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 Zukunft der Wearables: Cross Industry und Printed Electronics
Wearables | 26.05.2017

Printed Electronics und Cross Industry: Jetzt Netzwerke aufbauen

Wolfgang Mildner: „Im Bereich Wearables dürfen wir bei Textilien noch viel mehr erwarten“

Zukunft der Wearables: Cross Industry und Printed Electronics. Erst durch Printable Electronics wird High-Tech oft erst sporttauglich. (Quelle: Messe München)
Erst durch Printable Electronics wird High-Tech oft erst sporttauglich.
Bild: Messe München
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Der Wachstumsmarkt Wearables wird die Sportindustrie verändern. Nach Smartwatch und Co. geht es um Printed Electronics, die in Funktionskleidung integriert wird. LOPEC-Vorsitzender Wolfgang Mildner blickt in die Zukunft der innovativen Branche.

Wearables, das sind für die meisten im Moment Fitness-Tracker oder Smart-Watches, die uns Daten von unserem Training liefern.

Vordenker aus der Cross Industry denken aber schon viel weiter: Sie denken an Printed Electronics, also gedruckte Elektronik, die Sportler beispielsweise in ihrer Funktionskleidung integriert tragen

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Printed Electronics im Sport


Ein Experte auf diesem Gebiet ist Wolfgang Mildner, er ist Vorsitzender der LOPEC, der Messe für Printed Electronics und Inhaber des Technologie-Management-Unternehmens MSW. Für ISPO.com hat er die Zukunft der Wearables analysiert und gerade für Unternehmen aus der Sportindustrie ein paar wichtige Schlussfolgerungen gezogen.  

ISPO.com: Wearables ist ein sehr weit gefasster Begriff, was verstehen Sie denn genau darunter?
Wolfgang Mildner: Wenn man das Wort ‚Wearables’ richtig ernst nimmt – also tragbar - dann sind das Dinge, die man direkt am Körper trägt. Heutzutage werden damit aber auch Geräte bezeichnet, die man in der Nähe des Körpers trägt – Fitnessuhren usw.

Momentan ist die Technik noch nicht so weit, dass Wearables immer direkt, beispielsweise in Textilien integriert, am Körper getragen werden können. Da sehen wir schon, dass wir mitten in der Entwicklung sind und wir im Bereich Wearables noch viel mehr erwarten dürfen. Egal ob es um Datenerfassung für Amateursportler, Profis oder auch für den medizinischen Bereich geht.  

Wolfgang Mildner ist Vorsitzender der LOPEC. (Quelle: Messe München)
Wolfgang Mildner ist Vorsitzender der LOPEC.
Bild: Messe München

Was kann ich denn mit Wearables alles messen?
Bei Wearables im engeren Sinn werden beispielsweise die Temperatur, die Feuchtigkeit, der Puls und der Herzschlag gemessen.

Apple soll – was man so hört – gerade an Möglichkeiten arbeiten, um mit Wearables den Blutzuckerspiegel zu bestimmen, um damit Diabetikern zu helfen. Auch an Möglichkeiten, um auf den Sauerstoffgehalt im Blut zu schließen, wird gerade gearbeitet.

Natürlich wird es – an die jeweilige Zielgruppe angepasst – unterschiedliche Lösungen geben. Und natürlich ist der Zeithorizont oft unterschiedlich. Im Profisport kommen schon Lösungen zum Einsatz, die für den alltäglichen Gebrauch viel zu teuer wären. 

Wearables: Usability ist entscheidend

Was glauben Sie, wie weit wird die Entwicklung in fünf Jahren sein?
Ich glaube, auf der einen Seite stehen die Messwerte, die Daten und die Vielzahl der Sensoren. Hier ist schon jetzt sehr viel möglich.

Entscheidend ist auf der anderen Seite, dass das Ganze benutzerfreundlich wird. Was wir in den nächsten fünf Jahren sehen werden, ist, dass die Sensorik immer dünner, flexibler und damit tragbarer wird.

Dann kommt die nächste Herausforderung für die Industrie und der übernächste Schritt: Dünn und flexibel reicht noch nicht, besonders gut ist ein Wearable erst, wenn es in der Kleidung integriert und dehnbar ist und sich dem Körper anpasst.


Lesen Sie hier: Wie Printed Electronics in der Sportbranche gesehen werden >>>

Das Thema Waschbarkeit kommt ja dann auch noch hinzu...
Natürlich. Ich habe gerade mit Instituten geredet, die sagen, 30-mal Waschen können wir schon und jetzt wollen wir das noch steigern. Ein weiterer wichtiger Punkt in diesem Zusammenhang ist das Thema „End of Life“. Also darf ich ein Wearable einfach so wegwerfen? Kann ich beispielsweise Teile, die man recyclen muss, einfach abtrennen?

Auch da braucht es noch gute Konzepte, die eigentlich von vornherein in das Design eingebettet werden müssen. Wenn es um das Thema Energie, also Batterien geht, ist es wichtig, dass diese abtrennbar sind. Schließlich darf ich Batterien weder waschen noch einfach wegwerfen. Die Herausforderung ist neben der Anwendung auch die Benutzerfreundlichkeit. 


Cross Industry verbindet

Und in der Entwicklung treffen dann die anwendungsorientierte Sportindustrie und sehr technologiegetriebene Unternehmen aufeinander ...
Ich glaube, hier gibt es oft noch die größten Hürden. Wenn gut und schnell Produkte entwickelt werden sollen, müssen diese beiden Industrien beginnen, möglichst früh miteinander zu reden. Dann können sie feststellen, was auf der einen Seite möglich ist und was auf der anderen Seite die Anforderungen sind. Das wird nur im Dialog herauszufinden sein. 


Allerdings müssen sich hier Experten mit völlig unterschiedlicher Ausbildung und mit unterschiedlichem Hintergrund miteinander unterhalten. Das ist kein Standard, aber sehr reizvoll. Und das besagt ja auch der Cross-Industry-Ansatz: Experten aus unterschiedlichen Welten sollen zusammengebracht werden.

Deshalb ist es auch so wichtig, dass Unternehmen gerade von der Anwenderseite jetzt schon auf diesen Zug aufspringen, um zu lernen und um mitzugestalten und die Richtung vorzugeben. 

Beim World Manufacturers Forum der World Federation of the Sporting Goods Industry im November ist das Thema Printed Electronics ein wichtiger Teil der Agenda und es wird beispielsweise auch einen Cross-Industry-Austausch mit der Productronica geben. Wo können sich denn Unternehmen aus der Sportartikelindustrie noch informieren, um mit potentiellen Partnern Kontakt aufzunehmen?
Mein Vorschlag wäre zum Beispiel, Veranstaltungen wie die LOPEC, die Messe für Printed Electronics, zu besuchen. Dort kann man sich Vorträge anhören und einen Marktüberblick bekommen. Dann kann man Kontakt aufnehmen, nicht nur zu einzelnen Firmen, sondern zu sogenannten Plattformen oder Netzwerken, die dann entsprechend weitervermitteln.

Ganz konkret ist das beispielsweise die OEA, das ist der Industrieverband mit 230 Mitgliedern ein internationales Netzwerk der Anbieter gedruckter Elektronik. Als Ansprechpartner kann der Verband den Dialog organisieren. Bei der OEA gibt es auch ein Branchenverzeichnis zum Download.


Printed Electronics helfen alternder Gesellschaft

Ist es wirklich sinnvoll, schon jetzt in diesen Bereich Printed Electronics und Wearables im engeren Sinn zu investieren?
In der Tat höre ich immer wieder, dass es noch zu früh ist. Ich glaube aber, es ist nicht zu früh, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen. Denn hier treffen mit Technologieunternehmen und der Sportindustrie wirklich Welten aufeinander.

Es geht auch darum, die andere Branche kennenzulernen und ein Netzwerk aufzubauen. Erst dann kann ich feststellen, wann der geeignete Zeitpunkt ist, um in das Geschäft richtig einzusteigen. Diese Entscheidung kann ich aber erst fällen, wenn ich zumindest einen Überblick habe. Deshalb würde ich heute jeder Firma raten, sich in diesem Bereich zu informieren.

Zum Abschluss: Welche Anwendungsmöglichkeit aus der Cross Industry sollte aus Ihrer ganz persönlichen Sicht möglichst bald auf den Markt kommen?
Das ist eine Anwendung, die derzeit schon getestet wird. Wir haben ja eine alternde Gesellschaft und da denke ich persönlich an meinen Vater, für den ich gerne ein Unterhemd hätte, welches sehr frühzeitig sagen kann: ‚Moment, hier stimmt der Blutdruck oder Herzschlag nicht’. Das Wearable sollte das dann automatisch und frühzeitig melden. 

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VIDEO: Wearables auf der ISPO MUNICH 2017

 (Quelle: CK)
Ein Beitrag von Claudia Klingelhöfer, Autorin
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