ISPO.com is also available in English ×
 Euro 2016: Deutsche Wirtschaft zittert mit Nationalmannschaft
Sportbusiness | 29.06.2016

Händler profitieren von der Fußball-EM

Euro 2016: Wie die deutsche Wirtschaft mit der Nationalmannschaft zittert

Euro 2016: Deutsche Wirtschaft zittert mit Nationalmannschaft. Deutsche Fußballfans fiebern mit dem DFB-Team – und sorgen für Umsatz. (Quelle: Imago)
Deutsche Fußballfans fiebern mit dem DFB-Team – und sorgen für Umsatz.
Bild: Imago
Artikel teilen:
Artikel bewerten:
Die Euro 2016 in Frankreich rechnet sich. Das Fußball-Großereignis kurbelt nicht nur im EM-Gastgeberland den Konsum an. Entscheidend ist, wie weit die jeweilige Nationalmannschaft kommt. An Sieg und Niederlage hängen Millionen. 

54 Millionen Engländer sind raus aus der Euro 2016. Die Blamage der „Three Lions“ im EM-Achtelfinale gegen Island bedeutet längst nicht nur, dass 23 Fußballspieler und deren Betreuerstab nach Hause fahren müssen. Sondern auch, dass in England viele Nike-Trikots, Millionen Liter Bier und Tausende Zeitungsexemplare weniger verkauft werden. Logisch: Ist das eigene Team raus, sinkt das Interesse am Event rapide.

Euro 2016 beeinflusst Werbeausgaben erheblich

Am Wohl und Wehe des Erfolgs der Nationalmannschaften hängen gewaltige Summen. Auch wenn sich das Deutschland-Trikot nicht so gut verkauft wie beim WM-Titelgewinn 2014: die Wirtschaft profitiert ordentlich von der Euro 2016. Im Gastgeberland Frankreich gehen die Zusatzeinnahmen in den Milliardenbereich.


Für die Experten vom Marktforschungsinstitut Nielsen ist die Sache klar: Die EM ist wichtiger als Weihnachten. Zumindest für die Werbewirtschaft. Drei Prozent betrug der Anteil fußballbezogener Kampagnen von März bis Mai an den gesamten Werbeausgaben, im Juni stieg diese Zahl erwartungsgemäß weiter. Der Anteil weihnachtsbezogener Werbung in der Vorweihnachtszeit beträgt dagegen nur zwei Prozent. Insgesamt sollen die Werbungs-Umsätze in Deutschland auch durch die EM in diesem Jahr um zwei Prozent anwachsen.

1,3 Millionen DFB-Trikots weltweit verkauft

Sportartikelhersteller Adidas verkündete, dass das DFB-Trikot im ersten Halbjahr 2016 weltweit 1,3 Millionen Mal verkauft worden sei. Das reicht zwar bei weitem noch nicht an die Zahlen der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 heran, als etwa drei Millionen Trikots des deutschen Nationalteams über die Ladentische gingen.

Wenn man allerdings den empfohlenen Verkaufspreis von 85 Euro für ein DFB-Trikot bedenkt (rund 16 Euro bleiben beim Hersteller), kann man die Zusatzeinnahmen für die Sportartikelindustrie abschätzen. Zumal Adidas bei der EM ja zahlreiche Nationalteams ausrüstet. Das Trikot der EM-Überraschung Ungarn zum Beispiel war so begehrt, dass es fast nicht mehr zu bekommen war. Das Errea-Dress der Isländer ist nach dem Achtelfinal-Sieg gegen England sogar komplett vergriffen.

„Deutsches EM-Endspiel hat Wert eines Silvestergeschäfts"

Gute Beispiele, um zu erkennen, wie sehr der fußballerische Erfolg der Nationalmannschaften die Wirtschaft in den Heimatländern beeinflusst. Kommt Deutschland ins EM-Finale, profitieren Sportartikelhersteller, Brauereien, Fanartikelverkäufer, Gastronomie-Betriebe, Medienunternehmen und letztlich auch der Staat.

„Trikot- und Fanartikelverkäufe werden bei entsprechend gutem Abschneiden der DFB-Elf anziehen“, sagte Intersport-Vorsitzender Kim Roether vor der EM. Und Volker Kuhl, Geschäftsführer Marketing/Vertrieb von Veltins, sagte bereits vor vier Jahren: „Ein deutsches Endspiel hat sicherlich nahezu den Wert eines Silvestergeschäftes.“


Adidas rechnet mit Rekordumsatz von 2,5 Milliarden Euro

Bei Adidas rechnet man im Fußball-Bereich für 2016 mit einem Rekordumsatz von 2,5 Milliarden Euro – das wären 300 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Kein Wunder, dass der scheidende Adidas-Chef Herbert Hainer „sehr zufrieden“ mit den Zahlen ist.

Was ein WM-Triumph wert sein kann, erlebte Adidas vor zwei Jahren: Rekordumsatz im Heimatmarkt Deutschland.

Frankreich: Zusatzeinnahmen im Milliardenbereich

Auch Frankreich profitiert von der Fußball-Großveranstaltung im eigenen Land. Laut einer von der Europäischen Fußball-Union (Uefa) in Auftrag gegebenen Studie beim Rechts- und Wirtschaftszentrum Sport in Limoges sind Netto-Zusatzeinnahmen von 1,27 Milliarden Euro zu erwarten. 800 Millionen Euro davon sollen allein die geschätzten 2,5 Millionen Fans in die Kassen bringen. Der Staat darf Steuer-Mehreinnahmen im Bereich von 178 Millionen Euro erhoffen.

Das EM-Stadion in Bordeaux wurde von den Schweizer Archtikten von Herzog & de Mauron entworfen und kostete rund 183 Millionen Euro. (Quelle: Imago)
Das EM-Stadion in Bordeaux wurde von den Schweizer Archtikten von Herzog & de Mauron entworfen und kostete rund 183 Millionen Euro.
Bild: Imago

100.000 Arbeitsplätze zusätzlich durch EM

Schon im Vorfeld kurbelte die Euro 2016 die französische Wirtschaft an. Durch die Renovierung von sechs und den Neubau von vier Stadien entstanden 20.000 Arbeitsplätze. Alle Stadieninvestitionen lagen bei rund 1,5 Milliarden Euro, vom Staat kamen davon nur zehn Prozent. Den Rest brachten Vereine und Investoren auf.

Rund um die EM haben etwa 100.000 Menschen zusätzlich einen Job in Frankreich gefunden. Und auch in Deutschland bringt das Großereignis zusätzliche Jobs und Einnahmen, obwohl auch hier die Zahlen der WM 2014 bei Weitem nicht erreicht werden. „Eine Kontinentalmeisterschaft rangiert von der Bedeutung für die Branche deutlich hinter einer Weltmeisterschaft, aber noch vor Olympia“, erklärt Branchenkenner Thomas Jökel von der Union Investment.



DFB profitiert von neuem Ausrüstervertrag

Das Geld fließt zumindest teilweise in den Fußball zurück. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat seinen Ausrüstervertrag mit Adidas während der EM bis 2022 verlängert. Statt geschätzten 25 Millionen Euro kassiert der Verband künftig geschätzte 50 bis 60 Millionen Euro pro Jahr. Die letztendliche Summe ist auch erfolgsabhängig.

Der Verband und die Fans würde es der Mannschaft von Joachim Löw danken, wenn sie auch in Paris triumphieren würden. Und so mancher Geschäftsführer würde besonders laut mitjubeln.

Lars Becker (Quelle: Lars Becker)
Ein Beitrag von Lars Becker, Autor
Kommentare
ISPO Newsletter
Jetzt anmelden
Social Media