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 Händler unter Druck: Preisbindung bei Sportartikeln?
Retail | 27.07.2016

Vorwürfe vom Bundesverband Onlinehandel

Preisbindung im Onlinehandel von Sportartikeln: Händler unter Druck

Händler unter Druck: Preisbindung bei Sportartikeln?. Vor dem Ausflug droht die Preisfalle: Können die Händler ihre Preise frei bestimmen? (Quelle: Thinkstock)
Vor dem Ausflug droht die Preisfalle: Können die Händler ihre Preise frei bestimmen?
Bild: Thinkstock
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Der Vorwurf des Bundesverbands Onlinehandel (BVOH) ist heftig: Er wirft den Herstellern Einflussnahme auf die Preisgestaltung im Onlinehandel vor. Vorgaben, die in Deutschland verboten sind. Eine Preisbindung dürfte es eigentlich nicht geben, doch die Hersteller wissen, wie sie Druck ausüben können. Auch Sportartikelhersteller sind von den Vorwürfen betroffen. 

Der Lobby-Verband BVOH sei nach eigener Darstellung um die Zukunft seiner Mitglieder besorgt – insbesondere, wenn es um die kleineren Händler geht. Demnach stünden „tausende kleiner und mittelständischer Onlinehändler in Deutschland und anderen europäischen Ländern vor dem Aus“. Diese düsteren Zahlen ergab eine europaweite Umfrage.

Mehr als 10.000 Unternehmen hätten schon Mitarbeiter entlassen, weil es nicht mehr anders geht. Eine ganze Reihe von ihnen stünde vor der Insolvenz.


„Händler beklagen Umsatzverluste“

Der BVOH vertritt die Interessen der Online-Händler gerne vehement. Diesmal gehe es nach der Auffassung des Dachverbandes aber tatsächlich um das Fortbestehen der Unternehmen.

Die Schuldigen wurden schnell ausgemacht: die Markenlieferanten. „Ihre (die Händler, Anm. d. Red.) Existenz steht auf dem Spiel, weil sie Opfer wettbewerbswidriger Verhaltensweisen von Herstellern und Markeninhabern sind. Allein in Deutschland macht rund ein Fünftel der Online-Händler aufgrund dieser Beschränkungen einen jährlichen Verlust von mehr als 25 Prozent. Fast 50 Prozent der deutschen Händler beklagen sich über Umsatzverluste durch Herstellerbeschränkungen.“

Sportmarken als Pioniere im Online-Streit

Diese Beschränkungen rief sogar das Bundeskartellamt auf den Plan: Es ging um die Preisbindung bei Internet-Geschäften, die von einigen Herstellern vorgeschrieben wurde. Zuletzt berichtete die ARD von der Praxis, dem Einzelhandel die Preise vorzuschreiben, obwohl dies in Deutschland verboten ist.

Stattdessen klagten führende Sportartikelhersteller beim Kartellamt, dass ihre Marken im Handel nicht ordentlich dargestellt wurden: ein schiefes Logo sei auf der Seite, die wie ein „Wühltisch“ aussehe, lautet nur einer der Vorwürfe.

Entscheidend ist jedoch, dass der Verdacht aufkam, dass die Lieferanten ihre Marktmacht ausnutzen, um auf die Händler Druck zu machen, damit die Preise stabil bleiben. Diese Preisbindung ließ das Kartellamt nicht durchgehen, wie sich die Marktführer das vorstellten. Prominente Beispiele sind Asics (Laufschuhe), Deuter (Rucksäcke) und Adidas als Branchenprimus im vielen Bereichen.


Lieferschwierigkeiten als Druckmittel

Unter den verschiedenen Argumenten, die vorgetragen wurden, gab es zudem das spezielle Problem der „Online-Marktplätze“ wie eBay. Die Marken sehen die Bedingungen, wie dort ihre Produkte verkauft werden und den Flohmarkt-Charakter der Seite, kritisch. 

Der BVOH geht sogar noch weiter und spricht von „Verboten, auf Online-Marktplätzen zu verkaufen“. Das ist sachlich nicht korrekt, zeigt aber trotzdem dass die Hersteller Möglichkeiten haben, die Händler zu schikanieren. Rechtlich gesehen, muss der Lieferant den Bestandskunden versorgen, solange Letzterer seine Rechnungen begleicht. Trotzdem gibt es inoffizielle Methoden wie plötzlich auftretende Lieferschwierigkeiten, damit der Händler ohne Ware dasteht.

Lesen Sie hier: Wo die Digitalisierung im Einzelhandel Grenzen hat

Verbraucher müssen mehr bezahlen

BVOH-Präsident Oliver Prothmann ist keineswegs amüsiert – nicht nur im Hinblick auf die Händler, sondern auch auf die Verbraucher: „Beschränkungen haben nicht nur negative Folgen für den Handel. Auch die Verbraucherinnen und Verbraucher werden erheblich durch die Vertriebsbeschränkungen geschädigt: Sie zahlen häufig deutlich mehr für Produkte, als sie es bei einem funktionierenden Wettbewerb müssten. Das darf nicht so bleiben.“

Einen konkreten Beweis gibt es allerdings nicht. Grundsätzlich ist aber klar, dass es hier weniger um eine Auseinandersetzung mit dem Verbraucher geht, sondern eher um einen Streit zwischen Lieferanten und Verbrauchern. Immerhin zeigt „Choice in eCommerce – der Initiative für Vielfalt und Innovation im Onlinehandel“, dass Online-Marktplätze von 12 Prozent der Händler als wichtigster Vertriebskanal erachtet werden.

Markus Huber (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von Markus Huber, Autor
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