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 Ex-Olympiasiegering setzt sich für Kinder ein
Snowboard | 01.02.2016

Teil zwei des Interviews mit der Ex-Olympiasiegerin

Nicola Thost: „Alle motivieren sich gegenseitig und lernen voneinander"

Ex-Olympiasiegering setzt sich für Kinder ein. Ein Gruppenbild von Thosts Aktion "Sprungbrett". (Quelle: Marco Freudenreich)
So bunt sieht die Initiative "Sprungbrett" aus.
Bild: Marco Freudenreich
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Nicola Thost war die erste Frau die in der Halfpipe Olympisches Snowboardgold holte. Das war im Jahr 1998. Doch ihre Karriere war auch von Verletzungen geprägt. Als sie sich im Jahr 2003 zum dritten Mal das Kreuzband riss, beendet Nicola Thost ihre Profikarriere.

Im zweiten Teil des Interviews mit ISPO.com spricht Thost, Gast auf der ISPO Munich 2016, über ihr soziales Engagement für Kinder und Jugendliche, die sie zum Snowboarden bringen möchte:

Frau Thost, im ersten Teil des Interviews sprachen wir über Ihre sportliche Zukunft, lassen Sie uns heute einmal zurückblicken: Mit dem Projekt „Sprungbrett“ engagieren Sie sich seit sechs Jahren aktiv für den Snowboard-Nachwuchs. Was war der Auslöser für diese Initiative?

Nach meinem Sport-Marketing-Studium habe ich gemeinsam mit Burton und Red Bull erfolgreiche Camps und Events im Rahmen spezieller Marketing-Aktivitäten auf die Beine gestellt. Im Jahr 2010 hatte ich ein sehr prägendes privates Erlebnis, das für mich plötzlich alles in Frage gestellt hat. Ich wollte nicht länger für schnelllebige Marketing-Strategien arbeiten. Aus dem Bedürfnis nach sozialem Engagement, Nachhaltigkeit und natürlichem Wachstum einer Vision wurde „Sprungbrett“ zum Leben erweckt.

Kind fährt mit Snowboard über eine Halfpipe (Quelle: Sandra Briklbauer)
So sieht es aus, wenn Nicola Thosts Initiative "Sprungbrett" in vollem Gange ist.
Bild: Sandra Briklbauer

Was steht für Sie bei diesem Projekt im Fokus?

Das schöne ist, „Sprungbrett“ durfte sich über die Jahre genau so entwickeln, wie es auch meine Zielgruppe, die Kinder, der Snowboard-Nachwuchs, getan hat.

Waren anfangs die meisten Kids zwischen 10-15 Jahren und besonders begeistert, Snowboard-Profis zu fahren, so sind heuer 90% der Kids jünger als zehn Jahre und freuen sich vor allem auf das gemeinsame Snowboarden mit Gleichaltrigen.

Sprungbrett ist aber für alle, die auf dem Sprung sind, ihre Träume zu verwirklichen! Hier kommen Snowboarder von 5-55 Jahren zusammen und jeder macht das, was ihm am meisten Freude bereitet. Alle motivieren sich gegenseitig und lernen voneinander. So eine Atmosphäre kann man sich auch mit dem größten Marketing-Budget nicht kaufen.


Inwiefern bekommen Sie für Sprungbrett auch Unterstützung aus der Wintersport-Industrie?

Der Hauptsupport kommt von den Bergbahnen und Tourismusorten, in denen unsere Stopps stattfinden, und von meinen freiwilligen Helfern. Nitro Snowboards als mein Hauptsponsor trägt dazu bei, dass ich mir die ganze Organisationsarbeit leisten kann. Zudem arbeite ich eng mit dem SVD (Snowboard Verband Deutschland) zusammen. Die finanziellen Mittel sind überall sehr begrenzt, aber alle, die Sprungbrett unterstützen, tun dies im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Ohne viel Herzblut und Passion gäbe es Sprungbrett nicht.

In welchen Bereichen würden Sie sich mehr Unterstützung für das Projekt wünschen?

Sprungbrett arbeitet an der Basis. Nachwuchsarbeit ist eigentlich Aufgabe der Vereine und Verbände. Hier stehen Gelder aber in direktem Zusammenhang mit Platzierungen. Wenn wir Snowboarden auch weiterhin nicht nur über Ergebnisse definieren wollen, muss man umdenken und realisieren, dass der Nachwuchs die Zukunft des Sports ist und man sich nicht nur an bereits erfolgreiche Athleten dranhängen kann. Das wäre ein guter Anfang.

Was müsste sich generell ändern, damit wieder mehr Kinder Wintersport betreiben und mit dem Snowboarden beginnen?

Die Frage ist vielmehr: Warum beginnen Kinder einen Sport an sich? Die Eltern spielen hier eine tragende Rolle. Je mehr Möglichkeiten wir den Kindern bieten, sich auszuprobieren und Bewegung mit Freude zu erleben, umso eher bleiben sie auch dabei. Also: auf in die Berge, gemeinsam mit den Kindern und so vielleicht auch die eigene Begeisterung für den Wintersport wiederentdecken.

Snowboarderin Nicola Thost steht mit Snowboard in den Bergen (Quelle: Sandra Birklbauer)
Gewann als erste Frau Olympia-Gold in der Halfpipe: Nicola Thost.
Bild: Sandra Birklbauer

Sie sind auch Botschafterin der Initiative „Dein Winter. Dein Sport.“ Inwiefern hilft Ihnen das, auch mehr Aufmerksamkeit für das eigene Nachwuchsprojekt zu bekommen?

„Dein Winter. Dein Sport.“ ist eine tolle Initiative die selbst noch in den Anfängen ist. Der Grundstein ist gelegt – das Wintersport-Forum im November am Tegernsee hat großartige Persönlichkeiten und wichtige Player im Wintersport zusammengebracht. Wintersportindustrie, Bergbahnen, Tourismus, Events, Medien – letztendlich sitzen wir alle in einem Boot. Interdisziplinäre Kooperationen haben soviel mehr Zukunft als das ewige Jammern über zu wenig Budget oder die Angst, dass einem jemand einen Teil vom Kuchen wegnehmen könnte. Wenn diesen Erkenntnissen Taten folgen, sind wir schon einen großen Schritt weiter.

Ab dem 2. Februar können wir Sie bei VOX in der Serie „Ewige Helden“ im Fernsehen sehen. Wie kam es zu der Zusammenarbeit und was dürfen wir als Fernsehzuschauer von der Serie erwarten?

Das Format läuft bereits in anderen Ländern seit Jahren sehr erfolgreich und ist nun auch zum ersten Mal in Deutschland auf Sendung.

Zehn hochkarätige Ex-Profisportler treten in verschiedenen Sport-Challenges gegeneinander an. Das ganze wurde in Andalusien gedreht und war ein echter Knochenjob. Täglich zwei bis drei Wettkämpfe in Disziplinen, die man so direkt nie vorher üben konnte und einen in verschiedene Kriterien wie Ausdauer, Konzentration, Strategie und Kraft fordern. Neben den Wettkämpfen wurde auch viel hinter den Kulissen und über die Karrieren und Geschichten der einzelnen Sportler gedreht.

Ich bin so vielseitig sportbegeistert und liebe neue Herausausforderungen. Als ich die Liste der anderen Sportler gesehen habe, war für mich sofort klar, dass dies für mich ein passendes Fernsehformat ist. Alle, die gern mitfiebern, wie sich Sportler in Extremsituationen schlagen und Hochs & Tiefs durchleben wird „Ewige Helden“ am Dienstagabend um 20:15 Uhr ein super Abendprogramm.

Mit der bunt gemischten Gruppe aus Ex-Profisportlern wie zum Beispiel Faris Al-Sultan, Heike Drechsler, Thomas Häßler und Britta Steffen waren die Dreharbeiten sicher unterhaltsam. Können Sie ein paar Anekdoten preisgeben?

Die Teilnehmer-Liste liest sich wie das „Who is Who“ der Weltmeister und Olympiasieger meiner Generation, die ihre Wettkämpfe sogar teilweise gegenseitig vor dem Fernseher miterlebt haben. Für mich war spannend zu hören, wie sich bei allen die Karriere maßgeblich um Rekorde, Siege, Zeiten, Weiten gedreht hat. Das war das einzig erklärte Ziel. Das prägt und spiegelt sich auch in den verschiedenen Persönlichkeiten wider. Insofern wird es sicher spannend zu sehen, wie eine professionelle „Fun-Sportlerin“ gegen die klassischen Vereinssportler unserer Zeit um den Titel des „Ewigen Helden“ kämpft.


Was steht sonst in 2016 neben der Freeride World Tour und Sprungbrett bei Ihnen auf dem Programm?

2016 wird ein intensives Jahr mit verschiedenen Projekten und vielen Facetten: Freeride World Tour, Ewige Helden, Sprungbrett – das alles in nur wenigen Monaten. Also für mich ist das mehr als genug Programm. Danach bin ich sicher urlaubsreif.


Steckbrief Nicola Thost
Alter: 38
Größte Erfolge:
1995 & 1996 – 1. Platz Junior World Championships
1998 – 1. Platz Olympische Winterspiele Nagano
1998 & 1999 – 1. Platz ISF Worldranking
2002 – 1. Platz World Snowboarding Championships Vail
2015 – 1. Platz Freeride World Tour Verbier
Nicola Thost auf Facebook: https://www.facebook.com/thostnicola/
Nicola Thost auf Twitter: https://twitter.com/NicolaThost
Sprungbrett Talentförderung: https://www.facebook.com/sprungbrett/

Andi Spies (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von Andi Spies, Autor
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