ISPO.com is also available in English ×
 Geld für Gold: Medaillen-Prämien bei Olympia 2016 in Rio
Olympia | 05.08.2016

Olympische Spiele – was eine Goldmedaille wert ist

Medaillen-Prämien bei Olympia 2016 in Rio: Deutsche Athleten kassieren wenig

Geld für Gold: Medaillen-Prämien bei Olympia 2016 in Rio. Vielseitigkeitsreiter Michael Jung präsentiert stolz seine Gold- und Silber-Medaille bei Rio 2016. (Quelle: Imago)
Vielseitigkeitsreiter Michael Jung präsentiert stolz seine Gold- und Silber-Medaille bei Rio 2016.
Bild: Imago
Artikel bewerten:
Was kassiert man für einen Olympia-Sieg? Von wegen Gold macht reich: Deutschlands Athleten bekommen bei den Olympischen Spielen in Rio 2016 eher niedrige Medaillen-Prämien. Und: Gewinnt ein Athlet mehrere Goldmedaillen, gibt es trotzdem nur einmal die Prämie.

Trotz der niedrigen Olympia-Prämien hat sich in Deutschland ein System entwickelt, das den Leistungssport fördert. Von den insgesamt 449 deutschen Athleten in Rio sind 127 bei der Bundeswehr und 80 bei der Bundespolizei beschäftigt. Manche sagen sogar: Wenn du sportlichen Erfolg haben willst, musst du zur Bundeswehr.

ISPO.com erklärt, welche Nation bei den Sommerspielen in Rio (5. bis 21. August) ihren Sportlern am meisten zahlt, warum die deutschen Athleten nur so wenig Geld bekommen und wie eng die Bundeswehr mit den deutschen Goldhoffnungen verbunden ist.

Die deutschen Medaillenprämien bei Olympia 2016 in Rio

Für Gold in Rio zahlt die Stiftung Deutsche Sporthilfe 20.000 Euro, Silber bringt 15.000 Euro, Bronze 10.000 Euro. Das ist deutlich mehr als bei den Olympischen Spielen 2012 in London: Damals hatten die Prämien 15.000 Euro (Gold), 10.000 Euro (Silber) und 7.500 Euro (Bronze) betragen.

Aber: Jeder bekommt die Medaillenprämie nur einmal. Falls also ein Sportler zweimal Gold gewinnt, kassiert er „nur“ 20.000 Euro. Zum Beispiel Michael Jung: Der Vielseitigkeitsreiter erhält für seine Gold- und Silbermedaille nur eine Prämie.

Als Mannschafts- oder Staffelsportler gibt's weniger; deren Prämien wurden „gesondert durch den Gutachterausschuss“ festgelegt, teilte die Sporthilfe mit.

Um die Kleidung müssen sich die Athleten immerhin nicht selbst kümmern. Ausrüster Adidas hat eine mutige Kollektion für Rio entworfen.


Auch für Platz vier gibt es Geld

Nicht nur die Medaillengewinner werden mit Prämien belohnt – auch die sogenannten Endkampfplatzierungen bringen Geld. Für Platz vier gibt es 5000 Euro. Platz fünf: 4000 Euro, Platz sechs: 3000 Euro, Platz sieben: 2000 Euro, Platz acht: 1500 Euro.

Alle Prämien – also auch die Medaillenprämien – werden übrigens erst ein Jahr nach dem Ende der Sommerspiele ausgezahlt. Die Auszahlung erfolgt über zwölf Monate.

Millionen von der Deutschen Sporthilfe

Je mehr Medaillen gewonnen werden, desto teurer wird es also für die Deutsche Sporthilfe. Doch das nimmt der Deutsche Olympische Sportbund natürlich gerne in Kauf: Der DOSB hat 50 Medaillen als Ziel ausgegeben.

2012 nach den Sommerspielen von London zahlte die Deutsche Sporthilfe etwa 1,3 Millionen Euro an erfolgreiche Athleten aus – nach den Spielen von Rio könnte es wegen den Prämien-Erhöhungen deutlich teurer werden. 

Die Deutsche Sporthilfe finanziert sich übrigens überwiegend aus Spenden, Fundraising, Lotterie- oder Briefmarkenerlösen.

Lesen Sie hier vom Milliardengeschäft der Sponsoren bei Olympia 2016.

Satte Olympia-Siegprämien in anderen Ländern

Im internationalen Vergleich sind die deutschen Medaillen-Prämien aber eher Peanuts. Kenia ist eine der wenigen Nationen, die weniger zahlen als Deutschland: Die wegen Dopingvergehen in die Kritik geratene Läufer-Nation zahlt für Gold in Rio umgerechnet „nur“ 10.000 Euro.

In Rumänien hingegen gibt es für Rio-Gold 70.000 Euro, in Italien gar 150.000 Euro.

Diese Beträge sind aber noch lange nicht die höchsten Medaillenprämien. Die Athleten aus Indonesien würden richtig abkassieren und erhalten das 17-Fache der Deutschen für eine Goldmedaille: Exakt 345.000 Euro.

Zum Vergleich: Während in Deutschland das durchschnittliche Einkommen bei rund 3000 Euro liegt, sind es in Indonesien etwa 3300 – allerdings pro Jahr. 

Die Olympia-Kollektion von Adidas


In London 2012 bot Singapur seinen Athleten 800.000 US-Dollar für Gold, Georgien gut 700.000 Dollar und Aserbaidschan 510.000 Dollar. Sogar Thailand lobte 310.000 Dollar aus, zahlbar über 20 Jahre. In China werden die Olympiasieger mit Häusern oder Apartments ausgestattet, anderswo mit lebenslanger Unterstützung.

Lesen Sie hier: Das IOC verbietet Firmen Olympia-Hashtags: Das ist erlaubt, das ist verboten.

Warum Deutschland im Vergleich wenig zahlt

Als Deutscher muss man es sich leisten können, seine Sportart so professionell zu betreiben, um sich für Olympia zu qualifizieren. Das hängt zum einen mit den begrenzten Mitteln der Sportförderung zusammen.

Zum anderen geht viel Geld in die berufliche Absicherung der Olympia-Starter. Viele sind zum Beispiel bei der Bundespolizei, Bundeswehr oder dem Zoll beschäftigt und werden für sportliche Maßnahmen freigestellt.

Durch das Elite-Programm (Sponsor Mercedes-Benz) wird etwa ein Drittel der Mitglieder des deutschen Olympiateams mit jeweils 400 bis 800 Euro pro Monat unterstützt. Knapp 50 Sportler sind zudem im Eliteplus-Programm, das über maximal eineinhalb Jahre 1800 Euro im Monat garantiert.

Peggy Waleska (l.) erhält vermutlich nicht so viel für ihren Olympiasieg wie ihre neuseeländischen Kolleginnen Georgine und Caroline Evers Swindell (Mitte) oder Sarah Winckless (GB). (Quelle: Imago)
Peggy Waleska (l.) erhält vermutlich nicht so viel für ihren Olympiasieg wie ihre neuseeländischen Kolleginnen Georgine und Caroline Evers Swindell (Mitte) oder Sarah Winckless (GB).
Bild: Imago

Die Sporthilfe sieht sich als Karrierebegleiter – finanziell aussorgen kann man mit den Olympia-Prämien mit Sicherheit nicht. Allerdings haben einige Sportler mit ihren Sponsoren Medaillen-Prämien für Olympia 2016 ausgehandelt. Damit lassen sich die 20.000 Euro für Gold deutlich aufstocken.

Lesen Sie hier, was Usain Bolt von Ausrüster Puma bekommt.

Geringer Wert: Goldmedaillen sind aus Silber

Wer als Olympiasieger von Rio irgendwann in finanzielle Nöte gerät, sollte die Idee, seine Goldmedaille einzuschmelzen, schnell verwerfen: Die Plaketten bestehen nur etwa zu einem Prozent aus Gold, der Großteil ist Silber. Experten haben den reinen Materialwert ausgerechnet: gerade mal 500 US-Dollar.

Ideell ist der Wert natürlich wesentlich höher. Boxer Wladimir Klitschko verkaufte seine Olympia-Goldmedaille von 1996 beispielsweise für eine Million Dollar an einen unbekannten Bieter auf einer Auktion und legte damit den Grundstein für die Stiftung der Klitschko-Brüder. Sie unterstützt Kinder beim Sporttreiben in der Ukraine – eine wahrhaft goldene Idee.

Das sind die Top-Verdiener bei Olympia


Kommentare
Lars Becker (Quelle: Lars Becker)
Ein Beitrag von Lars Becker, Autor
Top Themen
ISPO Newsletter
ISPO Newsletter
Jetzt anmelden
Social Media