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 Retail-Revolution: So sehen die Sport-Shops der Zukunft aus
Retail | 06.04.2017

Adidas und Samsung weisen in die Zukunft des Handels

Die Retail-Revolution: So sehen die Sport-Shops der Zukunft aus

Retail-Revolution: So sehen die Sport-Shops der Zukunft aus. Beim Project „Knit For You“ ließ Adidas im Pop-up Store in Berlin individuell gestaltete Pullover stricken. (Quelle: Adidas)
Beim Project „Knit For You“ ließ Adidas im Pop-up Store in Berlin individuell gestaltete Pullover stricken.
Bild: Adidas
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Mit neuen Store-Ideen zeigen gerade Adidas und Samsung die Zukunft des Sportfachhandels auf. Doch die Retail-Revolution steht erst am Anfang. ISPO.com zeigt die innovativsten Trends bei der Gestaltung von Sportläden.

Wohin man auf der Düsseldorfer Retail-Messe Euroshop auch hört, überall fällt das Wort Zukunft, wenn es um den Handel geht.

Wie sieht der Store der Zukunft aus, was wird der Konsument der Zukunft vom Handel erwarten, wie wird er shoppen und warum in welchem Kanal? Welche Rolle spielt in Zukunft der stationäre Handel überhaupt noch?

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Derartige Fragen stehen gerade ganz hoch auf der Agenda. Klar scheint immerhin zu sein, dass der klassische Handel keineswegs ausgedient hat. Zu vielversprechend ist sein sinnliches Potenzial, seine Fähigkeit, spontan zu verführen, Gemeinschaft zu stiften und zu unterhalten.

All das sind Eigenschaften, die der Online-Handel vermutlich niemals anbieten kann. Und genau dort liegen die Chancen für den Store der Zukunft.

Erlebnis pro Quadratmeter als zentrale Größe

Bislang galt die Flächenleistung – also Umsatz pro Quadratmeter – als die zentrale Größe bei der Beurteilung eines Stores. Das sei aber der falsche Ansatz, sagt Nicole Srock-Stanley von der Berliner Agentur Dan Pearlman.

Das Unternehmen beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Themen Ladenbau und Erlebnisarchitektur, und Srock-Stanley sieht viele parallele Entwicklungen. Ihr Credo: „In Zukunft wird es um Erlebnis pro Quadratmeter gehen.“

Statt möglichst viel Ware auf die Fläche zu packen und eine große Auswahl zu bieten, werden Stores der Zukunft zunehmend kleiner und vor allem darauf ausgerichtet sein, ihren Konsumenten mehr Unterhaltung und Erlebnis zu bieten.

„Shoppen bedeutet, dass wir unsere Freizeit in einem Laden verbringen, es bedeutet, dass der Kunde Geld und Zeit investiert. Das müssen wir verstehen“, so Srock-Stanley. Retail wird zum Teil der Freizeitindustrie! Auch erste Retail Parks, wo Shopping-Flächen mit Kletterhallen, Schwimmbädern und MTB-Parks verbunden werden, gibt es schon.

Personalisierung: Pulli to Go

Ein besonderes Shopping-Erlebnis hat gerade Adidas in der Bikini Mall in Berlin angeboten. Dort wurden bis Mitte März in einem Pop-up-Store Pullover individuell angefertigt.

Unter dem Motto „Knit for you“ konnten die Kunden ihren Merinopulli individuell gestalten und dann gleich stricken lassen – an dort installierten Strickmaschinen.

Erlebniswelt statt bloße Ladenfläche: Die Bikini Berlin Mall. (Quelle: Bikini Berlin)
Erlebniswelt statt bloße Ladenfläche: Die Bikini Berlin Mall.
Bild: Bikini Berlin

In ein paar Stunden war der Pulli fertig. Die Bikini Berlin Mall ist mit ihrem gesamten, von Dan Pearlman entwickelten Konzept auf derartige Erlebnisarchitektur ausgerichtet.

Neben einem Anteil an fest vermieteten Flächen besteht das besondere Shopping-Erlebnis aus mehreren Pop-up Stores, die in hölzernen Boxen untergebracht sind, und die übers Jahr immer wieder wechseln.

So ändert sich die Mall permanent und kann auch bestimmte Themen aufnehmen. Ein ganz ähnliches Konzept wurde 2011 in London unter dem Namen Boxpark als erste Pop-up Shopping Mall der Welt realisiert.

Stores, in denen man nichts kaufen kann?

Damit geht einher, dass der Kaufvorgang im Store an Relevanz verlieren wird. Die Transaktion kann schließlich überall erfolgen – im Store, im Onlineshop oder über die sozialen Netzwerke. Galt früher als oberstes Prinzip, Hauptsache der Kunde kauft, wird es in Zukunft vor allem darum gehen, Hauptsache der Kunde kann begeistert werden.

Ein Beispiel: Beim neuesten Samsung Flagship Store in New York geht es nur um die Inszenierung der Marke und der Produkte. Man kann sie dort aber nicht kaufen.

Steven Weiss von der amerikanischen Handelsberatungsfirma „Shop! USA“ bringt es auf den Punkt: „Retail wandelt sich vom POS zum POE“, also zum Point of Engagement.

Ein Store, der keiner ist. Im neuen Samsung Flagship Store in New York kann man nichts kaufen. (Quelle: Samsung)
Ein Store, der keiner ist. Im neuen Samsung Flagship Store in New York kann man nichts kaufen.
Bild: Samsung

Kreativität ist willkommen

Die Liste an Möglichkeiten, mit denen ein Store relevant für einen Kunden werden kann, ist lang und vor allem sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt.

„Eigentlich ist alles denkbar, solange es dafür einen Markt gibt“, erklärt Weiss und erzählt von einem Restaurant, das seinen Gästen zusätzlich die kostenlose Reparatur des Handy-Displays anbietet. „Das hat überhaupt nichts zu tun mit dem eigentlichen Geschäft, ist aber ein toller Service“, sagt der Fachmann.

Natürlich geht es auch konventioneller. Gerade der Sport ist von Leidenschaft und Emotionen geprägt, hier können vielfältige Serviceangebote eingeführt werden – was zum Teil auch schon passiert.

So bieten Hersteller und Händler nicht nur Equipment, sondern auch Trainingsstunden mit an. Stores werden zum Lauftreff oder wandeln sich ganz zur Trainingshalle – wie bei Lululemon oder im neuen Sport Schuster in München.

Video: Ist dies die Zukunft des Sportfachhandels?

Der Kunde will Sachen ausprobieren bevor er sie kauft – dort liegt viel Potenzial für mehr Erlebnisqualität. Auch ein Reparaturservice ist eine gute Gelegenheit, den Kunden einen Mehrwert zu bieten. Solch ein Service muss nicht umsonst sein.

„Wer gute Veranstaltungen oder besonderen Service anbietet, darf dafür auch etwas verlangen“, so Weiss.

Wie man das Engagement der Endverbraucher stärkt, konnten die Besucher der ISPO MUNICH 2017 live erfahren. Das ISPO ACADEMY Retail Lab 4.0 powered by b2b sportmas stellte die neuesten technologischen Innovationen vor, von denen Marke und Einzelhandel gleichermaßen profitieren können.

Neue Anforderungen an Personal und Design

Der klassische Verkäufer muss in Zukunft mehr denn je seiner Beratungs- und Inspirationsrolle gerecht werden. Viel Beachtung wird außerdem die Umkleidekabine bekommen. Experten raten, ihrer Gestaltung in den kommenden Jahren immer mehr Beachtung zu schenken, denn dort wird die Kaufentscheidung getroffen!

Der Store der Zukunft könnte eigentlich nur noch eine Umkleidekabine sein. Der Kunde stellt sich vorab online zusammen, was ihn interessiert und probiert dann in angenehmer Wohlfühl-Atmosphäre die Teile an. Geschulte Berater könnten dann – auch mithilfe künstlicher Intelligenz, passende Artikel oder alternative Größen dazu bestellen, die gleich mit probiert werden können.

Die Stores brauchen dann nicht mehr riesig sein und vor allem wird das Verhältnis von Warenflächen zu Convenience-Flächen wie etwa Umkleidekabinen, stark verändern.


Körperscanner im Store

Die Idee vom eigenen Avatar, der beim Onlineshopping die Kleidung virtuell anprobiert, ist nicht neu. Dass sie noch nicht Realität wurde, liegt zum einen daran, dass bislang noch keine Bodyscanner in den Läden stehen, und zum anderen daran, dass auch die jeweiligen Maße der Bekleidung nur in Form von Kleidergrößen, aber nicht als 3D-Daten, zur Verfügung stehen.

„Ich bin sicher, dass wir in wenigen Jahren Bodyscanner in jeder Stadt sehen werden“, ist dagegen Mihail Tanev von der Düsseldorfer Doob Group überzeugt.

Die Firma hat sich auf mobile Bodyscanner spezialisiert und testet sie bereits erfolgreich im Handel, unter anderem bei Uniqlo. Wie es früher eine Fotobox in jedem Kaufhaus gab, könnte dort bald ein Scanner stehen.

Auch für große Multichannel-Anbieter kann eine festinstallierte Scan-Box interessant sein, wenn sie dabei hilft, Passformen zu verbessern und Retouren im Onlineshop zu reduzieren.

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Video: Die Sportindustrie digitalisiert sich

Dr. Regina Henkel (Quelle: Dr. Regina Henkel)
Ein Beitrag von Regina Henkel, Autorin
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