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 Wir müssen Outdoor zugänglicher für Konsumenten machen
Outdoor | 22.01.2016

Outdoor: EOG-Präsident John Jansen im Interview

EOG-Präsident Jansen: „Wenn der Kunde zufrieden ist, profitieren wir alle“

Wir müssen Outdoor zugänglicher für Konsumenten machen. John Jansen (Quelle: Jan Frommel)
John Jansen Präsident der European Outdoor Group (EOG) und Managing Director von KEEN Outdoor EMEA
Bild: Jan Frommel
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Seit Juli 2015 ist John Jansen Präsident der European Outdoor Group (EOG), dem Zusammenschluss der führenden Outdoor-Hersteller und Händler. Kurz vor der ISPO MUNICH spricht der frühere Weltklasse-Wasserballer und Managing Director von KEEN Outdoor EMEA über die Herausforderungen, denen sich die Outdoor-Branche in den nächsten Jahren gegenübersieht, wie die Branche ihnen begegnen muss – und wie er selbst den Outdoor-Sport lebt.

Herr Jansen, seit wenigen Monaten sind Sie Präsident der European Outdoor Group (EOG). Was sind Ihre kurz- und langfristigen Ziele im Verband?
John Jansen: Als Verband, der die gesamte Outdoor-Industrie, also Hersteller und Fachhandel, repräsentiert, haben wir natürlich sehr viele Prioritäten. Besonders hoch sehen wir aber das Thema Nachhaltigkeit an. Wir müssen als Branchenverband die ökologischen Standards definieren, nach denen unsere Partner leben sollten und diese mit Initiativen und Seminaren vermitteln.

„Es gibt keinen anderen Sport außer Outdoor, der alle Konsumentengruppen anspricht“

Welche Aufgaben haben Sie als EOG-Präsident als besonders wichtig identifiziert?
Neben der Nachhaltigkeit haben wir die Aufgabe, Outdoor zugänglicher für die Konsumenten zu machen. Unsere bisherige Kundengruppe wird älter, während die Jüngeren heute viel mehr Optionen haben. Heute heißt es: Zeit vor dem Bildschirm gegen Zeit outdoor. Das ist ein Fakt, das können wir nicht ändern.

Aber es gibt auch keinen anderen Sport außer Outdoor, der alle Konsumentengruppen anspricht. Junge, Alte, Paare, Familien, Gruppen – alle können eine tolle Zeit Outdoor verbringen.

Wir müssen uns also fragen, wie wir die Menschen für das Outdoor-Erlebnis begeistern. Das kann durch Innovationen sein oder einfach dadurch, dass wir zeigen, welche Möglichkeiten Outdoor bietet. Wir müssen darüber nachdenken, was Outdoor wirklich bedeutet.

„Der Kunde wird unser Verständnis von Outdoor neu definieren“

Was bedeutet Outdoor für Sie?
Ich bin Holländer. Also bedeutet Outdoor für mich schon, draußen zu laufen, einmal im Jahr Ski zu fahren – und ganz viel Fahrrad fahren. Was wir aber als Industrie verstehen müssen, ist, dass der Kunde unser Verständnis von Outdoor neu definieren wird. Wir müssen das verstehen und entsprechend handeln. Nur dann werden wir als Outdoor-Branche eine Zukunft haben.

John Jansen (rechts) mit Markus Hefter (Mitte) und Tobias Gröber (links) (Quelle: Jan Frommel)
Markus Hefter (Mitte) im Gespräch mit Tobias Gröber, Director ISPO Group (links) und John Jansen, Präsident der European Outdoor Group (rechts).
Bild: Jan Frommel

Wie Sie ja bereits sagten, wird die Zukunft der Outdoor-Branche und ihre Akzeptanz beim Kunden sehr stark von ihrer Nachhaltigkeit abhängen. Was ist also wichtig, um hier zukunftsfähig zu bleiben?
Zuallererst sind hier die Marken gefordert. Jeder Hersteller hat einen Produktentwicklungsprozess. Hier müssen wir sicherstellen, dass nicht nur der Prozess, sondern auch die verwendeten Materialien nachhaltig sind. Der Druck das zu tun, ist von Kundenseite sehr stark – und das ist gut so.

„Nachhaltigkeit ist eine Mission“

Wir als Outdoor-Branche profitieren von einer wunderschönen Natur, also sollten wir beim Thema Nachhaltigkeit ganz klar die Führung übernehmen. Allerdings ist das Thema nicht in ein oder zwei Jahren erledigt. Das Thema Nachhaltigkeit ist eine lang andauernde Mission für uns.

Welche persönliche Rolle übernehmen Sie bei dieser Mission in Ihrer Rolle als Managing Director von KEEN EMEA und als EOG-Präsident?
Nun, ich gehöre zur Führung einer Firma, die ihre ökologischen Standards in den letzten Jahren Zug um Zug erhöht hat. Und das kommunizieren wir bei KEEN auch viel offener, als wir es in den vergangenen Jahren getan haben. Wir wissen, dass wir deutlich transparenter sein müssen, als früher.

„Die European Outdoor Group definiert wichtige Standards“

Bei der European Outdoor Group definieren wir wichtige Standards und setzen Standards um, die außerhalb der Outdoor-Branche entwickelt wurden. Viele unserer Mitglieder sind keine Riesenunternehmen, sondern eher klein. Deshalb ist es so wichtig, sie bei der Implementierung der Standards zu unterstützen.

Sie selbst führen ja auch den europäischen Arm eines Outdoor-Unternehmens. Wie unterscheidet sich diese Rolle von Ihrer Rolle als EOG-Präsident?
KEEN ist mein Job, hier verdiene ich mein Geld. Die EOG ist der Platz, in dem wir als Industrie gemeinsam handeln und in dem ich auch sehr viele Kontakte auf politischer Ebene pflegen muss.

„Wir bringen alle Marktteilnehmer zusammen“

Die EOG repräsentiert ja eine ganze Reihe von Marken und Händlern, die ja Wettbewerber auf dem Markt sind. Dort müssen wir alle Marktteilnehmer zusammenbringen und ein gemeinsames Verständnis für einen Fakt schaffen: Wenn der Kunde zufrieden ist, profitieren wir alle davon.

John Jansen und Klaus Dittrich (li.), (Quelle: Jan Frommel)
EOG-Präsident John Jansen und Klaus Dittrich (li.), Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe München,
Bild: Jan Frommel

Was Sie bisher gesagt haben, hört sich so an, als hätten Sie jeden Tag einen vollen Terminkalender. Haben Sie eigentlich selbst noch Zeit, um sie Outdoor zu verbringen?
Nicht genug. Ich war früher sehr aktiv und muss das dringend wieder sein. Mein nächster Outdoor-Trip besteht aus einer Woche Skifahren in Frankreich mit der Familie. Aber dafür brauchen wir noch ein bisschen mehr Schnee.

Sie waren ja als Wasserballer sehr erfolgreich, haben auch an den olympischen Spielen teilgenommen. Spielen Sie eigentlich noch?
Ja, ich spiele immer noch ab und zu mit Freunden, die in Nationalmannschaften und bei den olympischen Spielen gespielt haben. Wir werden alle älter, aber der Sport bleibt Teil meines Lebens.

Ein Beitrag von Karsten Lohmeyer, Chief Content Officer
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