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 Andrus Ansip kämpft um den digitalen EU-Binnenmarkt
ISPO-MUNICH | 26.01.2016

ISPO MUNICH

Ansip kämpft um den digitalen EU-Binnenmarkt

Andrus Ansip kämpft um den digitalen EU-Binnenmarkt. Andrus Ansip Vizepräsident der Europäischen Kommission auf der ISPO MUNICH 2016 (Quelle: Messe München GmbH)
Andrus Ansip auf der ISPO MUNICH 2016
Bild: Messe München GmbH
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Den Bürgerdialog der Europäischen Kommission am Rande der ISPO MUNICH nutzt Andrus Ansip für ein Plädoyer für den digitalen EU-Binnenmarkt. Die Abschaffung der Roaming-Gebühren ab dem 15. Juni 2017 und einheitliche Datenschutzregeln in der EU ab 2018 nennt der Vizepräsident der Europäischen Kommission als Erfolge.

Es gibt aber noch viele offene Projekte, die auch für die Sport-Industrie wichtig sind – zum Beispiel kundenfreundlichere Regelungen für E-Commerce-Geschäfte über die Ländergrenzen hinweg.

Andrus Ansip ist ein begeisterter Nutzer seines Schrittzählers auf dem Handy. 12.536 Schritte läuft der sportbegeisterte Vizepräsident der Europäischen Kommission nach eigenen Aussagen im Schnitt täglich. An diesem Dienstag werden es vielleicht noch ein paar mehr gewesen sein, denn ein Rundgang auf der ISPO MUNICH stand auch auf dem Tagesprogramm des ehemaligen estnischen Ministerpräsidenten in München.

Digitalisierung der EU: 415 Milliarden gehen verloren

Sein Heimatland hat Andrus Ansip zu einem Vorbild in Sachen Digitalisierung gemacht – Skype kommt von da, die elektronische Steuererklärung in drei Minuten ist für über 90 Prozent Realität und Medikamente bekommt man über ein elektronisches Rezept. Jetzt kämpft der Europapolitiker um den digitalen EU-Binnenmarkt. Genau dieses Thema stand auch im Mittelpunkt des EU-Bürgerdialogs im Saal 5 des ICM München.



„Wir waren in der Lage, die Grenzen in Europa niederzureißen, aber es gibt keinen digitalen Binnenmarkt“, kritisierte Ansip. Und nannte die Zahl von jährlich 415 Milliarden Euro, die der EU dadurch durch die Lappen gehen.

Roaming und Datenschutz: 28 Märkte sollen zu einem werden

28 Märkte müssen in dem von der EU mit höchster Priorität vorangetriebenen Projekt zu einem zusammengeführt werden – dann könnten Hunderttausende neue Arbeitsplätze entstehen. Als Erfolgsgeschichte nannte Ansip in diese Zusammenhang die Abschaffung der Roaming-Gebühren in der EU zum 15. Juni 2017.

Andrus Ansip Vizepräsident der Europäischen Kommission auf der ISPO MUNICH 2016 (Quelle: Messe München GmbH)
Andrus Ansip wird von Messe-Chef Dittrich auf der ISPO MUNICH 2016 empfangen
Bild: Messe München GmbH


„Überraschung, Überraschung, selbst die Anbieter haben erkannt, dass sie durch die Abschaffung der Roaming-Gebühren zwar Marge verlieren, aber Umsatz gewinnen, weil die Leute auch im EU-Ausland ihr Handy benutzen“, sagte Ansip. Auch die Einführung von einheitlichen Datenschutzbestimmungen in der EU ab 2018 sei ein Erfolg.

Schutz der Privatsphäre und freier Datenverkehr in der EU

„Dass die Konsumenten Vertrauen in die digitalen Anwendungen haben, ist ein Muss. Wir müssen auf der einen Seite die Privatsphäre der Menschen schützen, aber auf der anderen Seite muss man auch den freien Datenverkehr in der EU ermöglichen“, sagte Ansip. Durch die Auswertung der anonymen Nutzerdaten von Wearables und Fitness-Gadgets könne man zum Beispiel letztendlich die Lebenszeit der Menschen in Europa erhöhen.

„Wir brauchen dafür aber in der EU einheitliche Standards für diese Anwendungen“, so Ansip. Deshalb traf sich der Europapolitiker am Rande der ISPO MUNICH auch mit Vertretern der Sport-Industrie und bekam „volle Unterstützung“ für seine Pläne“.

Regelungen für länderübergreifenden Online-Käufe

Ebenfalls auf der Agenda des Fortschritts-Verfechters stehen die Abschaffung von Geo-Blocking in der EU und kundenfreundlichere Regelungen für E-Commerce/Onlinekäufe über europäische Ländergrenzen hinweg. Derzeit müsse man bis zu 22 Mal mehr Liefergebühren bezahlen, wenn man sich ein Produkt aus dem EU-Ausland statt aus dem Inland kommen lasse: „Da stimmt doch etwas nicht.“

Konkurrenz zu Facebook, Google und Amazon

Ein digitaler EU-Binnenmarkt werde auch neue Arbeitsplätze schaffen. Derzeit müssten wegen der 28 verschiedenen Märkte in der EU noch Start-Up-Firmen wie Spotify in die USA auswandern, um groß zu werden: „Wenn wir den digitalen Binnenmarkt haben, dann können die besten Gehirne und Firmen in Europa bleiben.“ Und könnten US-Digitalriesen wie Facebook, Google oder Amazon künftig kräftig Konkurrenz machen. Kurz nach diesen abschließenden Worten verabschiedete sich Digital-Pionier Ansip vom Bürgerdialog – und sammelte Schritte für sein Handy.

Lars Becker (Quelle: Lars Becker)
Ein Beitrag von Lars Becker, Autor
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