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 Sauberer und grüner: Nachhaltigkeit in der Textilindustrie
Textilien | 26.10.2016

Nachhaltigkeitsupdate von ISPO TEXTRENDS

Sauberer und grüner: Nachhaltigkeit in der Textilindustrie

Sauberer und grüner: Nachhaltigkeit in der Textilindustrie. Die Chips werden geschmolzen und in Repreve Recyclinggarne auf Spulen ausgepresst. (Quelle: UNIFI)
Die Chips werden geschmolzen und in Repreve Recyclinggarne auf Spulen ausgepresst.
Bild: UNIFI
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Seit Gründung der ISPO TEXTRENDS wird die Textilindustrie jede Saison durch mindestens ein Merkmal des neuen Megatrends darauf hingewiesen, wie wichtig Nachhaltigkeit für eine sauberere und grünere Herangehensweise an die Themen Energiesparen und soziale Verantwortung ist. Für die Saison Herbst/Winter 18/19 heißt der Megatrend „Inifinite Act“. Er regt zu einem ehrlichen und transparenten Ansatz an.

Mit nachhaltigen Produkten setzt Infinite Act ein starkes Vertrauen der Verbraucher dahingehend voraus, dass sie die bestmögliche Lösung für das Endprodukt erhalten. Dieser Megatrend beinhaltet die unveränderliche ökologische Nachhaltigkeitsbotschaft, kombiniert mit einer starken sozialen Unternehmensverantwortung nicht nur gegenüber der Umwelt, sondern auch gegenüber den Beschäftigten. Es ist eine gute Nachricht, dass die wichtigsten Akteure der Textilbranche sich bereit erklärt haben, ihre Prozesse anzupassen und nach innovativen Lösungen zu suchen.


Nachhaltige Lösungen

Als der Begriff der Nachhaltigkeit aufkam, wurde gemeinhin akzeptiert, dass es sich dabei um einen zentralen Aspekt in der künftigen Entwicklung der Textilindustrie handeln sollte. Die italienischen Textilfabriken Carvico und Jersey Lomellina sind dafür ein gutes Beispiel. Nachhaltigkeit steht bei allen Prozessen ihrer Kollektionen im Fokus; Ökoeffizienz und Ökotransparenz sind zentrale Begriffe dieser Firmen, die im Rahmen ihres Life Cycle Control Programms bemüht sind, ihren Energieverbrauch, ihre Kohlendioxidemissionen und ihren Müll kontinuierlich weiter zu reduzieren.  

Die neueste Entwicklung präsentiert sich in Form einer ökologischen Innovation, denn beide Fabriken setzen sich gemeinsam mit Econyl produced by Aquafil und Healthy Seas für eine sauberere Umwelt nicht nur an Land, sondern auch in den Meeren ein, indem sie Geisternetze einsammeln, recyceln und daraus recyceltes Nylongarn herstellen. Es gibt Daten, wonach sich in den Ozeanen etwa 640.000 Tonnen zurückgelassene Fangnetze befinden. Die Aufbereitung von Abfällen aus dem Meer zu recyceltem Nylon zur Herstellung von Funktionsstoffen für Schwimmbekleidung von Carvico und Jersey Lomellina fügt sich nahtlos in diesen ökologischen Ansatz ein.

Diese Flocken werden anschließend eingeschmolzen und in Repreve Chips umgearbeitet. (Quelle: UNIFI)
Diese Flocken werden anschließend eingeschmolzen und in Repreve Chips umgearbeitet.
Bild: UNIFI

Verarbeitung von Abfällen der ärmsten Bevölkerungsschichten zu Textilien

Recyceltes Polyester aus Plastikflaschen ist eine beliebte Option. Eine gewisse Skepsis bleibt jedoch hinsichtlich des ökologischen Fußabdrucks des Prozesses aufgrund der Transportwege des Abfalls zu den Recyclinganlagen. Thread greift auf eine Art des Recyclings zurück, die nicht nur gut für die Umwelt ist, sondern auch einen starken sozialen Aspekt beinhaltet. Die Marke von Thread heißt „Responsible fabric from Ground to Good“. Verarbeitet werden Plastikflaschen aus Haiti und Honduras. Die Abfälle werden in Fabriken vor Ort gewaschen und geschreddert und schließlich als Chips zur Verarbeitung in Gewebe nach Nordamerika gebracht. Das Gute an der Arbeitsweise von Thread ist nicht nur der Recyclingaspekt, sondern auch die Tatsache, dass Menschen dadurch geholfen wird, der Armut zu entkommen und sich ihr eigenes Einkommen zu sichern. Durch die Geschäftspartnerschaft mit Burlington ist das Konzept einer ökologischen und sozialen Partnerschaft für Hersteller und Verbraucher gleichermaßen attraktiv.

Lesen Sie hier, wie Adidas aus Plastikmüll eine Show machen will

Von der Plastikflasche zur Bekleidung und Outdoor-Ausrüstung

Repreve, die recycelte Polyesterfaser von Unifi, konnte in allen Sparten des Textilmarktes global punkten, auch in den Bereichen Sport- und Outdoorbekleidung. Der Pionier des Recyclingprozesses zerstößt die Plastikflaschen zunächst zu Flocken, die anschließend zu Pellets umgeformt, geschmolzen und zu dem fertigen Garn versponnen werden. In seinem Bestreben, Produkte umweltfreundlicher zu machen, arbeitet das Unternehmen mit dem Who‘s Who der internationalen Marken zusammen. Das Recyclinggarn kommt jedoch nicht nur bei der Herstellung von Kleidungsstücken zum Einsatz: Eagles Nest Outfitters, Hersteller von zusammenfaltbaren Camping-Hängematten und anderem Outdoor-Zubehör, hat kürzlich mit der ENO Billow Air Lounge die erste mit recycelten Wasserflaschen hergestellte, aufblasbare Outdoor-Liege auf den Markt gebracht.

Die ENO Billow Lounge Liege wird aus recycelten Plastikflaschen mit Repreve hergestellt. (Quelle: Eagles Nest Outfitters)
Die ENO Billow Lounge Liege wird aus recycelten Plastikflaschen mit Repreve hergestellt.
Bild: Eagles Nest Outfitters

Jede Billow Air Lounge wird aus Recyclinggarn von Repreve aus insgesamt 16 Plastikflaschen hergestellt. Zu den wichtigsten Features der Liege zählen die dreifach genähten Nylonnähte und die doppelwandige Konstruktion für mehr Robustheit. Die Billow Air Lounge ist tragbar und intelligent aufgebaut. Das Zubehör umfasst eine passende Tragetasche und Stangen und wenn sie gerade einmal nicht im Einsatz ist, lässt sie sich auf ein handliches Format von weniger als 80 cm zusammenfalten. In aufgeblasenem Zustand weist die Liege mit einer Länge von rund 2 m eine bequeme Größe auf.

Sympatex Technologies wies während der Show besonders auf seine nachhaltigen Produkte hin und präsentierte neue Ober- und Futterstoffe aus recycelten PET-Flaschen. Das nach dem Global Recycle Standard zertifizierte Material dieser Schichtstoffe basiert auf einem unter Verwendung recycelter PET-Flaschen hergestellten Garn.

Hier erfahren Sie mehr über nachhaltige Textilien.

Biologische Nachhaltigkeit

Die italienische Fabrik Brugnoli hat mit Br4 ein neues Sortiment einfarbiger und Jacquard-Funktionsstoffe auf den Markt gebracht, die unter Verwendung der EVO-Faser von Fulgar, einem biologischen Polyamid auf Basis von Rizinusöl hergestellt werden. Die Nachhaltigkeit dieses Sortiments liegt nicht nur in dem biologischen Aspekt, sondern auch in der Produktion. Brugnoli bestätigt, dass 30 Prozent weniger Wasser und weniger Energie verbraucht werden. Die Br4-Kollektion zeichnet sich durch Inhalt, Fertigung und Struktur sowie ein hohes Maß an Funktionalität aus.


Senkung des Wasserverbrauchs beim Färbevorgang

Wasser ist eine der größten Herausforderungen, wenn es um Nachhaltigkeit geht. Es ist ein wesentliches Element der Textilherstellung und des Färbeprozesses und ein Element, dessen Verbrauch viele Unternehmen zu senken versuchen. Pepwing tut genau dies mit seinem Dye Free Masterbatch-Färbeverfahren. Das Konzept besteht darin, Polyester mit dem Masterbatch ohne Wasser zu verschmelzen. Das Ergebnis ist ein gefärbter Chip, der dann zu Garn ausgepresst wird. Da die Färbelösung mit den Polyesterchips verschmolzen ist, besteht keine Gefahr des Verlaufens oder Wanderns von Farbe in das Endgewebe. Der Vorteil dieser Neuentwicklung ist, dass der prozessinterne Wasserverbrauch um 50 Prozent gesenkt werden kann und die im Pepwing Dye-Free-Verfahren hergestellten Gewebe eine höhere Farbfestigkeit aufweisen. Dazu kommt, dass das Endprodukt ebenfalls recycelbar ist.

Stars at the ISPO MUNICH 2016 (Quelle: Messe München GmbH)
Eine Kolumne von Louisa Smith, Trend-Scout
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