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 Das sind die Fitness-Trends in China
China | 12.09.2017

Yoga, Pilates und kleine Fitnessstudios boomen

Die neuen Fitness-Trends in China: Crossfit und HIIT

Das sind die Fitness-Trends in China. Fitnesstraining an sich wird in China immer beliebter – jetzt beginnen die Menschen, Trends zu entdecken. (Quelle: iStock)
Fitnesstraining an sich wird in China immer beliebter – jetzt beginnen die Menschen, Trends zu entdecken.
Bild: iStock
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Fitness-Training galt in China lange als verpönt, doch durch westliche Einflüsse und Regierungsinitiativen entdeckt das Riesenreich den Sport für sich. Trendsportarten wie Crossfit boomen und kleine Boutique-Fitnessstudios machen den großen Ketten Konkurrenz.

Wenn in China Pläne geschmiedet werden, dann gilt prinzipiell das Motto „Klotzen statt kleckern!“. Defensiv gesteckte Ziele oder vorsichtige Prognosen sind nichts für China. Das zeigt sich nicht nur in den ambitionierten Wirtschaftsplänen, sondern auch dann, wenn es darum geht, das chinesische Volk zum Sport zu bringen.

Die Fitness-Branche will in China 405 Milliarden umsetzen

Bis 2025 sollen 500 Millionen Chinesen ihre Freizeit aktiv mit Sport gestalten, was angesichts der Wachstumszahlen in der Sportartikelbranche – 2017 sollen rund 405 Milliarden Euro umgesetzt werden – nicht zu hochgegriffen erscheint. Chinas neue und stetig wachsende Mittelschicht hat mehr Geld und Freizeit und investiert beides in Sport.


Nach traditionell chinesischen Sportarten wie zum Beispiel Tai-Chi entdeckte China das Laufen für sich, auch Outdoor-Sportarten wie Hiking liegen derzeit hoch im Trend. Mit Fitness-Studios konnten die Chinesen lange Zeit eher weniger etwas anfangen, dicke Muskeln galten als unschicklich und waren Profisportlern und Olympioniken vorbehalten.

„Kommerzielle Fitness-Studios gibt es erst seit 1995, die gesamte Industrie ist also gerade mal etwas mehr als 20 Jahre alt“, so Lou Zhang, Gründer von FPM-China, das sich auf die Ausbildung von Managern für Fitness-Studios spezialisiert hat. Zhang führte während der ISPO SHANGHAI 2017 als Moderator des ISPO China Fitness Industry Forums durch das Programm und blickt auf über 25 Jahre Trainer-Erfahrung zurück.

Fitnessstudios: Es wird zu viel kopiert

„Aktuell trainieren circa fünf Prozent der Bevölkerung in Tier 1 und Tier 2 Städten in Fitness-Studios, im Rest des Landes ist es maximal ein Prozent“, so Zhang: „In ganz China gibt es rund 26.000 Studios, wobei lediglich 10-15 % der Mitglieder vier bis fünf Tage die Woche trainieren gehen.“

Die recht niedrigen Prozentzahlen und Studiobesuche sieht Zhang vor allem im mangelnden Vertrauen der Kunden gegenüber der Studiobetreiber verortet. „Es geht ums schnelle Geld, es wird viel kopiert und 80 Prozent der Investments scheitern. Das ist sehr schlecht für die Reputation der Fitness Branche“, so Zhang, der mit seiner Manager-Ausbildung gegen diesen Mangel ankämpft.

Das geringe Vertrauen in große Ketten führt auch dazu, dass sich „seit 2010 das Angebot der Fitness-Studios stark verändert. Der Trend geht zusehends in Richtung kleiner, gut ausgestatteter Boutique-Fitness-Studios mit extra Kursen für Yoga, Crossfit und Pilates.“

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Crossfit und HIIT werden immer beliebter

Gerade Crossfit hat für die Chinesen eine hohe Anziehungskraft. Auch auf der ISPO SHANGHAI gab es zum zweiten Mal in Folge eine eigene Event-Bühne, auf der Messebesucher ihre Fitness bei verschiedenen HIIT (Hochintensives Intervalltraining) Workouts testen konnten. Cheng Gong, Crossfit-Studio Betreiber aus Shenyang, leitete mit seinem Trainer-Team 2016 und 2017 die über die drei Messetage dauernde Veranstaltung und erklärte ISPO.com, warum Crossfit in China sehr schnell aus seinen Kinderschuhen herauswachsen wird.


„Social Media ist die treibende Kraft, da gerade der Jugend ein Blick über die Grenzen Chinas ermöglicht wird“, so Cheng, der seit eineinhalb Jahren seine eigene Crossfit-Box mit rund 120 Mitgliedern betreibt: „Dies spiegelt sich auch in vielen anderen Bereichen wie Mode, Musik und Essen wider. Die junge Generation will neue Dinge erleben und ausprobieren. Sie wissen manchmal nicht so genau, was sie erwartet, aber sie verstehen, dass es cool ist und wollen es zumindest probiert haben.“

Hinzu kommt in den Metropolen wie Beijing und Shanghai natürlich die kulturelle Vielfalt durch Expatriates, die in China arbeiten, oder Chinesen, die zum Studium oder Ausbildung im Ausland waren. Mit insgesamt 120 reinen Crossfit-Boxen, ist in China selbstverständlich noch extrem viel Potenzial nach oben vorhanden, aber Gong ist sich sicher, dass Crossfit einen entscheidenden Vorteil gegenüber herkömmlichen Fitness-Studios hat.

Der Auftakt der ISPO SHANGHAI 2017 in Bildern

„Beim Crossfit zählt nicht nur der sportliche Aspekt. Hier passiert auch sehr viel über das Gemeinschaftsgefühl und die Emotion. Die soziale Komponente spielt eine sehr große Rolle“, so Gong: „Gewichte stemmen kann man überall, aber durch das Kleingruppen-Training beim Crossfit steht man harte Einheiten gemeinsam durch und baut eine Verbindung zu den anderen Trainingspartnern auf.“

Wichtig beim Crossfit: Die richtige Anleitung durch Trainer

Auf die Frage, ob viele Chinesen die häufig vorgebrachten Vorbehalte gegen Crossfit als gefährliche Sportart teilen, antwortet Gong mit einem Beispiel von der ISPO SHANGHAI. „2016 hatten wir noch sehr viele technische Übungen bei unseren Workouts. Das habe ich dieses Jahr geändert, da Anfänger damit überfordert waren. Wir arbeiten 2017 viel mit dem eigenen Körpergewicht“, so Gong und fügt an, was aus seiner Sicht das Argument „Crossfit ist gefährlich“ entkräften kann.

„Der Schlüssel liegt als definitiv in der Trainerausbildung“, so Gong: „Crossfit-Übungen sind sehr komplex und es dauert eine Weile, bis jeder sie korrekt ausführen kann. Nur motivieren genügt als Trainer nicht, das Auge für eine korrekte Bewegungsausführung ist ungleich wichtiger.“


Florian Pertsch (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von Florian Pertsch, Autor
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