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 In der Sportbranche arbeiten: Es gibt nichts Schöneres
Karriere | 26.04.2017

Gschwandtner, Schuller, Gulden, Kullmann – hier arbeiten coole Typen

Sport-Job: Weshalb es nichts Schöneres gibt, als in der Sportbranche zu arbeiten

In der Sportbranche arbeiten: Es gibt nichts Schöneres. Come as you are: Wer Spaß am Sport hat und andere begeistern kann, ist in der Sportbranche goldrichtig – wie diese beiden Herren auf der ISPO MUNICH 2017. (Quelle: Messe München GmbH)
Come as you are: Wer Spaß am Sport hat und andere begeistern kann, ist in der Sportbranche goldrichtig – wie diese beiden Herren auf der ISPO MUNICH 2017.
Bild: Messe München GmbH
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Personalverantwortliche im Sport Business klingen nicht zufällig wie Trainer vor dem Spiel: „Auch wenn es schwer wird, gemeinsam packen wir das!“ Wer in der Sportbranche arbeitet, erlebt Menschen und Situationen, die in anderen Jobs unmöglich wären. Klare Sache: Es gibt nichts Schöneres als einen Sport-Job.

Für Quereinsteiger in die Sportbranche ist es manchmal gar nicht so einfach, diesen „seltsamen“ Verhaltenskodex der neuen Kollegen zu durchdringen: Weshalb wird mir von meinem Chef nach fünf Sekunden das Du angeboten? Und warum tragen hier alle Sneaker oder gar Laufschuhe von Adidas, Nike oder Asics statt auf Glanz getrimmte Halbschuhe?

Wie funktioniert dieser Kodex im gerade angetretenen Sport-Job? In dieser Frage liegt bereits der erste Fehler. Denn einen solchen Kodex gibt es in der Sportbranche nicht. Auf Formalien wird im Vergleich mit anderen Branchen deutlich weniger Wert gelegt.


Wichtig ist vielmehr: Teamfähigkeit, Einsatz, Begeisterung, Verlässlichkeit, Fairness – eben alle Eigenschaften, welche in jedem Mannschaftssport auch gefragt ist. Und deshalb gibt es nichts Schöneres, als in der Sportbranche zu arbeiten.

Runtastic-Chef ist geborener Animateur 

Wer schon einmal Führungskräfte aus der Sportbranche persönlich erlebt hat, der weiß, wovon hier die Rede ist. Zum Beispiel Runtastic-Gründer Florian Gschwandtner: Der 34-jährige Österreicher strotzt nur so vor Energie – und wirkt extrem ansteckend.

Hätte er nicht ein Start-up zu einem der größten digitalen Fitness-Unternehmen und damit sich zum zigfachen Millionär gemacht, man könnte sich ihn auch als Animateur in einem Robinson Club vorstellen – dann würde selbst der sonst eher nahrungsorientierte Mittfünfziger um 7.30 Uhr am Hotelpool erscheinen, um unter Anleitung von Gschwandtner die imposanten Hüften zu schwingen.

Runtastic-Boss Florian Gschwandtner hält sich fit und weiß zu motivieren. (Quelle: Runtastic)
Runtastic-Boss Florian Gschwandtner hält sich fit und weiß zu motivieren.
Bild: Runtastic

Runtastic ist ein stark wachsendes Sport-Unternehmen, es investiere viel Human Resources, sagte Florian Gschwandtner im ISPO.com-Interview: „Motivierte, positive Menschen schaffen etwas, alle anderen scheitern mit hoher Wahrscheinlichkeit.“

Dass ihm und seinen Mitstreitern viel an Mitarbeiter-Zufriedenheit gelegen ist, nimmt man Gschwandtner ohne Weiteres ab – auch weil ihm die Bewertungen in Arbeitgeber-Bewertungs-Portalen Recht geben.

Sport macht glücklicher – und erfolgreicher

In der Sportbranche zu arbeiten, ist zweifellos etwas Besonderes. Wenn frischer Neuschnee in den Alpen liegt, bleiben bei Blue Tomato, Boardsport-Retailer aus Schladming, vormittags schon mal einige Schreibtische verwaist. „Manchmal geht Powdern eben vor Arbeiten“, erklärte Unternehmensgründer Gerfried Schuller.

Hier powdert der Blue-Tomato-Boss: Gerfried Schuller war 1988 Snowboard-Europameister. (Quelle: Blue Tomato)
Hier powdert der Blue-Tomato-Boss: Gerfried Schuller war 1988 Snowboard-Europameister.
Bild: Blue Tomato

Denn wer Freude an Sport und Leben hat, ist ziemlich sicher auch motivierter im Job. Warum sollte man sich nach harter Arbeit nicht auch mal etwas gönnen?

Nach fast 30 Jahren bei Blue Tomato hat sich Schuller als Geschäftsführer verabschiedet, nach einiger Aussage, um „mehr Zeit für Reisen, Surfen, Snowboarden, Segeln, Berge, Meer – und Quality Time mit Family & Friends“ zu haben. Und das noch vor seinem 50. Geburtstag. Respekt!

Puma-Chef Gulden zeigt Emotionen

Mit dem richtigen Gespür fürs Zwischenmenschliche und den im Sport erlernten Ehrgeiz kann man es in der Sportbranche weit bringen – weiter als nur mit gutem Uni-Abschluss und Zertifikaten. Bjørn Gulden war in den Achtzigerjahren Fußballprofi, spielte unter anderem für den 1. FC Nürnberg – seit 2013 ist er Puma-CEO und hat den lange kriselnden Sportartikelhersteller wieder in die Spur gebracht.

CEO Bjørn Gulden sieht Puma auf einem guten Weg. (Quelle: Puma)
CEO Bjørn Gulden sieht Puma auf einem guten Weg.
Bild: Puma

Die Häme, als bei der Euro 2016 die Puma-Trikots der Schweizer Nationalmannschaft reihenweise zerrissen, hat Gulden persönlich getroffen. „Natürlich habe ich mich geärgert!“, stellt der Ex-Fußballer klar und wirkt dabei, als hätte er gerade den entscheidenden Elfmeter übers Tor gejagt. Auch mal Emotionen rauslassen – so sieht Authentizität aus.

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In Jeans auf den Mount Everest – why not?

Doch der besondere Spirit ist keineswegs ein Phänomen, das durch eine neue, junge Manager-Generation in die Sportbranche hereingetragen wurde. Wer Bernd Kullmann auf der Straße begegnet, ahnt kaum, dass dieser kauzig anmutende 62-Jährige als Deuter-Geschäftsführer eine ganze Branche nachhaltig beeinflusst und dabei sicherlich nicht schlecht verdient hat.

Seine Mitarbeiter habe er stets aufgefordert, mutig neue Wege zu beschreiten – so wie er es als Bergsteiger gemacht hat. „Mut gehört dazu, Risiko gehört dazu“, betonte Bernd Kullmann im ISPO.com-Interview. Und natürlich Ausdauer. Sonst wäre es wohl nie zum legendären Foto gekommen, wie Kullmann 1978 in Jeans den Mount Everest besteigt.

In Jeans auf dem Mount Everest – diese Aufnahme von Bernd Kullmann aus dem Jahr 1978 wurde Kult. (Quelle: Bernd von Härter)
In Jeans auf dem Mount Everest – diese Aufnahme von Bernd Kullmann aus dem Jahr 1978 wurde Kult.
Bild: Bernd von Härter

Frauen im Sport Business: Nachholbedarf

Die Sportbranche zieht coole Typen an – und mittlerweile auch immer mehr coole „Typinnen“. Es herrscht Nachholbedarf. So fortschrittlich viele Sport-Unternehmen hinsichtlich Nachhaltigkeit, Digitalisierung und CSR agieren, so altbacken wirkt die Sportbranche bei der Frauen-Emanzipation.

Nike, Adidas, Puma, Under Armour – bei den weltweit größten Sportfirmen findet man in der obersten Management-Ebene nicht viele Frauen. Kerry D. Chandler ist Chief Human Resources Officer von Under Armour und Hilary Krane arbeitet als Vize-Chefin und Chief Administrative Officer von Nike.

Seit 12. Mai 2017 hat auch Adidas eine Frau im Vorstand: Karen Parkin verantwortet das neu geschaffene Vorstandsressort für Human Resources. Die Entscheidung wurde mit Spannung erwartet, weil sich Adidas bereits im November 2015 selbst verpflichtet hatte, bis Juni 2017 eine Frau in den Vorstand zu berufen.


In Deutschland und Europa hinkt die Sportbranche beim Thema Frauen in Führungspositionen im Vergleich mit den USA noch hinterher. Melody Harris-Jensbach ist als Chefin von Jack Wolfskin (hier im Interview >>>) eine absolute Ausnahme.

Beweglich bleiben – auch gegen Widerstände

Immerhin ist das Problem des zu geringen Frauenanteils in der Sportbranche erkannt – und es wirkt aktiv angegangen. Denn auch das ist etwas, das das Sport Business zu einem ganz besonderen Arbeitsumfeld macht: Sport bedeutet Bewegung und Beweglichkeit – auch gegen Widerstände – ist auch im Sport Business fest verankert.

„Gib nicht auf! Nichts, was es wert ist, getan zu werden, ist sehr einfach. Aber du musst den Schritt machen“, fordert Steve Fogarty, Chef-Recruiter bei Adidas, von den Job-Bewerbern. Mit der richtigen Unternehmenskultur könne man gemeinsam „die Grenzen des Machbaren überwinden“.

Er klingt sicherlich nicht zufällig wie ein Trainer bei seiner Motivationsansprache in der Fußballkabine.

Video: Frauenpower fürs Sport Business

Joscha Thieringer (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von Joscha Thieringer, Redakteur
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