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 Billabong & Co.: Warum die Surf-Branche in der Krise steckt
Sportbusiness | 29.09.2016

Kommentar: Warum die Boards-Industrie in der Absatzkrise steckt

Billabong, Quiksilver & Co. in der Krise: Aus der Nische auf die große Welle und zurück

Billabong & Co.: Warum die Surf-Branche in der Krise steckt. Billabong und weitere Surf-Firmen stehen vor großen Herausforderungen (Quelle: Imago)
Billabong und weitere Surf-Firmen stehen vor großen Herausforderungen
Bild: Imago
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Billabong, Quiksilver & Co. schafften vor Jahren den Aufstieg zu Trend-Marken. Doch die fetten Jahre sind längst vorbei. Die Boardsport-Industrie steckt in einer Absatzkrise. Dabei sind die Gründe hausgemacht. Ein Kommentar von ISPO.com-Autor Markus Huber.

Was ist eigentlich los mit der Boardsports-Branche? Jahrelang ritt sie auf der Welle des Erfolgs und muss sich jetzt wieder ein wenig mehr in Bescheidenheit üben.

Im Eifer des Gefechts wurde es offenbar verpasst, sich um die langfristige Bindung der Kunden zu kümmern. Es ist Zeit, diesen Erwerbszweig neu zu erfinden. Eine Bestandsaufnahme.


Billabong und Quiksilver kriseln

Zuletzt gab es aus der Surf-Industrie nicht viel zu hören, was große Begeisterung auslösen dürfte. Da sind zum einen die durchwachsenen Geschäftszahlen von Billabong, eines der Weltmarktführer in diesem Bereich.

Das Unternehmen bemüht sich, sich gesund zu schrumpfen, hat aber noch eine Wegstrecke vor sich. Der große Mitbewerber Quiksilver surfte im letzten Jahr in die Insolvenz. Ausgang offen.

Die gute Nachricht: Surfen bleibt gefragt

Es ist höchste Zeit, sich mit den Problemen dieser Branche ernsthaft auseinanderzusetzen.

Die gute Nachricht vorweg: Gesurft wird nach wie vor – ob mit Kite oder ohne – wo es die Bedingungen zulassen.

Die Hot Spots der Szene sind beliebter denn je, egal ob in Australien, den USA, Frankreich, Spanien oder neuerdings auch in China. Das Interesse an diesen Sportarten als solche ist da – wie eh und je.

Lesen Sie hier: Veteran Rasmus Ostergaard über den Wandel der Action-Sports-Branche

Im Wintersport abgehängt

Größere Probleme bereiten die Ausflüge in den Wintersport. Die Surf-Firmen haben verständlicherweise in Snowboarding investiert, um auch in der kalten Jahreszeit erfolgreich zu sein. Leider wurde nicht verstanden, dass sich die Trends wieder zurück zum Ski entwickelt haben.

Diese Entwicklung wurde versäumt: Inzwischen laufen die interessanteren Geschäfte ganz oben am Berg abseits der Pisten und der Halfpipes. In letzterer sitzen die Surf-Firmen nun auf dem Hosenboden und wundern sich.

Einer der Gründe: In den besseren Zeiten wurden die großen Surf-Firmen gierig, sind an die Börse gegangen und haben sich selbst zum Wachstum verpflichtet – um jeden Preis. Beispiele dafür sind Billabong und Quiksilver.

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Posted by Billabong on Dienstag, 27. September 2016
 

Rip Curl als Gegenmodell

Ein interessantes Gegen-Exempel ist Rip Curl: Das australische Unternehmen ist stets auf dem Teppich geblieben, was sich offenbar auszahlt. Andere Firmen waren insofern gierig, als sie versuchten, den Einzelhandel unter ihre Kontrolle zu bekommen.

Dies geschah zumeist durch den Zukauf von Ladenketten oder den Aufbau eigener Online-Shops. Im Zuge der Sanierung hat Billabong inzwischen kräftig zurückgerudert, um sich auf die Kernkompetenzen zu konzentrieren.

Dazu gehört das Design und die Entwicklung von lässiger und funktioneller Bekleidung und weniger der Verkauf an den Endkunden.

Falsche Schwerpunkte rächen sich

Zudem patzten Hersteller bei der Einschätzung der Szene. Sich auf Surfer und Boarder zu konzentrieren führte zur Tendenz, dass man nicht mehr nach links und rechts schaute.

Ein Beispiel dafür sind die Messe-Aktivitäten in Südwest-Frankreich, wo zwar die Kernklientel angesprochen wurde (mit schwankendem Erfolg), aber nicht der Mainstream-Markt.

Hier gäbe es auf der ISPO MUNICH wohl die bessere Gelegenheit, auf Händler zu stoßen, die ein deutlich breiteres Publikum mit Bekleidung versorgen.

Outdoor-Industrie macht es vor

Letztlich wurde schlicht versäumt, die Kundenbasis zu erweitern. Hier hätten die Boardsportler etwas von der Outdoor-Industrie lernen können. Die hatten immer auch ein Auge für Kunden, die Hosen in Übergröße brauchen.

Mit Modell-Athleten und Bikini-Schönheiten alleine wird man vor allem dann nicht weiterkommen, wenn sich diese andere Sportarten zuwenden. Dies geschieht – zum Teil – auch aus Altersgründen.


Öffnung ist der Schlüssel

Dies alles soll nicht bedeuten, dass der Zug für diese Industrie abgefahren ist. Um wieder auf die Welle des Erfolges zurückzukehren, wird es allerdings Anstrengungen bedürfen.

Der zentrale Aspekt ist hier ganz sicher die Öffnung gegenüber neuen (oder inzwischen älter gewordenen) Kunden. 

Markus Huber (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von Markus Huber, Autor
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