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 Nike setzt Vertrag mit Maria Sharapova aus
Sportbusiness | 08.03.2016

Tennisstar nahm verbotene Substanzen

Nach Doping-Geständnis: Sharapova verliert Sponsoren

Eine der bittersten Niederlagen in ihrer Karriere: Nike setzt den Vertrag mit Maria Sharapova wegen Dopings aus. (Quelle: imago/BPI)
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Nike legt den Sponsorenvertrag mit Maria Sharapova auf Eis: Der Tennisstar hatte zugegeben, das verbotene Mittel Meldonium zu sich genommen zu haben.

Die 28-Jährige sagte, dass sie mit der Einnahme der verbotenen Substanz während der Australian Open 2016 „einen großen Fehler“ gemacht habe. Die Russin verzichtet sogar auf die Öffnung der B-Probe, wie ihr Anwalt John Haggerty der „New York Times” mitteilte. Auf einer Pressekonferenz sagte Sharapova zu den Doping-Vorwürfen: „Ich muss die Verantwortung dafür tragen, es ist mein Körper. Ich kann niemandem außer mir selbst die Schuld dafür geben.”

Sie habe Meldonium seit 2006 genommen, um Diabetes, die in ihrer Familie eine Geschichte habe, vorzubeugen und einen unregelmäßigen Herzschlag auszugleichen, sagte Sharapova. In diesen zehn Jahren habe ihr Hausarzt eine Medizin namens Mildonate verschrieben. Dass dieses dasselbe Mittel wie Meldonium ist, das seit 1. Januar 2016 verboten ist und nun als Doping gewertet wird, habe sie nicht gewusst. 

Nike-Deal: 70 Millionen Euro für acht Jahre

Sportartikelhersteller Nike teilte mit: „Wir sind traurig und überrascht über die Neuigkeiten von Maria Scharapowa.” Der Vertrag soll mit rund 70 Millionen Dollar dotiert sein und sollte bis 2018 laufen. Während der Doping-Untersuchungen soll der Vertrag ruhen und erst danach über weitere Schritte entschieden werden, teilte Nike mit. Neben dem Sponsoring-Vertrag bringt die Tennisspielerin auch eine eigene Tennis-Kollektion bei Nike heraus.

Lesen Sie hier: So rigoros will die Sportartikel-Industrie gegen Doping vorgehen.

Auch der Schweizer Uhrenhersteller Tag Heuer teilte mit, dass die Verhandlungen über eine Verlängerung des Vertrags „wegen der derzeitigen Situation“ abgebrochen wurden. Der Vertrag lief bereits zum Jahresende 2015 aus. Die „Welt“ berichtet, dass auch Porsche alle Sponsoring-Aktivitäten aussetzen wird. An Board bleibt trotz der Doping-Beichte der Tennisschläger-Hersteller Head. Überraschend verkündete CEO Johan Eliasch: „Die Ehrlichkeit und Größe, die sie an den Tag legte, als sie ihren Fehler anerkannte, sind bewundernswert.“ 

Maria Sharapova: Nur der Schweizer Roger Federer verdiente mehr durch Werbung im Tennis-Business. (Quelle: imago/ITAR-TASS)
Maria Sharapova: Nur der Schweizer Roger Federer verdiente mehr durch Werbung im Tennis-Business.
Bild: imago/ITAR-TASS


Auch die International Tennis Federation (ITF) reagierte prompt auf das Doping-Geständnis und sperrte die Weltranglisten-Siebte ab dem 12. März. Die Spielerinnen-Organisation WTA teilte mit, dass das Verfahren jetzt beim Tennis-Anti-Dopingprogramm liege. Man werde die Entscheidungen, die in diesem Prozess getroffen würden, unterstützen, erklärte WTA-Chef Steve Simon und zeigte sich „sehr betrübt” über die Nachricht.

Sharapova hofft auf Comeback

Trotz des Rückschlags will die Russin ihre Karriere nicht beenden: „Ich lasse meine Fans und den Sport hängen, den ich gespielt und geliebt habe, seit ich vier Jahre alt war. Das weiß ich und ich werde die Konsequenzen tragen. So möchte ich allerdings nicht meine Karriere beenden und hoffe, dass ich noch einmal die Chance bekomme, dieses Spiel zu spielen.”

WADA-Präsident Craig Reedie sprach von einer zu erwartenden Strafe von einem Jahr. Der Präsident des russischen Tennisverbands, Schamil Tarpischtschew, hofft sogar auf eine Teilnahme Sharapovas bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro.

Das Mittel Meldonium wurde zum 1. Januar 2016 verboten und wird seitdem als Doping gewertet. Dies wurde den Sportlern von der WADA am 15. September per Brief mitgeteilt (Lesen Sie hier den Brief im Wortlaut). 


Sharapova zählt zu den Top-Verdienern unter den Tennisspielern: Mit einem geschätzten Jahreseinkommen von 30 Millionen Dollar liegt nur Roger Federer vor ihr. Im Forbes-Ranking belegt sie Platz 11 der Sportler mit dem höchsten Jahreseinkommen. Dies wird sich nach der zu erwartenden Kündigung von Nike wohl ändern. Zuletzt hatte Nike auch einen Sponsorenvertrag mit Box-Star Manny Pacquiao, der sich schwulenfeindlich äußerte, gekündigt. (Lesen Sie hier einen Kommentar)

Auch Konkurrent Adidas kündigte 2016 Sport-Stars wegen Dopings.

Sportlich war Sharapova eine der besten Spielerinnen aller Zeiten: Sie holte 35 WTA-Titel und siegte in fünf Grand Slams – zuletzt bei den French Open 2014.

Gregor Röslmaier schreibt für ISPO.com. (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von Gregor Röslmaier, Autor
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