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 Vom Fort Knox zur Megashow
ISPO | 09.12.2015

Seit 1970 auf der ISPO: Fans der ersten Stunde

Vom Fort Knox zur Megashow

Vom Fort Knox zur Megashow. Innenminister Genscher mit Werner Marzin an einem Messestand. (Quelle: ISPO)
Messechef Werner Marzin mit Bundesinnenminister Genscher bei einem Messerundgang im Jahr 1972.
Bild: ISPO
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Seit über 40 Jahren haben der Finne Antti-Jussi Tiitola und die Briten Helen und Peter Webb keine ISPO versäumt. Sie erzählen von der Zeit, in der manche Stände noch ein Hochsicherheitstrakt waren und wie sich die Messe in all den Jahren zu einer Megashow weiterentwickelt hat.

Zur ersten ISPO im Jahr 1970 kamen 816 Aussteller aus 25 Ländern, die ihre Produkte auf 45.000 Quadratmetern präsentierten. Inzwischen haben sich die Dimensionen erheblich verändert: Heute reisen jedes Jahr knapp 2.000 Aussteller nach München, die Fläche wurde auf 185.000 Quadratmeter vergrößert. Und die ISPO hat viele treue Fans wie den Finnen Antti-Jussi Tiitola und Helen und Peter Webb aus Großbritannien, die bisher jedes Jahr dabei waren. „Seit ihren Anfängen ist die ISPO die beste und wichtigste Sportartikelmesse der Welt. Wer im internationalen Business mitspielen will, muss die Show besuchen“, meint Antti-Jussi Tiitola.


Vom Kunden zum Profi

Das dürfte auch Peter und Helen Webb interessieren, Inhaber eines Skifachgeschäfts in Kingston, London. Peter Webb entdeckte 1969 bei einem Urlaub im österreichischen Seefeld seine Liebe zum Skilaufen. Nachdem er seinen ersten eigenen Ski von Hagan gekauft hatte, wollte er wissen, wie Ski produziert werden: „Ich schrieb einen Brief an die Firma, und sie luden mich auf die Messe nach München ein“, erzählt Webb. „Ich meine, dass damals gerade Fasching gefeiert wurde. Als ich am Hauptbahnhof ein paar als Clowns verkleidete Leute sah, die eine Holzente auf Rädern hinter sich herzogen, dachte ich: Wenn München so ist, bleibe ich ein paar Nächte.“ Am Messeeingang herrschte totales Chaos, die Kontrollen dauerten eine geschlagene Stunde: „Die Sicherheitskräfte nahmen alles unter die Lupe: Pass, Ticket, Gepäck. Außerdem wollten sie genau wissen, was man auf der Show zu suchen hatte.“

Fotoshow der ISPO-Historie


Endlich in der Ausstellung angekommen, war Webb überwältigt von der Fülle an Farben. „In England waren Skijacken seinerzeit entweder aus blauem oder rot schimmerndem Nylon. Das war’s.“ Webb schlenderte über die Messe, bestaunte die Auswahl und wurde mehrmals von Ausstellern angesprochen, ob er deren Skijacken nicht in England verkaufen wollte. „Nachdem ich die Preise überschlagen hatte, dachte ich, das könnte funktionieren. Ich lief herum und stellte spontan mein erstes Sortiment anhand der Firmen zusammen, die ich aufgrund meiner eigenen Ausrüstung kannte. Am Ende des Tages stand das Portfolio für die Ski-Ing Imports (GB) Limited. Zugegeben, es war nicht besonders pfiffig, im April Skiprodukte verkaufen zu wollen, aber dank meines geregelten Einkommens klappte das ganz gut.“ Hauptberuflich arbeitete Webb nämlich zunächst weiter bei IBM, bis er 1975 den Job an den Nagel hängte und mit seiner Frau Helen die Europa Ski Lodge eröffnete.

Beginn mit mittelständischen Unternehmen

Zu Beginn waren auf der Messe hauptsächlich kleine und mittlere Unternehmen vertreten, erinnert sich Antti-Jussi Tiitola, man kannte sich. „Die Stände waren nicht besonders groß, die Show wirkte im Vergleich zu heute beinah improvisiert“, pflichtet Webb ihm bei. Viele Unternehmen hätten auf Terminabsprachen bestanden, und mancher Stand sei so schwer zugänglich gewesen wie „Fort Knox. Überall standen Schilder, dass man nichts fotografieren oder abzeichnen durfte, aus Angst, Designs würden kopiert.“ Messesonntage waren dem Briten damals ein Dorn im Auge. „Es war hoffnungslos überfüllt. Absolut jeder bayerische Ladenbesitzer pilgerte auf die Messe und hatte seine Familie und seine Freunde mitgebracht – inklusive diverser Hunde und Kinderwagen.“

Heute seien die großen Firmen manchmal überrepräsentiert, kritisiert Antti-Jussi Tiitola, aber es gebe immer noch kleine Firmen mit interessanten Innovationen zu entdecken. Der Finne besucht in München am liebsten die Ski- und Outdoor-Hallen. Auf die Frage, wo es die größten Veränderungen beim Skiequipment gegeben habe, antwortet er: „Bei den Materialien. Parallel dazu sind eine Reihe von neuen Wintersportarten wie Snowboarden oder Schneeschuhwandern entstanden.“ Für ihn persönlich gab es in all den vergangenen ISPO-Jahren zwei Höhepunkte: „1984, als wir die neuen Karhu Matrix Racing Ski eingeführt haben, mit denen zuvor in Sarajevo vier Goldmedaillen geholt wurden, und 2011, als unsere Firma mit den Nordic Skates bei ISPO BRANDNEW gewonnen hat.“


Immer im selben Hotel

Antti-Jussi Tiitola und Peter und Helen Webb sind nicht nur seit über 40 Jahren ISPO-Fans, sie haben auch beinah all die Jahre in denselben Münchner Hotels gewohnt: Antti-Jussi Tiitola im Hotel Penta, die Webbs im Hotel Stachus.

Zitat1: „Seit ihren Anfängen ist die ISPO die beste und wichtigste Sportartikelmesse der Welt. Wer im internationalen Business mitspielen will, muss die Show besuchen“
Antti-Jussi Tiitola

Zitat2: „Die Stände waren nichts besonders groß, die Show wirkte im Vergleich zu heute beinah improvisiert“
Peter Webb


ISPO (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von ISPO.com, Redaktion
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