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 Wintersport: Transparenz und Öko-Produkte sind die Zukunft
AWARD | 27.12.2016

Zwei Textil-Experten erklären die Wintersport-Trends

Der Wintersport im Wandel: Transparenz und Öko-Produkte sind die Zukunft

Wintersport: Transparenz und Öko-Produkte sind die Zukunft. Wie müssen die Wintersport-Produkte aussehen, wenn es auf den Pisten wärmer wird? (Quelle: Sympatec)
Wie müssen die Wintersport-Produkte aussehen, wenn es auf den Pisten wärmer wird?
Bild: Sympatec
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Wärmere Winter und kritischere Konsumenten – wie beeinflussen solche äußeren Einflüsse die Produktentwicklung im Wintersportbereich? Zwei Juroren des ISPO AWARD erklären, wie die Wintersport-Industrie darauf reagieren muss.

Der Wintersport erlebt eine stete Veränderung: In den vergangenen Jahren waren die Winter oft wärmer und schneeärmer als früher. Kritischere Konsumenten haben mit dem Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit alte Gewissheiten zerstört. Und auch der demografische Wandel macht sich bemerkbar – das Klientel wird im Durchschnitt älter.

Wie reagieren die Hersteller auf solche externen Faktoren, die sie selbst nicht beeinflussen können? Treiben diese Einflüsse Innovationen an? Wir haben zwei Experten der ISPO AWARD JURY zu diesem Thema befragt.

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Kritische Konsumenten wollen Veränderungen

„Es gibt einige Firmen, die versuchen, durch die Verwendung neuer Materialien oder nachhaltiger Technologien ihren CO2-Ausstoß zu verringern“, bestätigt Benjamin Marias von der französischen Agence Innovation Responsable (AIR) den Einfluss der Konsumenten auf die Produktentwicklung. „Außerdem gibt es Marken, die auf Druck von NGOs wie Greenpeace und PETA weniger giftige Chemikalien verwenden oder die Rechte von Tieren mehr berücksichtigen.“

Dr. Junyan Hu, Wissenschaftlicher Leiter des Institute of Textile and Clothing Hongkong, stimmt Marias darin zu, dass kritische Konsumenten die Produktentwicklung gerade im Textilbereich verändert haben. „Die wichtigste Kraft, die Innovationen antreibt, ist die Suche des Menschen nach einer besseren Lebensqualität“, stellt er fest.

Dr. Hu sieht grüne Textilien als Haupttrend. Als Beispiel nennt er die Fluorkohlenwasserstoffe (PFC) in wasserabweisenden Stoffen. „Neu entwickelte Stoffe wie Columbia OutDry Extreme ECO bestehen aus wasserabweisenden Membranen und Innenfuttern, die ohne PFC auskommen.“

Picture Organic Clothing (l.) achtet auf PFC-freie Kleidung. Columbia OutDry Extreme ECO (r.) kommt mit PFC-freier Membran aus. (Quelle: Columbia / Picture Organic Clothing)
Picture Organic Clothing (l.) achtet auf PFC-freie Kleidung. Columbia OutDry Extreme ECO (r.) kommt mit PFC-freier Membran aus.
Bild: Columbia / Picture Organic Clothing

Sympatex Technologies hat angekündigt, bei der ISPO MUNICH 2017 die erstmals vollständig klimaneutrale „guaranteed green“ Membran vorzustellen. Die Firma kompensiert ab 2017 die CO2-Menge der gesamten jährlichen Membran-Produktion durch Klimaschutzzertifikate.

Lesen Sie hier: Deshalb setzt Columbia auf Outdoor-Jacken mit grünem Gewissen

Veränderungen gleich Innovationen?

Auch Benjamin Marias glaubt, dass externe Faktoren zu Verbesserungen am Markt führen können, will diese aber nicht als „Innovationen“ bezeichnen. Er nennt ebenfalls die Veränderungen seit dem ersten Greenpeace-Report 2012 über PFC in der Kleidung.

Es habe dazu geführt, dass Chemiefirmen und Outdoormarken gemeinsam Alternativen zu PFC gesucht hätten. „Firmen wie Vaude, Lafuma oder Picture Organic Clothing bieten heute PFC-freie Lösungen“, betont er. 


Auch in Sachen Tierrechte habe es nach den Videos von Four Paws und Peta Veränderungen gegeben, seit einige Outdoormarken den Responsible Down Standard eingeführt hätten. „Das hat nicht unbedingt echte Innovationen gebracht“, meint er. „Aber durch die Zusammenarbeit werden Tierrechte mehr respektiert.“

Lesen Sie hier: Der Picture Organic Clothing Gründer erzählt die Geschichte des Outdoor-Unternehmens

Klimawandel führt bisher nicht zu neuen Produkten

Benjamin Marias kann nicht erkennen, dass Marken Produkte entwickelt haben, die direkt auf den Klimawandel reagieren, also dass Firmen multifunktionellere Textilien oder Produkte bieten, die sich an die veränderten Wetter- und Schneebedingungen anpassen.

Er glaubt auch nicht, dass der Klimawandel in Zukunft zu völlig neuen Produktgruppen führen wird. „Das wird eher das Geschäftsmodell der Firmen ändern. Der Verkauf von Ware ist dann nicht mehr der einzige Weg, um Geld zu verdienen."

Benjamin Marias (l.) und Dr. Junyan Hu sind Teil der Jury des ISPO AWARD 2017.
Benjamin Marias (l.) und Dr. Junyan Hu sind Teil der Jury des ISPO AWARD 2017.

Marias weiter: „Die Sharing-Economy ermöglicht es den Firmen, nicht das Produkt, sondern dessen Nutzung zu verkaufen. Das bedeutet für die Konsumenten eine größere Produktauswahl und geringere Umweltbelastung.“ Als Beispiele nennt er Houdini Rent a Shell und Stokeshare.

Neue Produkte für ältere Menschen

Ein äußerer Einfluss, der durchaus zu neuen Produkten geführt hat, ist das höhere Durchschnittsalter der Bevölkerung, verbunden mit mehr sportlich aktiven Senioren.

„Ältere Menschen reagieren empfindlicher auf Stoffe. Sie mögen es leichter, weicher und wärmer. Das hat auch mit physiologischen Körperveränderungen wie verlangsamtem Stoffwechsel und Blutfluss oder einer trockeneren Haut zu tun“, hat Dr. Hu erkannt.

Sein Institut hat daher Socken für ältere Menschen entwickelt, welche die Fußhaut befeuchten, Bakterien reduzieren und besonders weich sind.

Lesen Sie hier: Dieses Unternehmen revolutioniert das Färben von Textilien

Der Klimawandel wird die Produkte nicht beeinflussen – der Konsument dagegen schon. (Quelle: Messe München GmbH)
Der Klimawandel wird die Produkte nicht beeinflussen – der Konsument dagegen schon.
Bild: Messe München GmbH

Transparenz und Öko-Produkte als Trends der Zukunft

Für die ISPO 2017 sieht Benjamin Marias in Sachen „kritische Konsumenten“ Transparenz als großes Thema. „Für uns bei Greenroom Voice ist das die nächste Herausforderung für die Industrie: Transparenz hinsichtlich der Umweltbelastung und der sozialen Auswirkungen bei der Herstellung beeinflusst die Konsumenten immer mehr bei der Wahl eines Produkts. Frankreich, die EU und die Sustainable Apparel Coalition arbeiten in diese Richtung.“

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Dr. Hu glaubt, dass neben weiterer Marktsegmentierung und den Wearable Electronics ökologische Themen eine große Rolle spielen werden. „Die Konsumenten sind wild auf Öko-Produkte. Diese Konzepte werden sich in der Produktentwicklung immer mehr durchsetzen. Natürliche, funktionell behandelte Fasern wie Wolle und Baumwolle werden im Outdoor-Segment immer wichtiger“, ist sich Dr. Hu sicher.

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Andi Spies (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von Andi Spies, Autor
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