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 Goldgräberstimmung in der Outdoor-Branche vorbei?
Outdoor | 08.12.2015

Outdoor: Wachstum des Marktes

Ist die Goldgräberstimmung vorbei?

Goldgräberstimmung in der Outdoor-Branche vorbei?. Eine Frau beim Wandern vor Meereskulisse. (Quelle: Thinkstock über The Digitale)
Trotz anhaltendem Outdoor-Trend müssen sich Anbieter auf geringere Zuwächse einstellen.
Bild: Thinkstock über The Digitale
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Viele Jahre glänzte die Outdoor-Branche mit zweistelligen Umsatzzuwächsen. Doch die Konkurrenz verschärft sich dramatisch. Wie Händler und Hersteller trotzdem punkten wollen.

Lange Zeit galt in der Outdoor-Branche ein zweistelliges Plus als normal. Doch nun scheint der Boom einen Dämpfer zu erfahren. So manch ein Hersteller und Händler korrigiert seine Wachstumsziele nach unten und versucht, sich an bescheidenere Margen zu gewöhnen.

„Sicher ist der Markt aktuell überhitzt. Das Segment wächst nach wie vor, allerdings weniger schnell als die Zahl der Marktteilnehmer. Zudem ist es leider bei manchem Händler Sitte geworden, schon früh in der Saison Preise zu reduzieren“, beklagt Andreas Bartmann, Geschäftsführer von Globetrotter.

Konkurrenzdruck wird stärker

Das bringe zwar kurzfristig Effekte für den Umsatz, schade aber unterm Strich der Branche. Sein Unternehmen plane Zuwächse daher aktuell eher konservativ, diese lägen im niedrigen einstelligen Bereich.

Auch intersport rechnet nicht länger mit einem zweistelligen Plus, spricht aber „von einer moderaten Entwicklung auf hohem Niveau“. Klaus Jost, Vorstand des Einkaufsverbundes, bestätigt, der Outdoor-Boom habe eine Vielzahl von branchenfremden Anbietern und Verkäufern auf den Plan gerufen, vor allem mit Jacken sei der Markt geradezu überschwemmt worden.

Wenn dann noch das Wetter nicht mitspielt, nachdem der Handel zuvor kräftig eingekauft hat, bleiben die Waren wie Blei liegen und das macht alle Beteiligten nervös.“

Realismus im Business gefordert

Mittlerweile gäbe es aber eine Marktbereinigung und übrig blieben kompetente Verkäufer und Berater, Marken und Produzenten.

Ähnlich beurteilt Mammut-Sprecher Harald Schreiber die Lage: „Die Zeit der Romantik in der Outdoor-Branche ist vorbei, der Konkurrenzdruck wird stärker. Gefragt sind eine klare Positionierung und Besinnung auf die Kernwerte. Umsatzerwartungen müssen gar nicht korrigiert werden, wenn diese im Vorfeld realistisch angesetzt werden.“

Wetter spielt bedeutende Rolle für Verkauf

Nach einer Studie der European Outdoor Group (EOG) geben die Europäer jedes Jahr rund zehn Milliarden Euro für Wanderstiefel, Kletterseile, Schuhe oder Rucksäcke aus. Ein riesiges Feld – trotzdem blickt die Branche verhalten in die Zukunft.

Die Begeisterung für Outdoor halte zwar an, aber wenn man sich die tatsächlichen Marktpotenziale anschaue, müsse man sich der harten Realität stellen, so der Verband.


Schmid wählt klare Worte

„Wir sollten versuchen, ein angemessenes, aber stetiges Wachstum zu schaffen, statt Rekorde brechen zu wollen und dabei die tatsächliche Stärke der Marktnachfrage aus den Augen zu verlieren“, lautet der Appell.

„Zwei mäßige Winter und die Euro-Krise werden in unserem Sektor deutliche Spuren hinterlassen.“ Mammut-Geschäftsführer und EOG-Vorstandsmitglied Rolf Schmid spart nicht mit deutlichen Worten.

Sparte Outdoor wird aufgemischt

Fest steht, der Wettbewerb hat sich nicht nur durch die vielen branchenfremden Anbieter verschärft, auch global agierende Sportartikelmarken wie Nike und Adidas bauen Outdoor-Sparten auf.

Adidas, mit dem Ziel angetreten, „sich als führende Outdoor-Marke zu etablieren“, zählt nur drei Jahre nach dem Start zu den größten Anbietern der bisher mittelständisch geprägten Branche.

Das Unternehmen, das im Bereich Outdoor lange als Außenseiter galt und vergeblich versuchte, Fuß zu fassen, hat viele Konkurrenten abgehängt und seinen Umsatz nahezu verdoppelt (300 Millionen Euro). Bis 2015 soll diese Summe „auf 500 Millionen Euro steigen“, sagt Konzernsprecherin Katja Schreiber.

Outdoor in China boomt

Spartenchef Rolf Reinschmidt ist es gelungen, technisch ausgereifte Schuh- und Bekleidungskollektionen in die Läden zu bringen, die bereits etliche Branchenpreise gewannen.

Hinzu kommt, dass das Unternehmen weltweit vertreten ist, „kein Wettbewerber hat ein so großes Vertriebsnetz wie wir“. In China gibt es die ersten eigenen Outdoor-Läden der Marke. Und außerdem kann es sich der Konzern leisten, Bergsport-Stars wie Alexander und Thomas Huber, die „Huber Buam“, einzukaufen.

Etablierte Anbieter gehen in die Offensive

Aufgrund des harten Wettkampfs müssen die etablierten Marken neue Wachstumsstrategien fahren. Schöffel startete im vergangenen Herbst eine TV-Kampagne und wird seitdem „bewusster vom Kunden wahrgenommen“, meint Schöffel-Sprecherin Ilka von Goerne.

Zu aktuellen Zahlen mache das Unternehmen keine Angaben, man plane für 2012 und 2013 aber mit einstelligen Zuwächsen. Um sich gegen die Konkurrenz zu behaupten, wolle die Firma sich deutlich von den Mitbewerbern absetzen.

„Unser Kunde will seine Freizeit aktiv genießen – ohne neue Rekorde und den ständigen Blick auf Pulsuhr und Höhenmesser. Bei uns sollen sich die zu Hause fühlen, die nicht dem Fetisch Leistung hinterherjagen.“


DACH-Region stark nachgefragt

Das Unternehmen baut auf alle europäischen Industrieländer und vor allem auf seine Stammmärkte in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Einen anderen Weg schlägt Mammut ein. Der Bergsportspezialist präsentiert seine „Markenwelt in Monobrand-Stores“ und setzt außerdem auf die vor ein paar Jahren ins Leben gerufene Mammut Alpine School.

Dabei zeigen professionelle Bergführer den Kunden in den Bergen, „wie man unsere Ausrüstung korrekt benutzt“. Außerdem spekuliert die Schweizer Firma auf die aufstrebenden Märkte in Asien.

Zweitgrößter Outdoor-Markt weltweit

„Korea ist der zweitgrößte Outdoor-Markt weltweit, die Begeisterung dafür zieht sich durch viele Bevölkerungsschichten. Aber auch der chinesische Markt wächst und ist für uns sehr vielversprechend“, urteilt Harald Schreiber.

„2013 werden wir hier aktiv. Angesichts der guten Umsätze in Korea und Japan ist dies ein logischer Schritt.“ Wie man in China genau vorgehe, sei noch offen. Bestimmt arbeite man aber auch mit Monobrand-Stores.

Layer mit neuen Standards

Familienunternehmen Vaude wiederum möchte mit Nachhaltigkeit und grünen Produkte punkten.

„Recycling ist schon seit 1994 ein Thema bei uns. Seit 2001 arbeiten wir mit dem bluesign®-Standard und wir waren das erste Outdoor-Unternehmen, das eine komplette Layer-Kollektion auf den Markt gebracht hat, die diesem Standard entsprach“, sagt Jan Lorch von Vaude.

„Unsere Produkte sollen einen möglichst kleinen ökologischen Fußabdruck hinterlassen. Viele Vaude-Mitarbeiter sind überzeugte Naturfreaks und wir verstehen uns in der Branche als Ökotrendsetter.“

Erst kürzlich habe man in Deutschland einen Trekking-Rucksack mit geschweißten Nähten produziert, um zu sehen, inwieweit man den Standort ausbauen könne. Für konventionell genähte Produkte sei Asien allerdings konkurrenzlos günstig.

ISPO (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von ISPO.com, Redaktion
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