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Nr. 8 11.12.2008 Download:  File-Download
Entwicklungschancen für den Wintersportmarkt

ispo Studie zur Zukunft des Skisports entwickelt vier Systemvisionen
Angesichts sinkender Umsätze bei der Ausrüstung, fehlendem Nachwuchs und veränderten Umwelt- und Wirtschaftsbedingungen ist es für die Skisportindustrie an der Zeit, neue (Absatz-)Wege zu gehen. Damit Skifahren auch in 20 oder 50 Jahren attraktiv ist, ist es wichtig, dass sich die Marktteilnehmer schon heute auf die künftigen Rahmenbedingungen einstellen und strategisch neu positionieren.
 
Rahmenbedingungen
Der Skimarkt wird in den kommenden Jahren durch weitreichende Veränderungen beeinflusst:
  • 2050 wird ein Drittel der Bevölkerung in höher entwickelten Ländern über 60 Jahre alt sein. Ältere Menschen werden damit in Zukunft zu einer wichtigen Zielgruppe für den Skisport.
  • Experten rechnen bis 2020 mit einem Temperaturanstieg um 1° Celsius, bis 2050 um ein weiteres Grad. Die globale Erwärmung beeinflusst die Schneesicherheit in Skigebieten. Eine Verlagerung von Skigebieten in höhere Lagen und die Erschließung neuer Regionen und Standorte ist wahrscheinlich.
  • Die weltweite Verknappung von nicht erneuerbaren Ressourcen sowie weiter steigende Energiepreise machen den Betrieb von Aufstiegsanlagen und die künstliche Beschneiung von Pisten wirtschaftlich immer unrentabler.
  • Die Klima- und Umweltbedingungen führen zu einem veränderten Umweltbewusstsein.  

„Um sich die Position im Skimarkt nachhaltig zu sichern, müssen sich Sportartikelhersteller auf drei strategischen Ebenen neu positionieren. Erstens bieten aufstrebende Absatzmärkte wie China, Russland oder Osteuropa zahlreiche Chancen für die Skiindustrie. Zweitens gilt es zu überlegen, welche Zielgruppen man ansprechen möchte. Der naturbegeisterte und umweltbewusste Skifahrer hat andere Bedürfnisse als der technik-interessierte oder lifestyle-orientierte Wintersportler. Das bedeutet drittens, speziell auf die Bedürfnisse dieser Zielgruppen maßgeschneiderte Produkte anzubieten und Nischen zu besetzen“, erklärt Markus Hefter, Projektleiter des ispo Teams.
 
Eine Studie der ispo zur Zukunft des Skifahrens zeigt in vier visionären Szenarien Entwicklungschancen für den Wintersport in den nächsten 20 bis 50 Jahren. 
 
Skifahren als Teil eines ganzjährigen Bergerlebnisses
Sowohl für sportbegeisterte Familien als auch hightech- und modeorientierte Sportler ist Skifahren in Zukunft ein attraktives Wintersporterlebnis. In großen, für viele Besucher ausgebauten Skigebieten in mittleren Höhenlagen suchen sie Erholung und Spaß. Um den Skibetrieb in dieser Form aufrecht zu erhalten und damit den Skimarkt längerfristig zu sichern, muss die Skisportindustrie in bereits bestehende Gebiete investieren und dafür Sorge tragen, dass diese auch im Sommer wirtschaftlichen Nutzen für die Betreiber haben. Durch vielfältige Freizeitangebote können die Bergregionen zu ganzjährig attraktiven Sport- und Erlebniszentren ausgebaut werden. Eine Chance für die Ausrüster besteht zudem darin, in neuen Skiregionen Präsenz zu zeigen und so potenzielle Kunden für sich zu gewinnen. Für die breite Zielgruppe kann eine differenzierte Palette an funktionalen, intelligenten und modischen Produkten angeboten werden: Von Wearable
Technologies wie der multifunktionalen Jacke mit integriertem GPS-Gerät und trendigen Ohrenschützern mit integriertem iPod bis hin zu modischen Komplettoutfits und spezieller Sicherheitsausrüstung.
Damit Skisportvergnügen mit der ganzen Familie attraktiv bleibt, bedarf es einer größeren Palette von kind- und familiengerechten Angebote. Besonders nachgefragt werden speziell für kindliche Bedürfnisse entwickelte Skiausrüstung und Bekleidung, die durch den Einsatz intelligenter Technologie und belastbarer Materialien hohe Funktionalitäts- und Sicherheitsaspekte erfüllen. Ausbaufähig sind außerdem die Verleihkonzepte, die vor allem den Ansprüchen von Kurzurlaubern oder Familien mit Kindern gerecht werden. 
 
Skifahren als Naturerlebnis
Neben dem breiten Massen-Skitourismus entwickelt sich ein Skifahr-Trend bei dem neben der Begeisterung am Sport das Naturerlebnis im Vordergrund steht. Es entwickeln sich bereits erste ökologisch orientierte Urlaubsorte in den Alpen, die dank pistennaher Unterkünfte und guter Infrastruktur ohne motorisierten Verkehr auskommen. Bio-Hotels bieten nachhaltige Unterkünfte, in denen frisches Gebirgsquellwasser aus dem Hahn fließt und auf chemische Reinigungsmittel verzichtet wird. Die Anhänger dieser Bewegung haben einen umweltbewussten und verantwortungsvollen Lebensstil und wollen zur Erhaltung der Natur beitragen. Diesem Anspruch der so genannten LOHAS (Lifestyle of Health and Sustainability) können die Hersteller Rechnung tragen, indem sie
 
Produkte aus umweltverträglichen und recyclingfähigen Materialien entwickeln. Um die Zielgruppe langfristig zu überzeugen, ist es zudem wichtig, dass sich die Unternehmen glaubwürdig präsentieren, beispielsweise indem sie ökologisch-nachhaltig produzieren und sich in den entsprechenden Skigebieten für Umweltprojekte einsetzen. Gefragt ist multifunktionale Ausrüstung, die es ermöglicht zwischen Tourengehen, alpinem Fahren und Telemark zu wechseln und dabei ein hohes Maß an Sicherheit und Zuverlässigkeit bietet.
 
Skifahren als Stadterlebnis
Abseits von natürlichen Berghängen und traditionellen Wintersportregionen wird
Skifahren künftig zu einer neuen Form der Freizeitbeschäftigung in Städten und Ballungsräumen. Trendbewusste und spaßorientierte Städter können in multifunktionalen Gleitarenen unabhängig von Wetterbedingungen und Jahreszeit Wintersport betreiben. Durch die Kombination mit Zusatzangeboten wie Fitness- und Wellnessbereichen, Restaurants und Bars sowie Konzerten und anderen Events wird ein breites Publikum erreicht. Für die Skiindustrie ergibt sich dadurch die Chance völlig neue Zielgruppen zu gewinnen. Vor allem im Bereich Sportstyle kann ein neuer Absatzmarkt erschlossen werden. Es gilt modische Sportbekleidung im urbanen Lifestyle zu kreieren, die sowohl in der Skihalle als auch im Alltag getragen werden kann. Bei der Ausrüstung müssen Hersteller verstärkt Materialien einsetzen, die für künstliche Oberflächen geeignet sind. Außerdem wächst der Bedarf an speziell für den in Skihallen üblichen Leihbetrieb entwickelten Skiern, Stiefeln und Bindungen, die sich leicht einstellen und anpassen lassen und extrem haltbar sind.
 
Skifahren als virtuelles Erlebnis
Mit der Weiterentwicklung von Visualisierungstechnologien ist in der Zukunft ein etwas anderes Skifahr-Erlebnis möglich. In Skisimulatoren können sich Spiel- und Sportbegeisterte durch virtuelle Bergwelten bewegen und in Wettkämpfen ihr Fahrkönnen erproben. Diese moderne Form der Unterhaltung bietet dem Skisport eine neue Plattform um sein Image unter jungen, hightech-affinen Nutzern aufzufrischen und so Nachwuchs zu gewinnen.
 
 
 
Zur Studie
Die Studie „Die Zukunft des Skifahrens“ wurde von der SportKreativWerkstatt im Auftrag der ispo durchgeführt. Die vier entwickelten Systemvisionen beruhen auf einer ausführlichen Analyse von zukünftigen Kontextbedingungen und möglichen Innovationspotenzialen. Dabei wurden demographische, wirtschaftliche, technologische sowie umwelt- und skispezifische Trends berücksichtigt und die Ergebnisse einer Befragung von 30 Experten integriert.
Die Studie bietet eine detaillierte Beschreibung der unterschiedlichen Szenarien in Bezug auf die jeweiligen Nutzertypen, Standorte, Infrastrukturen, Produkte und Dienstleistungen und gibt konkrete Handlungsempfehlungen für die Skiindustrie. Eine Visualisierung aller Szenarien ist in hochauflösender Qualität erhältlich.
 
 
 
8/MK/vH
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