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 „Man springt quasi in eine Wand“
Wintersport | 28.11.2015

Action Sports: Andi Röck baut Snowparks

„Man springt quasi in eine Wand“

„Man springt quasi in eine Wand“. Ein Snowboarder in einem Snowpark.  (Quelle: Thinkstock über The Digitale)
Um so gekonnt über Hindernisse zu "grinden", braucht es viel Übung.
Bild: Thinkstock über The Digitale
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Andi Röck ist Pistendesigner und verwandelt Baustellen aus Schnee in perfekte Parks für Rider. Im Interview verrät er, wie man den perfekten Snowpark baut.

Er weiß, worauf die Szene abfährt. Als einer der erfahrensten Parkdesigner Europas plant, baut und pflegt Andi Röck Snowparks. Seit zehn Jahren sind Baustellen aus Schnee seine Leidenschaft. Virtuos und mit Feingefühl steuert Andy seinen massigen, 450 PS starken und zehn Tonnen schweren Bully über die Pisten.

Was gefällt Ihnen an Ihrem Job?
Das ist schnell beantwortet: Ich kann meine kreative Ader ausleben, ohne den Bezug zur praktischen Arbeit zu verlieren.

Wie plant man einen Snowpark? Ist das schwierig?
Die Herausforderung besteht darin, ein geeignetes Gelände in einem Skigebiet zu finden. Das Areal muss das richtige Gefälle haben, damit die Fahrer genug Schwung aufbauen können, aber es darf auch nicht zu steil sein. Die Sonneneinstrahlung muss ebenfalls stimmen. Sind alle Bedingungen richtig, schießen wir Fotos von dem Gebiet, erstellen im Büro mit einer Software eine 3-D-Grafik und planen die Sprünge ein. So bekommen wir eine bildliche Vorstellung von dem Park, den wir später aus Schnee formen und anlegen.


Muss man dabei Kompromisse machen?
Klar. Manchmal müssen wir die Pläne ändern, um einen Park hinzukriegen. Dazu kann man natürlich, wie es bei manchen Skigebieten heute üblich ist, das Gelände optimieren: Man lässt es umgraben, schaufelt die Erde von A nach B. So kommt man mit weniger Kunstschnee aus, weil man ein bestehendes Areal nach seinen Bedürfnissen formt und so besser für seine Pläne nutzen kann.

Wie lange dauert die Umsetzung eines Projekt?
Meist machen wir die erste Ortsbegehung im Winter, wenn das Skigebiet offen ist. Im Sommer schauen wir alles noch mal an und erstellen die Pläne. Wenn es gut klappt, kann im Winter darauf der Park öffnen.

Und wenn das Wetter dazwischenfunkt und ein Schneesturm die Röhre dauernd wieder zuweht?
Dann hat man Pech und die Arbeit beginnt von vorn. Manchmal arbeitet die Natur halt gegen einen. Es kann auch passieren, dass wir am Anfang des Winters verzweifelt auf Schnee warten und nichts passiert. Dann müssen wir unsere Vorstellungen korrigieren und eventuell die Dimensionen der Hügel verkleinern, damit weniger Schnee verbaut werden muss. Oder wir öffnen zunächst nur Parkbereiche, und sobald wir Schnee haben, bessern wir nach und bauen die Anlage weiter aus.

Testen Sie Ihre Arbeit selbst?
Aber sicher. Ich fahre seit 20 Jahren begeistert Snowboard. Die meisten Shaper bei QParks sind gute Snowboarder oder fanatische Skifahrer.

Worauf fährt die Szene ab?
Das ändert sich laufend. Zurzeit sind Kombinationen aus Rails und Wallrides extrem gefragt: Man springt quasi in eine Wand oder Schräge und fährt hoch und wieder runter – wie beim Skaten.


Wie sieht ein durchdachter Park aus?
Er sollte für Leute, die einfach nur Spaß auf der Piste haben wollen, attraktiv sein. Die Masse der Fahrer gehört nicht zu den Profis. Wir wollen Kinder und Anfänger für den Freestyle-Sport begeistern und Nachwuchs für die Skigebiete gewinnen. Ein Park sollte klassische Sachen wie kleine Beginnersprünge, einfache Boxen und Chips bieten. Für die zweite große Gruppe, die mittelguten Fahrern, sind ein paar größere Sprünge, Boxen und einfachere Rails interessant, für die sehr kleine Gruppe der Profi-Rider verspielte Rails.

Was ist noch wichtig?
Der Flow in den Lines muss stimmen: Die Rider sollten nicht zu viel beschleunigen oder bremsen müssen, das Durchfahren muss angenehm sein. Außerdem wichtig: eine gute Atmosphäre. Und ein Park sollte vielleicht Highlights bieten wie ein, zwei spektakuläre Obstacles.

ISie legen die Parks nicht nur an, sie halten Sie auch in Schuss.
Sobald die Rider in der Saison um 16, 17 Uhr weg sind, geht meine Arbeit los. Mit dem Pistenbully schütte ich zum Beispiel die aufgefahrenen Löcher wieder zu. Wo wir mit den Geräten nicht hinkommen, arbeiten wir mit Händen und Schaufeln. Das Reshape dauert meist ein paar Stunden. Und sollte es über Nacht schneien, bin ich in der Früh um vier schon wieder im Einsatz.


ISPO (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von ISPO.com, Redaktion
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