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 Die neuen Stars des fernen Ostens
China | 11.03.2016

Spielerwechsel in die Chinese Super League

Die neuen Stars in China: Wie Fußballer und Trainer ins Reich der Mitte gelockt werden

Die neuen Stars des fernen Ostens. Jackson Martinez (Quelle: imago/China Foto Press)
Einer der neuen Stars in der Chinese Super League: Der Kolumbianer Jackson Martinez.
Bild: imago/China Foto Press
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Schon in der Winterpause 2015/2016 zeigte sich eine neue Entwicklung im Fußballspieler-Transfermarkt: Noch nie wechselten so viele Spieler für so viel Geld nach China. Dabei hat die Vergangenheit gezeigt, dass viele Stars in Chinas Super League nicht glücklich wurden.

Der Wechsel galt schon fast als sicher. Renato Augusto, einst Mitteldfeldkünstler bei Bayer Leverkusen, stand kurz vor einer Rückkehr in die Bundesliga. Schalke 04 wollte den Brasilianer verpflichten. Aber es kam anders: Augusto landete in Chinas Super League.

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Seine Begründung: „Ich habe China nicht ausgewählt, China hat mich gewählt.“ Der 28-Jährige sagt: „Als Spieler hast du zehn Jahre, um Geld zu machen. Wenn solch ein Angebot kommt, denkt man an die Zukunft seiner Kinder und sogar der Enkelkinder.“ Das China-Angebot sei eines gewesen, „das ich nicht ablehnen konnte".

Die neuen Stars der Chinese Super League


Und er kam nicht allein. Ehemalige Bundesliga-Stars wie Zvjezdan Misimović, Demba Ba und Sejad Salihović spielen bereits seit Längerem in der Chinese Super League. Der einstige Nationalspieler Mike Hanke beendete dort seine Karriere. Kamen zuletzt meistens nur Spieler zum Ausklang ihrer Laufbahn ins Reich der Mitte, wie Didier Drogba oder Nicolas Anelka, so zieht es jetzt auch Spieler im besten Fußballer-Alter nach China.

Hulk kassiert 20 Mio. Euro jährlich

Alex Teixeira, 26, kam für 50 Millionen Euro von Shaktar Donezk zu JS Suning. Guangzhou Evergrande holte für 42 Millionen den 29-jährigen Jackson Martinez von Atlético Madrid. Chelsea kassierte 28 Millionen für Ramires. Der Brasilianer heuerte wie Teixeira bei JS Suning an.

Den Rekord brach Stürmerstar Hulk im Sommer 2016: Er wechselte für rund 56 Millionen Euro von Zenit St. Petersburg zu Shanghai SIPG und soll nun jährlich fast 20 Millionen Euro Gage kassieren.

Andere prominente Namen sind Gervinho, Paulinho und Fredy Guarin, für die auch alle zweistellige Millionensummen auf den Tisch gelegt wurden. Ezequiel Lavezzi wechselte für 30 Millionen von Paris St. Germain zu Hebei China Fortune.

In Deutschland pflegt Werder Bremen die besten Kontakte nach China, insbesondere zum Liaoning FC: Wurde im Januar 2016 Innenverteidiger Assanyi Lukimya für vergleichsweise läppische zwei Millionen Euro transferiert, folgte im Juli Stürmerstar Anthony Ujah für stolze 11,5 Millionen. Im selben Monat ließ der FC Augsburg den Südkoreaner Jeong-Ho Hong für sechs Millionen Euro zu JS Suning ziehen.

Auch andere Spieler bekamen gut dotierte Angebote aus Chinas Super League, darunter Frankfurts Alexander Meier, BVB-Stürmer Adrian Ramos, VfB-Angreifer Martin Harnik und Wolfsburgs Spielmacher Luiz Gustavo. Bei Ramos schob Dortmund einen Riegel vor, nachdem zuvor bereits in Jonas Hofmann und Adnan Januzaj zwei Offensiv-Kräfte abgegeben wurden.


Die Erfahrungen sind dabei durchaus gemischt. Misimovic, der einst beim FC Bayern spielte, sagte gegenüber der „Bild“: „Es ist für jeden Spieler auch eine riesige Erfahrung. Ich kann jedem nur dazu raten.“

Der Bosnier geht auch davon aus, dass mehr Stars den Weg nach China finden. Hanke, WM-Teilnehmer 2006, zieht eine andere Bilanz: „Der Verkehr war kaum geregelt. Jeder Flug hatte mindestens eine Stunde Verspätung. Wahnsinn! Mit zwei Kindern ist es nicht möglich, dort zu leben.“

Flucht aus China

John Jairo Mosquera wechselte bereits 2012 von Union Berlin nach China, um bereits nach einem Jahr bei Energie Cottbus anzuheuern. Sein flapsiges Fazit: „Ich will in meinem ganzen Leben keinen Reis mehr sehen. In Cottbus habe ich mir sofort eine Bratwurst und einen Döner geholt.“

Die größten Stadien der Chinese Super League

Auch die beiden alternden Stars Didier Drogba (mittlerweile bei Montreal Impact in der Major Soccer League) und Nicolas Anelka (Karriereende) kamen nach nur einer Saison in China wieder nach Europa. Die beiden Stürmer – die nicht dafür bekannt sind, den sportlichen Aspekt höher zu stellen als den monetären – gaben dennoch ihre fußballerischen Ambitionen als Grund für die Rückkehr an.

Die Fälle Hanke, Mosquera, Drogba und Anelka haben gezeigt, dass der Fußball in China noch strukturelle Probleme hat und viele Spieler Probleme bei der Anpassung an Kultur und Sprache haben. Immerhin: Den Hamburger SV, der in der sportlichen Krise nach einem Sportdirektor wie Felix Magath suchte, ließ der Meistertrainer abblitzen. Er habe schließlich Vertrag beim SD Luneng, teilte Magath mit.

Viele Grüße von der Insel Hainan im Südchinesischen Meer! Für alle, die sich fragen, warum wir direkt nach Saisonende...

Posted by Felix Magath on Sonntag, 6. November 2016

Zumindest im strukturellen Bereich ist es der Wunsch von Investoren und Staatsführung, dass in den Vereinen nach den enormen Transferaktivitäten auch eine Professionalisierung des Sports vonstatten geht. Auch mit Hilfe von DFL und DFB. Die deutschen Verbände haben eine Kooperation mit dem chinesischen Fußball-Verband beschlossen. Es gehe um Hilfestellungen, Transferleistungen und Gedankenaustausch, heißt es.

Aber auch wenn es noch dauern wird, bis dieser Prozess abgeschlossen ist, werden weitere Spieler Angebote bekommen, die sie nicht ablehnen können.

Lesen Sie hier über die wirtschaftlichen Hintergründe der chinesischen Fußballexpansion und den Versuch, Fußball im Reich der Mitte neu aufzubauen.

Lesen Sie hier, wie zwei Spielerberater die Entwicklung beurteilen und die Konsequenzen für den Spielermarkt. 

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Jasper Ruppert (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von Jasper Ruppert, Autor
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