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 Mark Held über die Outdoor-Branche 2017: „Einmalig harter Wettbewerb“
Outdoor | 16.06.2017

Die Pläne der European Outdoor Group (EOG) zur Zukunft der Outdoor-Branche

Mark Held über die Outdoor-Branche 2017: „Der Wettbewerb ist gegenwärtig einmalig hart“

Mark Held über die Outdoor-Branche 2017: „Einmalig harter Wettbewerb“. Nachhaltigkeit, die Modebranche und ein vielfältigeres Publikum stellen den Outdoor-Sektor vor große Herausforderungen. (Quelle: Columbia)
Nachhaltigkeit, die Modebranche und ein vielfältigeres Publikum stellen den Outdoor-Sektor vor große Herausforderungen.
Bild: Columbia
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Was tut sich im Outdoor-Business? Wie sieht die Zukunft der Outdoor-Branche aus, hat sie sich von ihrer leichten Schwächeperiode 2016 erholt? Was sind die geeigneten Strategien, wie ändern sich die Zielgruppen? Darüber spricht Mark Held, Generalsekretär der European Outdoor Group (EOG), im Exklusiv-Interview mit ISPO.com – weitere Themen sind der Einfluss der Digitalisierung, der Wettbewerb mit der Modebranche und das Thema Nachhaltigkeit.  

Der Outdoor-Markt hat sich etwas abgeschwächt  – zu dieser Schlussfolgerung kam der Bericht der European Outdoor Group Jahr 2016. Viele Marken versuchen längst, mit urbanen Outdoor-Kollektionen oder mit Outdoor-Fitnesskonzepten etc. neue Zielgruppen zu erreichen. Sind diese Strategien aussichtsreich oder ist ihr Potenzial ausgeschöpft? Wie ist es um die Zukunft der Branche bestellt? Kaum jemand weiß das besser zu beurteilen als Mark Held, der am Sonntag überraschend seinen Rückzug von der European Outdoor Group (EOG) ankündigte.

Mark Held, auch Mitglied der Jury des ISPO AWARD, gehörte 2003 zu den Gründern der European Outdoor Group, die von den neunzehn weltweit größten Outdoor-Unternehmen gegründet wurde. Seit 2005 ist er ihr Generalsekretär. Er gehört zu den renommierten Experten der Outdoor-Branche.

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Mark Held ist Generalsekretär der European Outdoor Group (EOG).
Mark Held ist Generalsekretär der European Outdoor Group (EOG).

Mark Held im Interview

ISPO.com: Was sind 2017/2018 die wichtigsten Trends auf dem Outdoor-Markt? Wodurch ist er am stärksten geprägt?
Mark Held:
Die Outdoor-Branche behauptet sich gut – in einem unsicheren wirtschaftlichen Umfeld. Die Produkte und Dienstleistungen von Outdoor-Unternehmen sprechen ein breites Publikum an, und das führt durchaus zu neuen Geschäftschancen für Unternehmen der Branche. In diesem Zusammenhang wird auch der Begriff „Outdoor“ durch die Öffentlichkeit neu definiert – mit einigen interessanten Folgen. 

Nämlich?
Die Nachfrage nach einer immer größeren Vielseitigkeit der Produkte und der Trend zur Multi-Aktivität führen gegenwärtig zu großartigen Innovationen. Ich sehe insbesondere Chancen für ganz herausragende funktionelle Produkte mit geringem Gewicht sowie für Ausrüstung, die farblich und stilistisch im Trend liegt.


Konkurrenz durch Sport- und Lifestyle-Unternehmen

Welche Herausforderungen sind 2017/2018 am wichtigsten für die Outdoor-Branche?
Die Outdoor-Branche hat sich in den vergangenen Jahren nachhaltig geändert. Und diese Änderungen werden sich fortsetzen. Unsere Branche ist gereift und spielt auch global eine bedeutende Rolle. Damit sind einige größere Herausforderungen verbunden.

Sie sprechen die Konkurrenz-Situation zu Unternehmen außerhalb des Outdoor-Bereiches an?
Ja, die breiteren Sport- und Mainstream-Lifestyle-Sektoren nehmen längst das Wachstum unserer Branche wahr und bringen ihrerseits Produkte im Outdoor-Stil auf den Markt. Auf diese Weise ist ein bislang einmalig harter Wettbewerbsdruck entstanden.

Lesen Sie hier: Abschied einer Outdoor-Legende – Mark Held hört bei der EOG auf >>>.

Und was bedeutet dies für die Outdoor-Hersteller? Es wird komplexer?
Nun, Outdoor-Unternehmen müssen ihren wichtigsten Kunden weiterhin großartige authentische Produkte anbieten, gleichzeitig aber auch ein breiteres Publikum ansprechen und vor allem über Strategien nachdenken, wie sie auch die nächste Generation inspirieren können.

Kundenverhalten ändert sich schnell

Wie wird die Kundennachfrage in den nächsten Jahren aussehen?
Das lässt sich schwer vorhersagen. Aber wir wissen, dass die Vertriebskanäle sich ebenso schnell ändern wie die Gewohnheiten und Ansprüche der Verbraucher. Der Outdoor-Bereich konnte sich in der Vergangenheit gut an neue Gegebenheiten anpassen. Diese Fähigkeit ist heutzutage allerdings auch wichtiger denn je. 

Wie kann die EOG in diesem Bereich die Brands unterstützen?
Marktforschung gehört zu den zentralen Arbeitsbereichen der European Outdoor Group. Projekte wie unsere State of Trade-Berichte und das Retail Sales Barometer liefern unseren Mitgliedern unschätzbar wichtige Informationen für langfristige Strategien und Pläne.


Urban Outdoor, Urban Fashion, Athleisure etc. – die Bereiche Sport und Mode überschneiden sich zunehmend, und die Grenzen verwischen zuweilen. Wie können Outdoor-Marken sich auf diesem Markt behaupten? Und was sollten sie von den Modemarken lernen?
In den vergangenen Jahren war es so: Die Outdoor-Branche hat den Sport- und Modemarkt bis zu einem gewissen Maß beeinflusst. Das führt zu Chancen und Herausforderungen für unseren Bereich.

Andererseits beobachten Outdoor-Unternehmen schon seit längerem die Entwicklungen in der Sport- und in der Modebranche sehr genau – also die Produktneuheiten, Geschäftspraktiken und Methoden in der Ansprache der Kunden. Die Schnittmengen der Branchen sind wahrscheinlich größer als je zuvor. Das spiegelt sich im Einzelhandel und auch in der Gesellschaft insgesamt wider. 

Kunden-Ansprache: rational und emotional

Konkret bedeutet das?
Die Outdoor-Branche muss ihren wichtigsten Kunden weiterhin spannende und funktionelle Produkte bieten und Wege finden, neue Kunden anzuziehen. Für langfristigen Erfolg muss unsere Branche Kunden rational und emotional ansprechen. Vor diesem Hintergrund hat die EOG mit der It’s Great Out There Coalition und der Social-Kampagne #ItsGreatOutThere ein größeres paneuropäisches Projekt angestoßen, um die öffentliche Teilnahme an Outdoor-Aktivitäten zu fördern.

Mark Held über Mode und Sport: „Wahrscheinlich waren die Schnittmengen nie zuvor so groß.“
Mark Held über Mode und Sport: „Wahrscheinlich waren die Schnittmengen nie zuvor so groß.“


Alles fängt mit dem Verbraucher an

Wie ändert die Digitalisierung die Spielregeln für die Outdoor-Branche? Wie können Outdoor-Unternehmen sie für ihren Erfolg nutzen?
Die Digitalisierung erschüttert die alten Geschäftsmodelle. Das betrifft alle Branchen, auch wir bekommen die Auswirkungen zu spüren.

Wir beschränken uns jedoch nicht auf kurzfristige Reaktionen, sondern arbeiten daran, vorne mitzuspielen und zu verstehen, was als Nächstes kommt, damit die Outdoor-Branche vorbereitet ist auf die Zukunft. Wir sehen es so: Alles fängt mit den Verbrauchern und den ständigen Änderungen ihrer Gewohnheiten und ihrer Nachfrage an. Darum geht es schwerpunktmäßig auch beim diesjährigen European Outdoor Summit, der vom 4. bis 5. Oktober in Treviso stattfindet.

Wir stellen ein Programm zusammen, das diesen Fragen nachgeht. Wir beabsichtigen, damit den Besuchern bei der Entwicklung von Strategien für diese Herausforderungen zu helfen.


Nachhaltigkeit wird immer wichtiger

Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Thema für die Outdoor-Branche. Können die Unternehmen und die Branche Ihrer Meinung nach geeignete Signale aussenden und neue Standards festlegen, die über die Outdoor-Branche hinaus Wirkung zeigen?
Nachhaltigkeit wird immer wichtiger, für unsere Branche wie für alle anderen auch. Erstens interessieren sich Kunden zunehmend für ethische und umweltfreundliche Produkte, und zweitens sind Unternehmen heutzutage gesetzlich verpflichtet, die durch ihre Herstellungsverfahren entstehende Umweltbelastung zu reduzieren.

Das heißt?
Die Outdoor-Branche hat in den vergangenen Jahren viel Arbeit in diesen Bereich investiert. Verantwortung und Nachhaltigkeit gehören zu den Schwerpunktthemen der EOG. Wir setzen umfangreiche Ressourcen ein, um unsere Mitglieder sowie die Branche zu unterstützen, Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung zu stärken. Ein gutes Beispiel dafür ist die Charta für Nachhaltigkeit der Outdoor-Branche (Outdoor Industry Sustainability Charter), die von Unternehmen in zahlreichen Ländern unterzeichnet wurde.

Dieser länderübergreifende Nachhaltigkeitsansatz spiegelt sich auch bei einer weiteren Arbeit wider, die wir in Angriff genommen haben und an der Mitglieder und Interessensgruppen aus ganz Europa unter der Leitung unseres Nachhaltigkeitsrats teilnehmen.


Lobbying mit „It’s Great Out There Coalition”

Auf der ISPO MUNICH 2017 haben Sie die „It's Great Out There Coalition” angestoßen, eine größere Initiative, die Outdoor-Aktivitäten in Europa fördern soll. Welche Schritte haben Sie bereits unternommen, und welche liegen vor Ihnen?
Wir haben im letzten Jahr unsere Absicht signalisiert, die „It’s Great Out There Coalition“ zu gründen. Und die bislang erreichten Fortschritte können sich sehen lassen. Dieser Interessensverband hat 23 Gründungsmitglieder, darunter Marken, Einzelhändler, Technologiemarken und Fachmessen. Zu ihren Mitgliedern zählen nationale Verbände und viele der größten Outdoor-Unternehmen in Europa. Weitere Mitglieder werden rekrutiert.

Die „It’s Great Out There Coalition“ hat ihren Sitz in Brüssel, in der Nähe europäischer Institutionen, die politische Entscheidungen treffen. Sie ist mittlerweile als internationale Non-Profit-Association anerkannt.

So vielseitig ist die Outdoor-Branche

Der Umfang der Unterstützung für unsere Initiative, die erst in ihren Anfängen steckt, übertrifft unsere Erwartungen und stellt eine sehr solide Grundlage für den Aufbau eines langfristigen Aktivitätenprogramms mit großer Reichweite dar. Die Kundenzahl der Coalition-Mitglieder insgesamt beläuft sich bereits auf mehrere Millionen. Und das ist erst der Anfang.

Die Coalition hat vor kurzem einige wichtige Personen ernannt, um das zentrale Ziel zu erreichen, mehr Menschen in Europa zu Outdoor-Aktivitäten zu inspirieren. Achten Sie auf Neuigkeiten, die wir hier in Kürze veröffentlichen, und besuchen Sie www.itsgreatoutthere.com und soziale Medien, um über die neusten Entwicklungen und die Initiativen der #ItsGreatOutThere Kampagne auf dem Laufenden zu bleiben! 

So geht's der Outdoorbranche: Exklusive Zahlen im Überblick >>>

Video: Die Outdoor-Trends 2017

 (Quelle: CK)
Ein Beitrag von Claudia Klingelhöfer, Autorin
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