ISPO.com is also available in English ×
 Aus dem Nichts in die olympische Halfpipe
China | 17.02.2016

Snowboarden boomt in China

Aus dem Nichts in die olympische Halfpipe

Aus dem Nichts in die olympische Halfpipe. Snowboard wird als olympische Sportart immer beliebter (Quelle: Imago)
Snowboard wird als olympische Sportart immer beliebter
Bild: Imago
Artikel teilen:
Artikel bewerten:
Das Faszinierende am chinesischen Sportgeschehen ist: Man kann beobachten, wie gleichsam aus dem Nichts ein Sport und ein damit verbundenes Gewerbe entsteht. Ein schönes Beispiel dafür ist das Snowboarden. 

Dieser Sport ist in wenigen Jahren kräftig in Schwung gekommen und darf dank der Olympischen Winterspiele 2022 in Peking weitere Impulse erwarten. 

ISPO.COM sprach mit China-Expertin Miriam Hanna Deller über die Perspektiven der Sportart in einem aufgeschlossenen Land.  


Die Österreicherin Miriam Deller kennt sich aus, sie vertritt die China Snowboard Association im Vorstand der World Snowboard Federation. Nach der aktuellen Zahl der aktiven Snowboarder in China gefragt, muss sie schmunzeln:  „Das ist immer die Nummer, die alle wissen wollen.“

Die aber offenbar niemand so ganz genau kennt. „Wir schätzen die Core-Snowboarder, die den Sport aktiv und regelmäßig ausüben, auf 20.000 bis 25.000 und das bei Steigerungsraten von gut 30 Prozent pro Jahr.“ 

Olympia als Anschub-Investition 

Die Anzahl derer, die nur gelegentlich aufs Brett steigen oder Snowboarding lediglich  einmal ausprobieren wollen, ist deutlich höher: „Das geht ganz sicherlich in die Hundertausende“, so die österreichische China-Expertin. 

Die Entwicklung eines in China noch jungen Sports – „das ging so um die Jahrtausendwende los“ – steht und fällt natürlich mit der Bildung einer passenden Infrastruktur, damit die Aktiven in die Wintersportgebiete finden und dort ordentliche Schnee-Verhältnisse und auch Übernachtungs-Möglichkeiten erhalten (Lesen Sie hier mehr zum Thema).  

„Wir können schon jetzt auf enorme Investitionen zurückblicken, und das wird noch mehr werden, wenn für die Olympischen Spiele 2022 gebaut wird.

Miriam Deller vor einer Wand mit Snowboards (Quelle: Core Power Asia)
"Wir wollen mehr Leute dazu bringen, unsere Begeisterung zu teilen“, so Miriam Hanna Deller
Bild: Core Power Asia

„Es werden neue Flughäfen und ein Speed-Train entstehen“, berichtet Deller, die insbesondere auf die Anbindung von Peking setzt, um eine große Zahl von Snowboard-Interessierten aus der Hauptstadt in die attraktiven Gebiete zu bringen.

„Schon 2018 oder 2019 soll die Zuganbindung fertig sein, mit der man in knapp 45 Minuten von Peking in das Olympische Snowboard-Zentrum von Zhangjiakou kommen wird.“ 

Snowboard-Legende als Botschafter

Spitzensport ist ein wirksames Zugpferd, um die Aufmerksamkeit zu erregen. Wang Lei, Chinas legendärer Snowboarder, ist nicht nur Präsident der China Snowboard Association (CSbA), sondern auch im Rahmen des World Snowboard Day als Botschafter für ganz Asien aufgetreten.

Ganz im Mittelpunkt der Snowboard-Welt wird China vom 9. bis 16. März stehen, wenn das Land erstmalig Gastgeber der Weltmeisterschaften sein wird. 

Noch mehr Wert als auf die Spitzenathleten legt Deller bei den Aktivitäten der China Snowboard Association allerdings auf die Arbeit an der Basis: Der Terminkalender ist in diesem Winter vollgepackt mit Events für Interessierte, die nicht gleich als Profis aufs Brett steigen wollen.

Interesse in China muss geweckt werden

„Wir wollen erstmal das Interesse entfachen und mehr Leute dazu bringen, unsere Begeisterung zu teilen.“ Allein für diesen Winter hat der chinesische Verband zehn Grassroot-Events an den Start gebracht, darunter erstmalig ein von Nitro gesponsertes Camp, das von dem Reiseveranstalter Elooa.com organisiert wurde.


Für die Veranstaltung im Januar 2016 registrierten sich immerhin 25 Teilnehmern. Auch hier war Champion Wang Lei mit von der Partie. 

Auch Mädchen und Frauen sollen gezielt angesprochen werden. So gab es vor Weihnachten im Rahmen des World Snowboard Day ein Pro Women Event, das ebenfalls prominente Unterstützung erfuhr: Begleitet wurde die Veranstaltung von Zhu Hong, einer professionellen Snowboarderin. 

Wintersport-Branche nimmt Fahrt auf

Kaum möglich wären diese Veranstaltungen ohne die Marken bzw. ihre örtlichen Vertreiber. Besonders aktiv bei der Unterstützung der Basisarbeit sind unter anderem Anbieter wie Nitro, Skullcandy, L1 Premium Goods oder Dragon Alliance. 

Die Infrastruktur in den chinesischen Skigebieten muss erst geschaffen werden (Quelle: Imago)
Die Infrastruktur in den chinesischen Skigebieten muss erst geschaffen werden
Bild: Imago

Inzwischen hat sich auch das Warenangebot verbessert. Ohne einen kompetenten Handel vor Ort ist die Nachfrage nach dem passenden Equipment schwerlich zu befriedigen.

Als chinesischer Platzhirsch hat sich die Kette Cold Mountain herauskristallisiert, die inzwischen zwölf Verkaufsstellen zählt. Das Geschäft beschränkt sich dabei aber nicht nur auf den Winter, denn im Sommer setzt Cold Mountain zusätzlich auf Longboards.

Dabei wird im Wesentlichen das ganze Spektrum an Core-Marken und kommerzielleren Brands abgedeckt. 

Miriam Deller ist seit 2005 in China als Snowboarderin unterwegs und engagiert sich dort insbesondere für die Basisarbeit in der Snowboardszene. Die Österreicherin vertritt die China Snowboard Association im Vorstand der World Snowboard Federation. Deller ist Herausgeberin des Buches „A Decade Of Snowboarding In China“, das mit Unterstützung der ISPO BEIJING, Burton und Skullcandy aufgelegt wurde. 

Hier lesen Sie mehr zur ISPO BEIJING.

Markus Huber (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von Markus Huber, Autor
Kommentare
Top Themen
ISPO Newsletter
ISPO Newsletter
Jetzt anmelden
Social Media