ISPO.com is also available in English ×
 Künstliche Ski-Pisten: China beschneit viele seiner Resorts
ISPO-BEIJING | 17.02.2017

Der Wintersport in China kurbelt die Geschäfte an

Ski-Boom in China: Eine Chance für europäische Unternehmen wie Sufag

Künstliche Ski-Pisten: China beschneit viele seiner Resorts. Volle Kanone: In China werden viele Skigebiete komplett künstlich beschneit. (Quelle: Sufag)
Volle Kanone: In China werden viele Skigebiete komplett künstlich beschneit.
Bild: Sufag
Artikel teilen:
Artikel bewerten:
China lernt den Winter zu lieben, China fiebert Olympia 2022 in Peking entgegen. Diese zwei Faktoren sorgen für einen Boom in der gesamten Wintersport-Industrie. Und davon profitieren auch europäische Hersteller wie der Schneekanonen-Produzent Sufag.

Laut dem White Book 2016, das auf der ISPO BEIJING 2017 vorgestellt wurde, stieg die Zahl der Skifahrer und Skiurlaube im vergangenen Jahr erneut rasant an – das eröffnet auch den technischen Ausrüstern der Skigebiete neue Optionen. 

ISPO.com sprach auf der ALPITEC China, der Partnermesse der ISPO BEIJING, mit Alban Chatain, Export Area Manager des Schneekanonen-Herstellers Sufag, über den Boom im Reich der Mitte und wo die Unterschiede zum Geschäft in Europa liegen.


Chatain ist ein Experte für Schneekanonen beim französischen Unternehmen der MND Gruppe, die in den letzten zwölf Monaten zwei extrem wichtige Projekte in China abschließen konnte. Für das potenzielle olympische Skigebiet in Wanlong bekam Sufag Anfang 2016 den Auftrag, das komplette Pistengebiet mit 120 Schneekanonen auszurüsten. Während der ISPO BEIJING verkündete MND, dass sie mit der kompletten Ausstattung des zukünftigen Luxus-Skigebiets Snowland beauftragt wurde. Ein Deal mit einem Auftragsvolumen von 110 Millionen Euro.

Lesen Sie hier: So will die MND Gruppe das Snowland ausstatten.

„Persönliche Kontakte sind in China wichtig“

„Bis zu den Olympischen Spielen im Jahr 2022 wird China ohne Frage der größte Markt bleiben. Der Olympia-Effekt treibt das Geschäft in China unvergleichlich voran, so etwas wird es wohl nie wieder geben“, so Chatain: „In Europa beschränkt sich das Geschäft hauptsächlich auf Wartung und Instandhaltung, aber in China entsteht so viel Neues, die Nachfrage ist riesig. Die chinesische Regierung schätzt, dass es bis 2022 gut 350 Millionen aktive Ski-Sportler in China geben wird.“

Die Ausstellung auf auf der ISPO BEIJING bringt persönliche Kontakte, die in China sehr wichtig sind. (Quelle: FP)
Die Ausstellung auf auf der ISPO BEIJING bringt persönliche Kontakte, die in China sehr wichtig sind.
Bild: FP

Sufag ist mit neun ausgerüsteten Ski-Gebieten einer der Big-Player in China und hat dafür eigens in Peking eine Dependance eröffnet. Wie auch in der Sportartikel-Industrie sind die Verbindungen zu einem chinesischen Distributor fast unumgänglich, da sonst der Eintritt und die Kunden-Akquise unheimlich schwer werden. Zusätzlich schätzt Chatain die Möglichkeit, sich auf Messen wie der ALPITEC China zu präsentieren, da „persönliche Kontakte und vertrauenswürdige Netzwerke in China extrem wichtig sind“.

Lesen Sie hier: Skisport in China: Neue Zahlen belegen Wintersport-Wachstum

Oft sind alle Ski-Pisten künstlich beschneit

Verglichen mit Europa fallen Chatain auf Anhieb einige Unterschiede ein, wobei der eklatanteste mit Sicherheit die schiere Geschwindigkeit ist, mit der in China alles passiert. Ein Projekt, das in Europa grob zwei bis drei Jahre von der Planung bis zur Vollendung braucht, kann ich China in wenigen Monaten fertig gestellt werden.

„Wenn wir Anfang Januar einen Vertrag unterschreiben und im April mit dem Bau anfangen, dann können wir im Oktober die Anlage beschneien“, beschreibt Chatain den Prozess: „Du musst deine Parameter in China komplett anpassen. In diesem Land ist die Bauzeit lediglich eine Frage der Zahl der Arbeiter und die Sub-Unternehmen sorgen dafür, dass immer genug Arbeitskräfte zur Verfügung stehen.“

Eine weitere Besonderheit, die vor allem auf das mit 120 Schneekanonen ausgerüstete Ski-Gebiet in Wanlong zutrifft, ist die Tatsache, dass oftmals das komplette Pisten-Areal künstlich beschneit werden muss. Aufgrund der sehr kalten, trockenen und extrem windigen Bedingungen greift Sufag in Wanlong auf Schneekanonen mit langen, schwenkbaren Armen zurück, um die gesamte Breite der Piste abzudecken.


„Wir sprechen hier über konstant -10 bis -15 Grad Celsius während des gesamten Produktionsprozesses und können mit einer leicht veränderten Software unseren Output deutlich vergrößern“, so Chatain und nennt noch einen zweiten Vorteil: „Durch die Komplett-Beschneiung sparen sich die Betreiber die Kosten für Pistenraupen.“

Lesen Sie hier: Skisport wird zum Trend – so entwickelt sich Chinas Wintersport

Sufag: Hotspots in Georgien und Russland?

Ein Kostenpunkt, der in Europa nicht auftritt, in China dafür aber schon, sind die Arbeitskräfte, die die Schneekanonen bedienen. Während in Europa rund 90 Prozent automatisiert sind, werden nahezu alle Maschinen in China noch manuell gesteuert. Ein Trend, „der in den kommenden Jahren sicher abnehmen wird, da das Olympische Komitee mit großer Wahrscheinlichkeit auf automatische Schneekanonen bestehen wird“.

In China werden die Schneekanonen oft noch manuell bedient, die Automatisierung wird sich aber durchsetzen, glaubt Sufag. (Quelle: FP)
In China werden die Schneekanonen oft noch manuell bedient, die Automatisierung wird sich aber durchsetzen, glaubt Sufag.
Bild: FP

Es sind zwar noch gut fünf Jahre bis zu den Olympischen Winterspielen in Peking, aber bereits jetzt wird alles auf das Mega-Event ausgerichtet. Aus Sicht von Sufag ist die aktuelle Situation recht komfortabel, denn „noch haben wir einen ordentlichen Wissensvorsprung. Bislang würde ich die chinesischen Wettbewerber nicht als Konkurrenz bezeichnen, aber wir müssen immer vorsichtig sein. In China geht einfach alles schneller: die Entwicklung neuer Produkte – auch die Kopie“.

Und was ist, wenn Olympia 2022 vorbei ist, der Markt in China halbwegs gesättigt ist? „Es gibt immer noch ein paar weiße Flecken auf der Landkarte. Georgien, Kasachstan und Russland sind definitiv zukünftige Hotspots“, so Chatain.

Florian Pertsch (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von Florian Pertsch, Autor
Kommentare
Top Themen
ISPO Newsletter
ISPO Newsletter
Jetzt anmelden
Social Media