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 China: Das steckt hinter dem Börsen-Stopp
China | 07.01.2016

Aktienhandel in China ausgesetzt

Analyse: Das steckt hinter dem Börsen-Stopp

China: Das steckt hinter dem Börsen-Stopp. Börsenzahlen auf einem Display in einem Schaufenster (Quelle: danielvfung/iStock/Thinkstock)
China erlebte schon der zweite Börsenstopp im Jahr 2016
Bild: danielvfung/iStock/Thinkstock
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Das neue Jahr – nach gregorianischem Kalender – beginnt in China mit einem scheinbar großen Knall. Bereits zum zweiten Mal in 2016 wird auf den Wertpapier-Marktplätzen des dynamischen Landes der Handel abgebrochen. Das hört sich alles schlimmer an als es wirklich ist.

Denn: Die Nachrichten, die kurzfristig die Schlagzeilen bestimmen, werden ohne größere Fernwirkung bleiben – auch in der Sportbranche. Deutlich wichtiger sind die langfristigen Kräfte, die in China am Wirken sind.

Die maßgeblichen Börsen in Shenzhen und Shanghai haben am Morgen des 7. Januars nach nur wenigen Minuten den Wertpapier-Handel für den Rest des Tages eingestellt. Grund: Die Aktienmärkte verloren in kürzester Zeit um mehr als 7 Prozent an Wert.

Hier setzte ein regulatorischer Automatismus ein, der neu ist: Seit Beginn des Jahres ist in China ein entsprechendes Gesetz in Kraft, das genau diesen Vorgang beim Überschreiten des genannten Wertes vorsieht.


Im Westen mögen gesetzliche Maßnahmen dieser Art befremdlich wirken. Aber der Westen ist nicht China, wo staatlicher Interventionismus nicht nur eine lange Tradition hat, sondern weitgehend als Mittel anerkannt ist, um eine wild wuchernde Wirtschaft in alle Richtungen einzubremsen. Dies gilt vor allem für die Geldpolitik und besonders für das emsige Treiben an den Börsen.

Wie sich die Politik auf die Märkte auswirkt

Wichtig für die Analyse erscheint es, sehr kurzfristige Effekte auszublenden. Dazu gehört gewiss der nukleare Test, den Nordkorea am 6. Januar durchführte. Aber für den Moment buchen wir die koreanische Bombe als eines der Störfeuer, die es schon zuvor gegeben hat.

Der Tiananmen-Platz in Peking (Quelle: Digital Vision/Thinkstock)
Staatlicher Interventionismus ist keine Seltenheit im Reich der Mitte.
Bild: Digital Vision/Thinkstock


Sie könnte zumindest helfen, dass die chinesische Regierung einsieht, vor den Trümmern ihrer Koreapolitik zu stehen. Ein entsprechendes Umdenken könnte die Region stabilisieren. Das wären gute Nachrichten für Investoren zwischen Peking, Seoul und Tokio.

Platzt die Blase in China?

Die chinesische Regierung war in den letzten Jahren bemüht, den Blüten treibenden Handel mit Aktien zumindest auf der rein spekulativen Ebene einzudämmen. Dazu gehörte in den Jahren 2013 und 2014 das generelle Verbot von Börsengängen, das kapitalhungrige Unternehmen – auch in der Sportartikel-Branche – schier zur Verzweiflung brachte.


Dazu gehörte auch Outdoor-Händler Sanfo, dem, wie berichtet, vor einem Monat schließlich der Börsengang gelang. Insgesamt versucht die Führung in Peking nach Kräften, mit allen gebotenen Mitteln dem Platzen einer Spekulations-Blase entgegenzuwirken.

So reagierten die Aktienkurse

Der Kampf gegen das Zocken an der Börse richtet sich auch nach unten, das heißt, wenn die Kurse in den Keller rauschen. Toread etwa ist der recht vertikal aufgestellte Outdoor-Primus im Land.

Die vertikale Struktur lässt Schlüsse auf die Befindlichkeiten sowohl auf der Seite der Marken als auch des Einzelhandels zu. In den letzten Tagen seit dem 31. Dezember verlor das Toread-Papier 25 Prozent seines Wertes. Entscheidender ist allerdings der langfristige Blick auf die Aktie, der ein etwas anderes Bild vermittelt. 

Tatsächlich besteht Grund zur Annahme, dass der Wert der Aktie in etwa dem von Anfang 2015 entspricht. In den Hochzeiten Mai und Juni war das Toread-Papier mehr als doppelt so viel wert wie Anfang 2016. Und da steht der Outdoor-Ausrüster nicht alleine da, wenn man sich das ganz große Bild anschaut.

Run auf Aktien im Frühjahr 2015

Der ChiNext-Index der Börse von Shenzhen, an der Toread seit 2009 gelistet ist, stimmt im Groben mit den Tendenzen überein. Gleichzeitig macht der Zwölf-Monats-Vergleich klar:


Es gab im Frühjahr 2015 einen allgemeinen Run auf Aktien, der auch mit der erneuten Zulassung von Börsengängen im selben Zeitraum zusammenhängt. Es herrschte Goldgräberstimmung, die nun wieder da angelangt ist, wo sie hingehört: auf den Teppich. Nicht weniger ist passiert, aber auch nicht mehr.

Sportlicher Newcomer völlig unbeeindruckt

Wie erging es denn eigentlich der Outdoor-Kette Sanfo im Zuge der jüngsten Ereignisse? Das Wertpapier des Händlers aus Peking zeigt sich völlig unbeeindruckt. Es kletterte bis am 7.Januar in der Früh munter nach oben. Sicherlich: Die Aktie genießt den Vorteil eines Neulings, dem man noch Entwicklung nach oben zutraut. Schließlich wird Sanfo erst seit 9. Dezember öffentlich gehandelt

Sanfo: Zuwachs aufgrund von Expansion

Gleichwohl ist dieser Zuwachs nicht selbstverständlich, wenn man die Rahmenbedingungen genauer anschaut: Klassischer Einzelhandel ist ein konservativer Anlage-Sektor. In China ist hier sicherlich noch mehr Musik drin als im Westen, da die Zeichen nach wie vor auf geographische Expansion stehen. Doch die kostet Geld. 

Sanfo-Gründer Heng Zhang machte von vorne weg klar, dass einiges Geld in neue Läden fließen wird. Da dürften Anleger auf eine schöne Dividende ein Weilchen warten müssen. Hinzu kommen die Sportbranchen-typischen Symptome wie Überangebot, Preiskämpfe und explodierende Kosten im Handel.

Am Ende hängt’s an den großen Faktoren

Kurz und gut: Die Vorgänge der letzten turbulenten Tage sollten nicht den Blick auf die ganz großen Faktoren verstellen, die langfristig die Entwicklung bestimmen werden:

  • Exporte. Davon hängt die chinesische Wirtschaft zu einem guten Stück ab. Daher wacht die Regierung mit scharfem Blick auf die Entwicklung der Währung Yuan Renminbi. Wenn die zu teuer wird, dann stottert der Exportmotor noch besser, und der Wettbewerb mit anderen asiatischen Produktionsländern verschärft sich noch weiter. Am 7. Januar lag der Euro zeitweilig knapp über rekordverdächtigen 7 Yuan – so hoch wie schon seit Jahren nicht mehr.
  • Kredite. In China ist viel auf Pump finanziert. Das betrifft vor allem den Immobilien-Sektor, in dem man schon seit langem auf den großen Krach wartet. Wenn mit schwachem Konto mehr gebaut als gebraucht wird, dann kommt irgendwann der große Knall. Das kennen wir auch aus dem Westen.
Skyline von Shanghai (Quelle: Liufuyu/iStock/Thinkstock)
Wie in Shanghai wird im ganzen Land viel gebaut – häufig auf Pump.
Bild: Liufuyu/iStock/Thinkstock
  • Binnen-Nachfrage. Für die Sportartikel-Branche in China steht und fällt alles mit dem Konsum – wie woanders ja auch. Die beiden erstgenannten Faktoren bestimmen den Arbeitsmarkt und damit auch die Kaufkraft.

Die Repräsentanten der chinesischen Sportartikel-Branche werden am Wohl und Wehe der Makro-Wirtschaft nichts ändern können. Was sie tun können und müssen, ist ihren Teil beizutragen, um die Begehrlichkeit von Sportartikeln weiter auf erfreulichem Niveau zu halten.

Wenn die Ökonomie stottert und die Kaufkraft gegebenenfalls sinkt, müssen die Anteile des dafür zur Verfügung stehenden Einkommens verteidigt werden. Aktien-Turbulenzen gehen schnell vorbei, zurückhaltende Konsumlaune eher weniger. 

Markus Huber (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von Markus Huber, Autor
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