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 Sports Direct: Arbeitsbedingungen im Visier
Retail | 18.12.2015

Englands Marktführer unter Druck

Sports Direct: Arbeitsbedingungen im Visier

Sports Direct: Arbeitsbedingungen im Visier. Eine Sports-Direct-Filiale in Großbritannien (Quelle: Sports Direct)
Eine Sports-Direct-Filiale in Großbritannien
Bild: Sports Direct
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Sports Direct International (SDI), führender Sporthändler in Großbritannien sowie in Österreich (Sport Eybl) und dem Baltikum (Sportland), steht wegen harscher Arbeitsbedingungen in der Kritik. Die preisorientierte Kette gerät sogar in der britischen Politik derart unter Beschuss, dass das Unternehmen nun öffentlich zu den Vorwürfen Stellung bezieht.

Die Vorwürfe, die vor allem auf Recherchen der Tageszeitung The Guardian beruhen, sind massiv. Auf der Liste stehen unter anderem die Bezahlung unter Mindestlohn, Leibesvisitationen nach der Arbeit und das Verbot des Tragens von Markenware, die in den Filialen von Sports Direct angeboten wird.

Damit sollen insbesondere im Lager in Shirebrook etwaige Diebstähle unterbunden werden. Die Kontrollen sollen nach Schichtende stattfinden, ca. 15 Minuten dauern und nicht bezahlt werden. Hinzu kommt, so ein Vorwurf, dass Mitarbeiter aus Angst vor einer Kündigung darauf verzichten, kranke Kinder von der Schule abzuholen.

Nach Angaben des Guardian hat die Berichterstattung bis in die Spitzen der britischen Politik für mächtig Wirbel gesorgt. Wie es heißt, bereitet eine Gruppe von Abgeordneten der Labour-Partei ein Schreiben an den Premierminister David Cameron vor.

Darin soll Cameron aufgefordert werden, umfassende Untersuchungen im Fall Sports Direct einzuleiten. Auch die Gewerkschaften sollen Druck auf die Regierung und das Unterhaus machen.

SDI sieht Kritik als unberechtigt an

SDI nahm zu den Vorwürfen Stellung. Dabei werden im Wesentlichen alle Kritikpunkte zurückgewiesen. Dies bezieht sich insbesondere auf die Arbeitsverträge, die SDI selbst bzw. ihre Leiharbeit-Agenturen ausgestalten. Die seien gesetzeskonform und branchenüblich.

Das Unternehmen räumte allerdings ein, dass ein Problem mit Diebstählen vorliege. 

„Daher gibt es Bedarf an Sicherheitsmaßnahmen, die in Shirebrook angewendet werden. Ein einfacher und sinnvoller Weg, dem Problem zu begegnen, besteht darin, dass die Arbeiter keine Kleidung von Marken tragen, die dort auf Lager liegen.“ Dies sei auch keineswegs unüblich, und es gebe genügend andere Marken, auf die die Mitarbeiter zurückgreifen könnten.

Unmut der Lieferanten wächst

Unabhängig von den genannten Praktiken, die SDI angelastet werden, ist in letzter Zeit auch auf Seiten der Lieferanten der Unmut gewachsen. Der Schweizer Outdoor-Ausrüster Mammut beliefert die Kette nicht mehr, zeitweilig wollte auch Schlüssel-Lieferant Adidas ausgewählte Ware nicht mehr in Sports-Direct-Filialen sehen.

Diese Maßnahme bezog sich insbesondere auf die Trikots des britischen Champions-League-Teilnehmers FC Chelsea. Die Hersteller prangern in der Regel die „Warenpräsentation“ an. Branchenintern kann dies als Codewort für Preisverriss verstanden werden.

Ein Hinweis auf Tiefpreise ist den Lieferanten allerdings nicht gestattet, da ein Händler bei der Gestaltung der Preise frei ist.

Enttäuschendes Halbjahr vorgelegt

Erst vor kurzem präsentierte SDI die Halbjahres-Zahlen, die unter den Erwartungen blieben. In den ersten 26 Wochen bis 25. Oktober stagnierte der Gesamtumsatz bei 1,43 Milliarden Pfund Sterling (1,97 Milliarden Euro). Das entspricht einem Plus von nur 0,1 Prozent.

Zur Begründung wurden die Wetterbedingungen sowie der Vergleich zum Vorjahres-Zeitraum genannt, der seinerzeit von der Fußball-Weltmeisterschaft profitieren konnte. 

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Markus Huber (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von Markus Huber, Autor
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