fitnessprogramm auf dem Kreuzfahrtschiff MS Europa 2 voran.  (Quelle: MHM Majors)
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Olympiasiegerin Maria Höfl-Riesch gehörte über Jahre zu den besten Skifahrerinnen der Welt. Sie gewann in Vancouver und Sotschi insgesamt drei Goldmedaillen und eine Silbermedaille. Seit ihrem Karriereende 2014 arbeitet sie als TV-Expertin und verkauft ihre eigene Kleidungs-Kollektion auf Otto.de. Zudem hat die Garmisch-Partenkirchnerin ein eigenes Trainingsprogramm für Hobby-Sportler entworfen.

Im Interview spricht die 31-Jährige über ihr Leben nach der aktiven Karriere und über die Marke „Maria“. Sie erklärt, wie sie Menschen von gesunder Ernährung und Sport überzeugen möchte – und wie sie Franz Beckenbauer gegen die Kritiker verteidigt.

ISPO.com: Zwei Jahre nach Ihrem Rücktritt als Ski-Profi: Welche Rolle spielt Sport heute in Ihrem Leben, Frau Höfl-Riesch?
Maria Höfl-Riesch: Sport ist mir natürlich weiterhin sehr wichtig. Ich versuche, regelmäßig etwas zu machen. Wenn ich zu Hause bin, stehe ich meistens um sechs, halb sieben auf und mache dann eine Stunde Ausdauer- und ein bisschen Kräftigungstraining. Auf Reisen ist es schwieriger, da fällt der Sport durch enge Terminpläne schon mal aus.

Das wäre Ihnen als Skirennfahrerin sicher nicht passiert.
Aber genau das genieße ich. Die Intensität ist niedriger, ich kann so trainieren, wie es mir Freude macht – und ohne dass ich danach völlig erschöpft bin. Wohlfühl-Sport eben! Während meiner Karriere ist mein Trainingsplan, im letzten aktiven Jahr zusammen mit meinem Athletiktrainer Heini Bergmüller, immer überwacht, kontrolliert und genau gesteuert worden. Sonntagabends kam der Plan für die neue Woche und wurde danach täglich angepasst. Im Schnitt habe ich jeden Tag sechs Stunden trainiert.

Und heute gibt es keinen festen Plan mehr?
Nein. Ich mache viel lockeres Ausdauertraining, im Sommer natürlich draußen und am liebsten in den Bergen. Zu Hause in Kitzbühel gehe ich manchmal gleich in der Früh auf den Hahnenkamm, oben gibt es dann einen schönen Kaffee – zur Belohnung. Ich laufe nicht rauf, ich wandere. Das dauert dann so eindreiviertel Stunden. Runter fahre ich mit der Bergbahn.


Wie viele Tage halten Sie es ohne Sport aus?
Drei, vier – dann fehlt er mir zu sehr. Wobei ich glaube, dass das nicht unbedingt vom Leistungssport kommt. Ich hätte mich auch ohne Hochleistungssport immer gerne bewegt, da bin ich mir sicher.

Den viel zitierten inneren Schweinehund, gibt’s den bei Ihnen auch?
Ja, schon. Ich bin auch eher der Genießer-Typ, ich esse sehr gerne. Früher war das kein Problem, da musste ich sogar viel essen. Heute passe ich das, was ich esse, meinem Bewegungspensum an – oder umgekehrt (lacht). Aber insgesamt gelingt es mir ganz gut, dranzubleiben. Wir haben zu Hause im Keller einen Fitness-Raum eingerichtet, das ist natürlich praktisch.

Fitness ist zu einem großen Thema in Ihrem Leben geworden. Aber nicht nur als Sportlerin, sondern auch als Trainerin.
Mich hat es zum Schluss meiner Karriere wahnsinnig fasziniert, was man mit individuell angepasstem Training erreichen kann, das nehme ich nun mit. Die Bedürfnisse der Menschen sind ganz unterschiedlich, und es gibt nicht das eine, absolute Erfolgsrezept. Was sicher auch der Grund ist, warum manche Menschen so einen Horror vor Sport haben. Die haben irgendwo gelesen, dass sie mit hoher Intensität trainieren müssen, sind danach aber fix und fertig und können sich drei Tage nicht mehr bewegen. Was ich rüberbringen will ist, wie wichtig und sinnvoll maßvolles, individuelles Training ist. Um sich besser zu fühlen, um fit und schlank zu bleiben – oder zu werden.

Ab auf die Matte: Mit dem Fitnessprogramm www.mariamachtdichfit.de können die Kunden wie Maria Höfl-Riesch zu Hause trainieren. (Quelle: MHM Majors)
Ab auf die Matte: Mit dem Fitnessprogramm www.mariamachtdichfit.de können die Kunden wie Maria Höfl-Riesch zu Hause trainieren.
Bild: MHM Majors

„Wie trainierst du, was isst du?“

Als mehrfache Ski-Weltmeisterin und Olympiasiegerin haben Sie die Prominenz, um die Leute zu erreichen – wollen Sie ein Vorbild sein?
Vorbild ist ein großes Wort, aber ich engagiere mich schon bewusst, unter anderem als Präventionsbotschafterin der Aktion „Immer am Ball bleiben“ des Bundesgesundheitsministeriums. Es gibt viel zu viele übergewichtige Menschen, leider auch schon im Kindesalter. Es liegt mir einfach am Herzen, zu zeigen, wie wichtig es ist, Bewegung in sein Leben zu bringen. Dafür möchte ich ein stärkeres Bewusstsein schaffen. Man muss nicht ins Fitnessstudio gehen. Aber jeder sollte sich regelmäßig bewegen.

Haben Sie das Gefühl, die Leute brauchen hierfür Aufforderung und Anleitung – und wie können Sie das konkret unterstützen?
In erster Linie ist das eine Frage der Zielsetzung. Wenn jemand mit dem Wunsch zu mir kommt, in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Muskeln aufzubauen, dann sage ich ihm: Das ist nicht sinnvoll. Der erste Schritt ist, eine Basis zu schaffen, mit regelmäßigem Ausdauer- und Kräftigungstraining. Genauso wenig macht es übrigens Sinn, wenn jemand in kürzester Zeit zehn Kilo abnehmen will. Nachhaltigkeit, Regelmäßigkeit – das ist wichtig!

Und die Ernährung?
Ich habe ein paar einfache Tipps, die ich gerne weitergebe. Weniger Kohlehydrate zum Beispiel und am besten ohnehin nur in der Früh. Ich starte oft mit einem Müsli in den Tag. Dazu einen Löffel Leinöl, für die Zufuhr an gesunden Fettsäuren. Im Büro essen wir dann mittags oft gemeinsam Salat, zum Beispiel mit Avocado und Linsen – mit reichhaltigen und gesunden Zutaten also. Und mit einem selbstgemachten Öl-Dressing. Bei Nudeln und Brot halte ich mich zurück. Zwar esse ich schon auch mal ein süßes Teilchen vom Bäcker, aber eben ganz bewusst – und selten.

Haben Sie das Gefühl, angesichts Ihrer Vergangenheit und Bekanntheit die Leute besser zu erreichen, besser motivieren zu können?
Ach, es gibt immer auch welche, die was zu meckern haben. Aber insgesamt ist das Feedback sehr positiv. Ich wurde, während meiner Karriere und danach, so oft gefragt: Wie trainierst du, was isst du – das gebe ich nun weiter. Zum Beispiel mit meinem Trainingsprogramm BE.YOU., mit meinem Fitnessportal „Mariamachtdichfit.de“, oder auch auf der MS Europa 2, wo ich mehrmals im Jahr mit Passagieren nach meinem Konzept trainiere.

Jobs nach der Karriere: Mode, Fitness und TV

Sehen Sie sich mittlerweile als Geschäftsfrau?
Nicht im Sinne von tagtäglicher Verantwortung für ein Unternehmen, von Business-Plänen und dergleichen. Aber im Sinne von Dingen, die ich gut kann, die mir Freude machen und die ich nun umsetze, also öffentlich mache, an andere weitergebe: Ja.

Sie setzen ganz bewusst „Maria“ als Marke ein. Wofür steht diese Marke?
Für sportlichen Erfolg, für Fitness und Gesundheit, für modebewusste, moderne, aber auch heimatverbundene und bodenständige Menschen.

Marias Karriere nach der Karriere


Fitness-Trainerin und TV-Expertin sind Sie schon, mehrere Bekleidungs-Kollektionen tragen Ihren Namen. In welche Richtung planen Sie Ihr weiteres Business?
Das setzte ich natürlich alles fort. Ein neues Terrain könnten Vorträge werden, ich bekomme immer wieder Anfragen. Und da möchte ich mich jetzt herantasten. Aber ich weiß: Das muss ich noch üben. Mit Talks habe ich gute Erfahrungen gemacht. Das freie Sprechen, über eine halbe Stunde oder länger, ist dann noch eine größere Herausforderung. Der ich mich aber stellen werde!

Um welche Themen wird es schwerpunktmäßig gehen?
Um Höhen und Tiefen meiner Karriere, also um Motivation, ganz besonders nach Rückschlägen. Aber auch um Fitness und gesunde Lebensweise. Um Themen eben, zu denen ich aus eigener Erfahrung etwas an andere weitergeben kann.

Als TV-Expertin und -Moderatorin: Haben Sie Vorbilder, Lehrer?
Mit Gerd Rubenbauer habe ich oft Kontakt, er coacht mich. Vor wichtigen Rennen, wie zum Beispiel in Kitzbühel, aber auch regelmäßig nach meinen Auftritten. Er sagt mir ganz offen, was gut war – und was nicht so gut. Ich bin sehr dankbar für das professionelle Feedback. Denn meine Mutter, die sagt natürlich immer: Das war super! (lacht) Ansonsten schaue ich, wie andere Sportler vor der Kamera auftreten: Mehmet Scholl und Magdalena Neuner gefallen mir als Experten besonders gut.

Wie wichtig ist die dezidierte Meinung als TV-Expertin – wie wichtig ist es, auch mal zu polarisieren?
Natürlich könnte ich mich hinstellen und nett und freundlich das erzählen, was jeder hören will. Aber das bin ich nicht. Ich sage meine Meinung. Wenn die nicht jedem gefällt, dann gibt es eben ein bisschen Gegenwind. Aber damit komme ich mittlerweile gut klar.

Sieht aus wie früher, nur ist es ganz anders: Höfl-Riesch kommt nicht mehr nur zum Interview vor die ARD-Kamera sondern ist die Expertin an der Seite von Moderatorin Julia Scharf. (Quelle: MHM Majors)
Sieht aus wie früher, nur ist es ganz anders: Höfl-Riesch kommt nicht mehr nur zum Interview vor die ARD-Kamera sondern ist die Expertin an der Seite von Moderatorin Julia Scharf.
Bild: MHM Majors

Inwieweit fließt Ihre Meinung bei Ihrer Bekleidungs-Kollektion bei Otto ein?
Ich sage zum Beispiel, was mir in Sachen Look und Funktionalität wichtig ist. Dann bekomme ich Entwürfe für das Design gezeigt, die wir im Team diskutieren. Also, ich kann keine Entwürfe zeichnen oder so was, aber ich bringe meine Erfahrungen und meinen Geschmack mit ein. Das können manchmal ganz kleine Sachen sein wie ein Zipper, aber so was ist ja auch wichtig.

Früher haben Sie mit Bogner zusammengearbeitet – das war eine exklusiv anmutende, für den Kunden auch kostspielige Kollektion. Mittlerweile erscheint die Maria-Kollektion bei einem Mainstream-Anbieter.
Bogner hat tolle Sachen, keine Frage. Aber die Zielgruppe ist sehr spitz, das ist definitiv keine Massenware. Klar hieß es damals auch: Das kann sich kaum jemand leisten. Und es war halt auch nicht meine eigene Marke „Maria“ wie jetzt, die über Otto.de vertrieben wird. Ich finde, wenn ich möchte, dass sich möglichst viele Menschen fit halten und dabei meine Kollektion tragen, dann sollte der Preis niemanden abschrecken. Wobei „Maria“ als Modemarke natürlich trotzdem für Qualität steht, das ist mir ganz wichtig.

Wie viel eigener Input steckt in Ihrem Fitness-Programm?
Hundert Prozent. Das war der Sinn der Sache und auch die Herausforderung. Denn meine Methode setzt nicht auf irgendwelche Werbeeffekte, die sich vielleicht besonders gut verkaufen lassen. Ich preise nicht an: Acht Minuten Workout – und du bist fit in sechs Wochen. An solche Versprechen würden manche Leute wahrscheinlich gerne glauben. Aber um nachhaltig fit zu werden und zu bleiben, muss man einfach Zeit investieren. So transportieren wir das. Das Ziel ist ja nicht, nur vier, sechs oder acht Wochen zu trainieren, sondern dauerhaft etwas für seine Fitness, also auch für sein Wohlbefinden und seine Gesundheit, zu tun.

Korrigieren können Sie dann aber zwangsläufig nicht, falls jemand falsch trainiert.
Aber wir haben einige Drehtage damit verbracht, alle Übungen so genau wie möglich zu erklären. Und ich rate auf den Videos immer wieder dazu, genau hinzuschauen, sich aber auch nicht zu überfordern, lieber mal eine Pause einzulegen. Mehr geht bei einem Digitalprogramm nicht.


Image oder Umsatz – was ist wichtiger?

Früher war Erfolg bei Ihnen eindeutig: Gewonnene Rennen, Goldmedaillen. Wie messen Sie heute Erfolg?
Beim Fitnessprogramm: Über das Feedback der Menschen, wie sie es annehmen und wie erfolgreich sie sind. Bei meiner Kollektion sind es die Verkaufszahlen und auch, wie die Qualität angenommen wird. Ansonsten: Social-Media-Posts mit vielen Likes freuen mich auch. Vor allem ist mein Maßstab für Erfolg aber, dass ich Spaß habe bei dem, was ich tue und mich damit wohlfühle.

Als Spitzensportlerin standen Sie dauernd unter Beobachtung, durch Medien und Fans. Hat sich das mittlerweile geändert?
So viel anders ist es gar nicht. Ich spüre immer noch eine große Aufmerksamkeit. Ich werde, auch wenn ich privat unterwegs bin, immer wieder um Fotos gebeten. Was aber auch gar nicht schlimm ist. Im Gegenteil: Es ist schön zu sehen, dass mich die Menschen auch zwei Jahre nach dem Karriereende noch erkennen und wertschätzen.

In den sozialen Medien geben Sie sehr viel von sich preis, posten zum Beispiel regelmäßig private Fotos. Eine ganz bewusste strategische Entscheidung im Sinne der Markenbildung?
Ich handhabe den Auftritt im Netz so, dass es zu mir passt und ich mich wiedererkenne. Wobei andere sicher noch viel privatere Inhalte teilen. Für mich sind Facebook und Co. eine gute Möglichkeit, um mit den Fans zu kommunizieren, sie ein bisschen an meinem Leben und an meinen Gedanken teilhaben zu lassen. Das allermeiste Feedback ist auch sehr positiv.


Inwieweit wird die Social-Media-Strategie durch die Firma Ihres Mannes mitbestimmt? Auch bei anderen Klienten, wie zum Beispiel Franz Beckenbauer – der weit weniger aktiv ist als Sie?
Jeden Dienstag haben wir in Kitzbühel unsere Runde und planen. Klar ist: Ich lasse mir von niemandem was einreden oder aufzwängen. Ich sage, was wir machen und was nicht. Natürlich gibt es dazu dann Input und Tipps von Marcus und dem Team. Aber ich entscheide.

Handeln Sie dabei auch mit Bauchgefühl? Sie haben vor einigen Wochen einen sehr unkritischen Text über Franz Beckenbauer und dessen Rolle bei der Vergabe der WM 2006 geteilt – und dafür massive Kritik im Netz bekommen.
Der entsprechende Text war in unserem Pressespiegel, davon habe ich einen Screenshot gemacht und dann gepostet.

Die Reaktionen darauf waren zum Teil sehr deutlich.
Weil einige auch gedacht haben, ich hätte diesen Text verfasst. Es geht auch gar nicht darum, dass ich jedes Wort richtig fand, was drinstand. Natürlich muss das Thema aufgeklärt werden. Was ich sagen wollte: Die Berichterstattung über Franz Beckenbauer ist insgesamt zu einseitig und hysterisch. Ich habe mit dem Post nur meine Freude ausgedrückt, dass jemand auch mal in die andere Richtung schreibt.

Sie bauen also derzeit aus vielen Puzzlestücken weiter Ihre Marke zusammen. Was ist wichtiger: Umsatz oder Image?
Grundsätzlich ist mir das Image wichtiger. Aber das geht Hand in Hand. Wenn das Image gut und glaubhaft ist, funktionieren auch meine Partnerschaften. Und entsprechend stimmt auch der Umsatz.

Mitarbeit: Julian Galinski


Das ist Maria Höfl-Riesch

Geboren: 24. November 1984 in Garmisch-Partenkirchen

Disziplinen: Abfahrt, Super-G, Riesenslalom, Slalom, Kombination

Karriereende: 2014

Erfolge: 3x Olympiagold (zweimal in Vancouver, einmal in Sotschi), 1x Olympia-Silber (Sotschi), Siegerin im Gesamtweltcup 2010/11, fünf Disziplin-Weltcupsiege, 27 Weltcupsiege.


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Gunnar Jans ist Chefredakteur von ISPO.COM (Quelle: www.goettlicherfotografieren.de)
Ein Beitrag von Gunnar Jans, Chefredakteur
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