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 Diese Label stehen für Nachhaltigkeit in der Sportindustrie
ISPO MUNICH | 22.11.2016

bluesign, GOTS und FWF – was hinter den Siegeln steckt

Diese Label stehen auf der ISPO MUNICH 2017 für Nachhaltigkeit

Diese Label stehen für Nachhaltigkeit in der Sportindustrie. ISPO.com stellt die Label für Nachhaltigkeit auf der ISPO MUNICH vor (Quelle: ISPO/bluesign/GOTS/Fair Wear Foundation)
ISPO.com stellt die Label für Nachhaltigkeit auf der ISPO MUNICH vor
Bild: ISPO/bluesign/GOTS/Fair Wear Foundation
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Nachhaltigkeit gewinnt für Unternehmen und Kunden auf der ISPO MUNICH an Bedeutung. Doch wer blickt im stetig wachsenden Wald aus Ökosiegeln und Soziallabels noch durch? ISPO.com erklärt die wichtigsten Zertifikate, Organisationen und Initiativen für die Sportindustrie.

So wichtig das Thema Nachhaltigkeit ist, so komplex und unübersichtlich ist es auch. Viele Hersteller und Verbraucher interessieren sich heute dafür, wie ein Produkt hergestellt wird und welche ökologischen und sozialen Kosten damit verbunden sind.

Doch obwohl Transparenz ein fundamentaler Baustein jeder nachhaltigen Firmenphilosophie ist, geht der Durchblick bei Gütesiegeln zunehmend verloren.

Lust auf neue und nachhaltige Trends der Sportbranche? Dann seien Sie dabei, wenn die ISPO MUNICH vom 5. bis 8. Februar 2017 ihre Türen öffnet. Hier Tickets bestellen >>>


Grünes Blatt als Kennzeichen auf der ISPO MUNICH

Wer weiß schon genau, welches Label und welche Organisation wofür steht? Bedeutet „ökologisch“ gleichzeitig auch „sozial“ und was ist der Unterschied zwischen einem zertifizierten Produkt und einer zertifizierten Produktion?

Für alle Interessierten hat die ISPO MUNICH nun ein System entwickelt, das auf der nächsten Messe vom 5. bis 8. Februar 2017 seine Premiere feiert. Erstmals werden dort ökologisch und sozial engagierte Firmen mit einem grünen Blatt im Katalog und am Messestand gekennzeichnet.

Besucher können so auf den ersten Blick erkennen, welche Brand sich im Bereich Nachhaltigkeit engagiert. Parallel dazu werden die vielen verschiedenen Zertifikate, Organisationen und Initiativen online erklärt.

Den Anfang machen hier die wohl bekanntesten Labels im Sportsektor: bluesign® system, GOTS und die Fair Wear Foundation.

bluesign® system

Das bluesign®-Label (Quelle: bluesign®)
Das bluesign®-Label
Bild: bluesign®

Das Label „bluesign® product“ gehört innerhalb der Textilindustrie zu den bekanntesten und strengsten Nachhaltigkeits-Siegeln und ist speziell bei Sportbekleidungsmarken verbreitet.

Die bluesign technologies AG in St. Gallen, Schweiz, wurde im Jahr 2000 gegründet und entwickelte das ganzheitliche bluesign® system basierend auf dem Prinzip des Input Stream Management.

Das heißt, es schließt umweltbelastende Substanzen von Anfang an aus dem Fertigungsprozess aus und kann so gleichermaßen sicherstellen, dass das fertige Produkt strengsten Verbraucherschutzanforderungen weltweit standhält.

Insofern betrachtet es nicht nur das einzelne Verbraucherprodukt bezüglich des Verbraucherschutzes, sondern alle Auswirkungen auf Mensch, Umwelt und Ressourcenverbrauch. Ziel ist die Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Von den chemischen Komponenten bis hin zu Emissionen und Energieverbrauch analysiert und kontrolliert das System sämtliche Fertigungsschritte.

Auf Grundlage der „Best Available Technique“ (BAT) werden die Richtlinien und Prozesse erarbeitet, um einerseits Nachhaltigkeitskriterien und andererseits Qualität, Funktionalität und Design der Marktanforderungen zu erfüllen. Sowohl Chemikalienlieferanten, Hersteller sämtlicher textilen Fertigungsprozesse sowie Marken sind Teil des bluesign® system.

Die Firmen werden strengen Assessments unterzogen um die produzierten chemischen Produkte und textilen Komponenten sowie Zubehör zu zertifizieren. Wird ein Produkt aus „bluesign® approved“ Komponenten hergestellt, darf es mit dem Label „bluesign® product“ ausgezeichnet werden.

Das bluesign® system beschränkt sich dabei weder auf bestimmte Rohstoff- und Fasertypen noch auf einzelne Produktionsschritte oder bestimmte textile Verbraucherprodukte.

copyright Burton Snowboards

Posted by bluesign technologies ag on Dienstag, 18. Oktober 2016

Labeling „bluesign® product“ für Verbraucherprodukte

Mindestens 90 Prozent des Textilgewebes muss bluesign®-zertifiziert sein. Dazu gehören insbesondere die Innen- und Außenschichten eines Kleidungsstückes einschließlich aller Drucke. Darüber hinaus müssen mindestens 30 Prozent aller Zutaten wie Reißverschlüsse, Knöpfe und Stickereien bluesign®-zertifiziert sein.

Die restlichen maximal zehn Prozent der Textilien und 70 Prozent der Zutaten, die nicht bluesign®-zertifiziert sind, müssen die strengen Grenzwerte der bluesign®-Kriterien für Verbraucherschutz erfüllen.

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Global Organic Textile Standard (GOTS)

Das Logo des Global Organic Textile Standards (Quelle: Global Organic Textile Standard)
Das Logo des Global Organic Textile Standards
Bild: Global Organic Textile Standard

Der Global Organic Textile Standard (GOTS) gilt als weltweit führender Standard für die Verarbeitung von Textilien aus biologisch erzeugten Naturfasern.

Er ging hervor aus der Zusammenarbeit von vier verschiedenen internationalen Organisationen, die ihre jeweiligen Fachkenntnisse in der ökologischen Landwirtschaft und der umweltverträglichen und sozial verantwortlichen Textilverarbeitung im GOTS vereinigen. Die erste Version des GOTS wurde 2005 veröffentlicht, inzwischen gab es mehrere Updates.

Zwar ist der GOTS vor allem als Label für die Zertifizierung von Biobaumwolle bekannt, tatsächlich ist er jedoch auf alle biologisch erzeugten pflanzlichen und tierischen Naturfasern anwendbar. Synthetisch hergestellte Fasern aus regenerativen Rohstoffen wie zum Beispiel Viscose und Lyocell können dagegen nicht zertifiziert werden.

Der Standard zertifiziert den gesamten Produktionsprozess des Produkts von der Herstellung der Ausgangsfasern bis zum Endprodukt sowie die Lieferkette unter ökologischen und sozial verantwortlichen Kriterien. Bei den sozialen Standards werden jedoch keine existenzsichernden Löhne abgefragt.

Labeling für Verbraucherprodukte

Ganz allgemein können nur Textilprodukte, die mindestens aus 70 Prozent biologisch erzeugten Naturfasern bestehen, ein GOTS-Label erhalten. Darüber hinaus gibt es zwei Label-Stufen.

„hergestellt aus x Prozent kbA/kbT Fasern“: Diese GOTS-Label-Stufe erfordert mindestens 70 Prozent zertifiziert biologisch erzeugte Naturfasern – wobei kbA als Kürzel für kontrolliert biologischer Anbau steht, kbT ist das Kürzel für kontrolliert biologische Tierhaltung.

Es dürfen maximal zehn Prozent synthetische Fasern verwendet werden. Strümpfe, Leggings und Sportbekleidung dürfen aus bis zu 25 Prozent synthetischen Fasern bestehen.

„kbA/kbT“ oder „Bio“ bzw. „organic“: Diese GOTS Label-Stufe erfordert mindestens 95 Prozent zertifiziert biologisch erzeugte Naturfasern. Ausgenommen sind die verwendeten Zutaten und Accessoires.

Der ISPO AWARD ist der Oscar der Sportartikelbranche – und Sie können Teil der Jury werden! Hier erfahren Sie, wie es geht >>>

Fair Wear Foundation (FWF)

Das Logo der Fair Wear Foundation (Quelle: Fair Wear Foundation)
Das Logo der Fair Wear Foundation
Bild: Fair Wear Foundation

Die Fair Wear Foundation (FWF) wurde 1999 als eine sogenannte Multi Stakeholder Organisation in Amsterdam gegründet, das heißt sie ist eine gemeinnützige Organisation, die von Nichtregierungsorganisationen (NGOs), Gewerkschaften und Unternehmensverbänden gesteuert wird.

Ihr Ziel ist die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der globalen Bekleidungsindustrie. Der Fokus innerhalb der Lieferkette liegt bislang vor allem auf der Konfektion, also dem Ort, wo die Stoffe zu fertigen Textil-Produkten zusammengenäht werden.

Herzstück der FWF ist ein Kodex für Arbeitspraktiken und Arbeitnehmerrechte, dem „Code of Labour Practices“, der auf internationalen Standards beruht. Insgesamt acht Punkte regelt der Kodex:

  • die Begrenzung der Arbeitszeit
  • die freie Wahl des Arbeitsplatzes
  • es darf keine ausbeutende Kinderarbeit stattfinden
  • keine Diskriminierung bei der Beschäftigung
  • es muss ein rechtsverbindlicher Arbeitsvertrag geschlossen werden
  • es müssen sichere und gesunde Arbeitsbedingungen herrschen
  • die Versammlungsfreiheit und das Recht auf Tarifverhandlungen dürfen nicht eingeschränkt
  • ein existenzsichernder Lohn muss gezahlt werden.

Labeling für Verbraucherprodukte

Die FWF vergibt keine Zertifikate, man kann nur Mitglied werden und hat dann die Möglichkeit, mit dem FWF-Logo zu werben. Derzeit gibt es 121 Mitglieder. Mitglied werden kann im Prinzip jede Brand, die sich den oben beschriebenen Grundsätzen anschließt und an deren Umsetzung arbeitet.

Insofern versteht sich die FWF als eine sogenannte Lerninitiative. Eine Mitgliedschaft bei der FWF allein sagt somit noch nichts über den tatsächlichen Status hinsichtlich der sozialen Fairness eines Unternehmens aus.


Die dauerhafte Mitgliedschaft ist jedoch daran gekoppelt, wie erfolgreich ein Mitglied den Kodex umsetzt. Wer Grundvoraussetzungen nicht erfüllt oder Mängel innerhalb einer Frist nicht behebt, verliert die Mitgliedschaft.

Gleichzeitig können besonders engagierte Mitglieder einen „Leader Status“ erreichen. Alle Brands, also suspendierte ebenso wie vorbildliche, werden auf der Website veröffentlicht.

Dr. Regina Henkel (Quelle: Dr. Regina Henkel)
Ein Beitrag von Regina Henkel, Autorin
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