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 Manuel Machata: Ab durch die Mitte
Wintersport | 22.02.2016

Bob-Nationaltrainer in China

Manuel Machata: Ab durch die Mitte

Manuel Machata: Ab durch die Mitte. Neuer Bob-Nationaltrainer in China Manuel Machata (Quelle: imago/Ed Gar)
Manuel Machata: „Sehr große Herausforderung“
Bild: imago/Ed Gar
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„Der Rebell des deutschen Bobsports“ steht vor einer großen Herausforderung in einem großen Land. Manuel Machata ist seit Kurzem Bob-Nationaltrainer der Volksrepublik China. Seine Aufgabe: ein Team aufbauen und 2022 bei den Olympischen Winterspielen in Peking eine Medaille holen.

2011 war das große Jahr des Manuel Machata: Er gewann auf Anhieb alles, was es zu gewinnen gab. Im Vierer-Bob wurde er Welt- und Europameister, er holte zudem den Gesamt-Weltcup. Kein Bob-Pilot vor ihm hatte so einen rasanten Aufstieg.

WM-Sieger 2011 im Vierer-Bob: Richard Adjei, Manuel Machata, Andreas Bredau und Christian Poser (Quelle: imago/GEPA Pictures)
WM-Sieger 2011 im Vierer-Bob: Richard Adjei, Manuel Machata, Andreas Bredau und Christian Poser
Bild: imago/GEPA Pictures

2014 war das schlimme Jahr: Weil er einen privaten Kufensatz an den späteren Doppel-Olympiasieger Alexander Subkow aus Russland verlieh, wurde er des Landesverrats bezichtigt. Eine einjährige Wettkampfsperre und eine Geldstrafe in Höhe von 5.000 Euro durch den Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD) folgten. „Diese relativ harte Strafe gegen Manuel Machata soll ein erster Schritt sein, um nationale Interessen zu wahren“, sagte der BSD-Präsident Andreas Trautvetter damals.

Neuer Job in China

Machata legte Einspruch ein und gewann. Sportlich ist er in Deutschland wieder rehabilitiert. Sogar eine Zusammenarbeit im Trainings- oder Marketingbereich stand im Raum, nachdem Machata im Oktober 2015 seine Karriere als Aktiver beendet hatte. Nun geht es für den 31-Jährigen aber erst mal ganz weit weg. Machata soll als Nationaltrainer den Bob-Sport im Reich der Mitte aufbauen.


„Lieber Risiko und Abenteuer“

Für den 31-Jährigen begann das neue Abenteuer denkbar unspektakulär. Der chinesische Bob-Verband schickte ihm eine E-Mail mit der Frage, ob er sich den Job vorstellen können. Nach Vorgesprächen flog er rüber, um den Vertrag zu unterzeichnen. Machata hatte da noch zwei Semester in seinem Automobilwirtschafts-Studium vor sich. Aber diese „sehr große Herausforderung“ reizte ihn zu sehr. „Man kann die sichere Variante wählen oder Risiko und Abenteuer“, so Machata, „und Letzteres ist mir lieber“. Das Studium will er zu einem späteren Zeitpunkt abschließen.

Beim zweiten Besuch in China fing die Arbeit schon an. Der Bobsport steckt in China noch nicht mal in den Kinderschuhen: Keine Bobs, keine Bahnen, keine Athleten. Machata fängt bei Null an und ist sowohl für die Männer- als auch die Frauenmannschaft verantwortlich. Und so ist seine Antwort auf viele Fragen, dass man noch „Strukturen aufbauen und dann mal schauen“ müsse. Mit Kandidaten für das Trainerteam habe er erste Gespräche geführt, spruchreif sei aber noch nichts.

Manuel Machata mit Reishut (Quelle: Hanspeter Gaukler)
Beim Pressegespräch bekam Machata den passenden Hut für seine Aufgabe
Bild: Hanspeter Gaukler

Machata will den Sport in China durch Fernsehbegleitung populärer machen. Zudem ist er auf der Suche nach Sponsoren. Als Aktiver bewies er, wie man beides miteinander verbindet: Sein Bob zierte ein breites Playboy-Logo, zu der erfolgreichen Europameisterschaft kam dafür auch die passend angezogene weibliche Begleitung – was dem Verband laut Aussage von Machatas Manager Axel Watter nicht gefallen hat. Auch deswegen sei Machata „der Rebell des deutschen Bobsports“, so Watter.

Testläufe in Nordamerika

Ein erstes Casting hat es in Peking schon gegeben. 150 Athleten kamen, hauptsächlich Sportler aus der Leichtathletik. „Im Bobsport sind wir ja alle Quereinsteiger, weil es kein Jugend- und Kindersport ist“. So schaut er in China bei anderen Sportarten, um potentielle Bobpiloten zu finden. Schnell müssen sie sein, aber auch eine gewisse Masse mitbringen. „Wer bei Leichtathletik merkt, er wird zu schwer, der hat die Möglichkeit, es im Bob zu versuchen“, erklärt Machata. Das Potential sei in China auf jeden Fall da.


Seit Anfang Februar ist Machata mit Gruppen von jeweils 25 Athleten in Nordamerika unterwegs. Dort sollen die Sportler dann das erste Mal im Bob einen Eiskanal hinunter jagen, 2017 dann zu den ersten Rennen antreten. Im darauffolgenden Jahr will man bei den Olympischen Winterspielen im südkoreanischen Pyeongchang an den Start gehen, „auch wenn wir da natürlich nichts gewinnen werden“, sagt Machata.

Das große Ziel ist aber 2022. Da soll bei den Spielen in Peking eine Medaille her. Für Machata wäre es – trotz der großen Erfolge als Aktiver – die erste Olympia-Teilnahme. Seinen privaten Kufensatz will er aber erstmal im Schrank lassen.

Jasper Ruppert (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von Jasper Ruppert, Autor
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