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 Weltpremiere: Chinas Skisport erstmals in Zahlen
ISPO-BEIJING | 25.02.2016

White Book auf der ISPO BEIJING

Weltpremiere: Chinas Skisport erstmals in Zahlen

Weltpremiere: Chinas Skisport erstmals in Zahlen. Ski-Ressort-Experte Bin Wu ist selbst passionierter Wintersportler (Quelle: Bin Wu)
Ski-Ressort-Experte Bin Wu ist selbst passionierter Wintersportler
Bild: Bin Wu
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Wie viele Menschen fahren in China Ski? Wie viele Ski-Resorts gibt es, und wie sind sie ausgestattet? Welche Trends entstehen im Ski-Business? Ski-Funktionär Bin Wu hat die chinesische Skibranche unter die Lupe genommen und in seinem erstmals veröffentlichten White Book vorgestellt. Es ist der erste Bericht über das Ski-Business in China.

Der Andrang war immens in Konferenzsaal 307 des China International Convention Centers.  Jeder wollte dabei sein, als während der Asia Pacific Snow Conference 2016 auf der ISPO BEIJING zum ersten Mal überhaupt ein umfassender Bericht über die Ski-Branche in China veröffentlicht wurde.


Verfasser Bin Wu, Chief Strategy Officer der Ski Resort Divison bei Vanke, nahm sich nach der Präsentation Zeit und sprach mit ISPO.com über seinen Bericht. Vorweg das Fazit aus Sicht der Branche: China liebt den Wintersport, und der Boom geht weiter.

Mehr aktive Skifahrer und Ressorts

Mehr Ski-Resorts, mehr aktive Skifahrer und mehr Umsatz bei Ski-Herstellern und den Verleihstationen. Wu, der unter anderem als Distributor für Rossignol und bei Tecnica arbeitete, präsentierte eine Steigerung auf 568 Ski-Resorts in 2015. Im Jahr zuvor waren es noch 453.

Volle besetzte Ränge bei der Asian Pacific Snow Conference (Quelle: Veronica Pang)
Volle besetzte Ränge bei der Asian Pacific Snow Conference
Bild: Veronica Pang

Dass diese Zahlen mit etwas Vorsicht zu betrachten sind, erläutert Wu auch:  „Denn Resort ist nicht gleich Resort. Einen Standard wie in Europa oder Nordamerika können lediglich drei Prozent der Ressorts bieten.“

Auch bei den potenziell zurücklegbaren Höhenmetern wird klar, dass China buchstäblich noch am Kinderhang steht. „Nur 18 der 568 erfassten Ski-Resorts weisen von Start- bis Endpunkt im Tal einen Höhenunterschied von über 300 Meter auf“, berichtet Wu.

Der Trend geht zum Leihski

Das hält die Chinesen aber nicht im geringsten davon ab, die Pisten zu entern. 12,5 Millionen Ski- und Schneebegeisterte besuchten 2015 die Ski-Gebiete. Dabei geht der Trend weiterhin zum Leihski. 122.700 Paar wurden von den Chinesen ausgeliehen, im Vergleich zum Vorjahr ein Zuwachs um fast 25 Prozent (98.436). Verkauft wurden dagegen lediglich ungefähr 20.000 Paar.

Anzahl der Ski-Ressorts in China in absoluten Zahlen / 2015 (Quelle: Bin Wu)
Anzahl der Ski-Ressorts in China in absoluten Zahlen / 2015
Bild: Bin Wu

Keine steilen und langen Abfahrten – und auch der Transport ist den chinesischen Novizen noch nicht so wichtig. Ski-Lifte sind immer noch ein seltenes Bild in China. „In ganz China gibt es 198 Skilifte, die dabei nur auf 122 der 568 Resorts verteilt sind“, berichtet Wu und erklärt, warum die Zahl so gering ist: „Viele der Anfänger brauchen noch keine Skilifte, da die Magic Carpets, aktuell gibt es 618 der Bergauf-Fließbänder in China, völlig ausreichen, um sie die flachen und kurzen Berge hochzubringen.“ 

Minivans und Pistenraupen statt Lifte

Sollte der Berg doch einmal steiler sein und trotzdem kein Skilift verfügbar, ist das auch kein Problem. „Teilweise lassen sich die Leute immer noch mit Minivans oder Pistenraupen den Berg hochfahren, das ist nach wie vor keine ungewöhnliche Beförderungsmethode“, berichtet Wu. Und selbst auf den dramatischen Fall – kein Skilift und kein Schnee – sind die Chinesen vorbereitet. 


Denn allein WANDA Themed Entertainment, ebenfalls ein ehemaliger Arbeitgeber Wus, plant vier neue Ski-Hallen, die erste mit Fertigstellungstermin 2017 in Harbin tief im Nordosten Chinas. Und wie es eben in China so ist, es wird geklotzt und nicht gekleckert, denn das Projekt wird mit 80.000 Quadratmetern, 520 Metern Pistenlänge und einer Höhe von 120 Metern die größte Ski-Halle der Welt.

Wer das komplette White Book lesen möchte, muss entweder Grundkenntnisse in Mandarin besitzen oder etwas Geduld mitbringen, denn „die englische Übersetzung wird aufgrund der großen Nachfrage in China leider noch etwas Zeit in Anspruch nehmen“, erklärt Wu.

Florian Pertsch (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von Florian Pertsch, Autor
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