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 Wie steht es um den Wintersportmarkt? Symposium auf der ISPO MUNICH 2017
ISPO-MUNICH | 06.02.2017

Die Zukunft des Wintersports im Gespräch auf der ISPO MUNICH 2017

ISPO ACADEMY: Wie steht es um den Wintersportmarkt?

Wie steht es um den Wintersportmarkt? Symposium auf der ISPO MUNICH 2017. (von l. nach r.): Moderator Guido Heuber, René Harrer (Head), Thomas Scheck (Intersport), Peter Hennekes (Deutscher Skilehrerverband), Antje von Dewitz (Vaude), Waltraud Lenhart (Leki) und Messechef Klaus Dittrich.. (Quelle: ISPO.com)
(von l. nach r.): Moderator Guido Heuber, René Harrer (Head), Thomas Scheck (Intersport), Peter Hennekes (Deutscher Skilehrerverband), Antje von Dewitz (Vaude), Waltraud Lenhart (Leki) und Messechef Klaus Dittrich..
Bild: ISPO.com
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Beim hochkarätig besetzten Symposium der Initiative „Dein Winter. Dein Sport“ sind sich die Diskutanten einig: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Ihr Credo: nicht so lange überlegen, sondern einfach raus an die frische Luft!

„Wintersportmarkt – Herausforderungen und Potenziale“: So lautete das Thema des mittlerweile schon dritten Symposiums der Initiative „Dein Winter. Dein Sport“ in der ISPO ACADEMY am Eingang Ost des Messegeländes. Die aktuelle Nachricht zum Thema kam von Moderator Guido Heuser, frisch aus dem Ski-WM-Ort St. Moritz, und es war zugleich eine gute als auch eine schlechte Nachricht: Starker Schneefall verhinderte das erste Training auf den WM-Pisten der Corviglia. Tja, der liebe Schnee. Mit ihm steht und fällt das Wohl oder Wehe einer nicht eben marginalen Industrie.

Mehr Menschen an den Wintersport heranführen

Die Ausgangslage: Daunenjacken schon im Sommer und Rabatte bevor der erste Schnee gefallen ist. Eine Vielzahl Hersteller und unzählige Produktvarianten in einem gesättigten Markt. Der Kunde ist anspruchsvoll, im Handel ist die Konkurrenz groß, und die Hersteller stehen unter Druck. Und am Ende sind alle vom Wetter abhängig? Nein! Der Wintersportmarkt steht vor großen Herausforderungen, unabhängig vom unstrittigen Klimawandel. Es braucht Ideen und neue Ansätze – vor allem aber mehr Gemeinsinn. Die gesamte Wintersportbranche ist gefordert, grundsätzliche Lösungen zu erarbeiten. Die Kernfrage lautet: Wie schaffen wir es, wieder mehr Menschen an den Wintersport heranzuführen? Denn wenn das gelingt, werden gute Produkte auch gekauft.


Sehr anschaulich fasste Dr. Ottmar Franzen (Geschäftsführer der Agentur Konzept & Markt) in einem Impulsvortrag vor voll besetzten Stuhlreihen zunächst einmal die Lage im Sportfachhandel zusammen und stellte die provokante Frage: Zieht der Handel selbst Schnäppchenjäger heran? Reduzierte Vorsaisonware schon im September, Black-Friday-Rabattaktionen Mitte November, weitere Rabatte sogar in der Vorweihnachtszeit und schließlich Preisstürze um bis zu 70 Prozent nach dem Fest – wie soll das gutgehen? 

Konkurrenz belebt das Geschäft

In der ersten von zwei Diskussionsrunden nahmen teil: Klaus Dittrich (Hauptgeschäftsführer Messe München), Thomas Scheck (Intersport), Peter Hennekes (Deutscher Skilehrerverband), Antje von Dewitz (Vaude), Waltraud Lenhart (Leki) sowie René Harrer (Head). Zur allgemeinen Lage der Branche meinte Antje von Dewitz: „Wir befinden uns in einer Konzentrationsphase. Es gibt definitiv ein Überangebot, in der eine Konzentration auf das Wesentliche gefragt ist.“ Head-Marketing-Chef Harrer pflichtete ihr bei: „Konkurrenz ist gut und belebt das Geschäft.“ Leki-Geschäftsführerin Waltraud Lenhart meinte: „Wichtig ist die Wiedererkennung. Nur so kann der Endverbraucher Vertrauen in die Marke schöpfen.“ 

Auch Klaus Dittrich, Hauptgeschäftsführer der Messe München, nahm beim Symposium „Dein Winter. Dein Sport“ teil. (Quelle: ISPO.com)
Auch Klaus Dittrich, Hauptgeschäftsführer der Messe München, nahm beim Symposium „Dein Winter. Dein Sport“ teil.
Bild: ISPO.com

Auf die besondere Bedeutung der ISPO MUNICH wies in diesem Zusammenhang Intersport-Gechäftsführer Thomas Scheck hin: „ISPO war und ist DIE Plattform für Innovationen.“ Messe-Chef Klaus Dittrich erinnerte daran, dass die ISPO MUNICH eine „große Promotion-Aktion für den Wintersport“ sei und steuerte zudem Selbsterlebtes bei: Er wolle demnächst auf Tour gehen, musste aber mit einigem Erstaunen feststellen, dass dringend benötigte Ausrüstungsgegenstände momentan, also mitten in der Saison, ausverkauft seien. „Daran muss der Handel arbeiten“, so Dittrich.

Mehr Schulferien während der Saison 

Um den Wintersport beim Nachwuchs am Leben zu erhalten, hat DSLV-Geschäftsführer Peter Hennekes die Website www.wintersportschule.de initiiert, gewissermaßen als Organisations- und Unterrichts-Leitfaden für Lehrkräfte, die mit ihren Schülern ins Skilager fahren wollen. Zwar gebe es in Deutschland rund sieben Millionen Skifahrer, acht Millionen Langläufer und 4,4 Millionen Snowboarder, aber auch der nächsten Generation müsse das Erlebnis Winter vermittelt werden, so Hennekes. Generell gelte es auch den Frühjahrskilauf zu stärken. 

 

Weiße Weihnachten gab es in den letzten 80 Jahren gerade mal 20 Mal. Vor Mitte Januar könne man selten von Winter sprechen. Deshalb stellte Hennekes die eher rhetorische Frage: „Brauchen wir künftig wirklich zwei Wochen Weihnachtsferien? Und: Müssen alle Bundesländer gleichzeitig an Fasching Ski-Ferien machen?“ Vielmehr sollte man die Ferien über das ganze Frühjahr verteilen, EU-weit, um damit „das Kulturgut Skifahren zu schützen“, so Harrer. Ein Vorschlag, der nirgends in der Runde auf Widerspruch stieß.

Auch in der zweiten Diskussionsrunde war man sich relativ flott einig, was zu tun ist. Mit dabei: Gela Allmann, die einen 800 Meter tiefen Sturz überlebte und sich ins Leben und den Sport zurückkämpfte, der Olympia-Silbermedaillengewinner im Langlauf Peter Schlickenrieder, der 16-fache Paralympics-Goldmedaillengewinner Gerd Schönfelder und Snowboard-Crosser und X-Games-Medaillengewinner Konstantin Schad, der nach einer Bandscheiben-OP frisch aus dem Krankenhaus aufs Podium stieg.

René Harrer, Thomas Scheck, Peter Hennekes, Antje von Dewitz und Waltraud Lenhart (Quelle: ISPO.com)
Bild: ISPO.com


Die Message des Quartetts war klar und deutlich: „Einfach rausgehen! Nicht so viel überlegen“, empfahl Gela Allmann, „es lohnt sich immer auf den Berg zu gehen!“ Paralympicer Schönfelder meinte: „Auch mit Handicap kann man geil Wintersport treiben, gerade beim Skifahren als Rollstuhlfahrer. Bewegung ersetzt so manches Nahrungsergänzungsmittel.“ Schlickenrieder empfahl: „Einfach mal das Handy wegsperren! Und Wintersport geht auch im Englischen Garten!“ Rekonvaleszent Schad brachte es gut bayerisch auf den Punkt: „Naus bei der Tür! Ich musste jetzt im Krankenhaus drei Tage lang Fernsehen schauen – das ist keine Alternative!“

Ein Beitrag von Thomas Becker, Autor
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