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 Sicherheit am Berg: Diese Tipps und Regeln müssen Sie kennen
Outdoor | 21.12.2016

Sicherheit beim Bergwandern: Das sollte man beachten

Je schwerer die Wanderung, desto wichtiger wird die Sicherheit: Tipps und Tricks

Sicherheit am Berg: Diese Tipps und Regeln müssen Sie kennen . Gerade bei schweren Touren braucht es eine solide Planung (Quelle: Thinkstock)
Gerade bei schweren Touren braucht es eine solide Planung
Bild: Thinkstock
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Für Wanderer haben die Berge über die Jahrhunderte eine magische Anziehungskraft entwickelt. Höhenwege führen über die Gebirgskäme, Klettersteige und Fernwanderwege werden ausgebaut. Man kommt zur Erholung, für die Fitness und zum Auftanken der Lebensgeister. Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass die Bergwelt Gefahren birgt – und Sicherheit vorgeht.

Bergwandern ist ein sicherer Sport, aber Unfälle bleiben nicht aus. Viele davon wären vermeidbar. Die Statistik des Deutschen Alpenvereins DAV zeichnet hier ein klares Bild: So passieren drei von vier sturzbedingten Unfällen beim Abstieg, gehen also auf Ermüdung zurück. Eine bessere Tourenplanung hätte die Verletzungen wahrscheinlich verhindern können.


Ähnlich ist das Bild bei Wanderunfällen aufgrund körperlicher Probleme, der zweithäufigsten Ursache für Unfälle beim Bergwandern. Fazit des DAV: Das richtige Training oder zumindest eine gesunde Selbsteinschätzung hätten ein Versagen des Herz-Kreislauf-Systems oft verhindern können.

Tipps und Tricks gerade für jene, die schwierige Touren in Angriff nehmen

Bergwandercard

Der DAV hat auf Grundlage seiner Sicherheitsforschung eine Bergwegeklassifizierung und die Bergwandercard entwickelt. So soll verhindert werden, dass es zur gefährlichen Selbstüberschätzung von Wanderern kommt. Bei den vorangegangenen Untersuchungen war dies bei immerhin 39 von 100 Wanderern der Fall.

Die Klassifizierung kann mit der Kennzeichnung von Skipisten verglichen werden.

  • Blaue Kennzeichnung: leichte Bergwege
  • Rote Kennzeichnung: mittelschwere Bergwege
  • Schwarze Kennzeichnung: schwere Bergwege

Zusätzlich werden nicht gewartete aber begehbare Wege als „Alpine Route“ ausgewiesen.

Die Bergwandercard basiert auf einer persönlichen Befragung und Tipps des DAV, welche Route zur angegebenen Konstitution und Erfahrung passt. Die Karte mit Praxisbeispielen kann hier ausgedruckt und ausgefüllt werden.

Hinweis: Das Kennzeichnungssystem ist europaweit noch nicht einheitlich realisiert.


 

Vorbereitung einer Bergtour

Für erfahrene Bergwanderer, die auch schwierigste (schwarze und alpine) Wege nutzen, gibt es etliche weitere Kriterien, um Notsituationen zu vermeiden oder in Notsituationen richtig reagieren zu können. Eine gute Zusammenfassung bietet der von den Bergprofis Peter Albert und Philipp Dahlmann erstellte „Bergsicherheitsguide“.

Folgende Verhaltensweisen und vorbeugende Maßnahmen werden herausgehoben:

  • Handy nicht vergessen, Handy-Akku vor dem Start aufladen
  • Geplante Aufenthaltsdauer und Name von Begleitpersonen bekanntgeben
  • Hochwertige Ausrüstung mitführen, auf Unnötiges verzichten („Travel light and fast“)
  • Detaillierten Berg-Wetterbericht checken
  • Zeitplan erstellen und während der Tour überprüfen / anpassen
  • Nichts erzwingen, im Zweifelsfall zur Umkehr bereit sein
  • Keine gesundheitlichen Kompromisse: fit in die Berge aufbrechen
  • Entscheidungen hinterfragen – denn auch die Umstände können sich ändern

Wissen schützt

Der Unterschied zwischen einen erfahrenen Bergprofi und einem Gelegenheitswanderer liegt nicht unbedingt in der Fitness. Es ist das Wissen um die besonderen Umstände, die in den Bergen herrschen. Nur wer die „Vorboten“ eines Unglücks oder sich verändernder Verhältnisse erkennt, wird richtig darauf reagieren.

Neben Kursen (angeboten unter anderem vom DAV, Alpinschulen und Tourenanbietern) kann es – so die Chance besteht – hilfreich sein, zunächst mit erfahrenen Bergwanderern auf Tour zu gehen. Wer besonders schwere Touren plant, kann einen professionellen Bergführer zur Beratung oder Begleitung heranziehen.

Ein gutes Beispiel für die Bedeutung der Berg-Erfahrung ist das „Allerweltsthema“ Wetter, bei dem jeder glaubt, mitreden zu können. Unerfahrene Wanderer werden jedoch immer wieder von Wetterumschwüngen (zum Beispiel Gewittern) überrascht, die sich über Veränderungen des Luftdrucks angekündigt haben. Was aber tut man bei Blitzen oder Sturm auf dem Grat? Diese Kenntnisse können lebenswichtig sein. 

Schnelle Wetterwechsel sind im Gebirge aufgrund der Höhenlage häufig. (Quelle: Thinkstock)
Schnelle Wetterwechsel sind im Gebirge aufgrund der Höhenlage häufig.
Bild: Thinkstock


Auch der Sauerstoffgehalt der Luft und die Intensität der Sonneneinstrahlung werden falsch beurteilt, zum Teil mit fatalen Folgen. Jeder Bergwanderer sollte sich vor dem Gipfelsturm damit vertraut machen, wie der Körper auf die Höhe reagiert und welche Leistung bei 2.000, 2.500 oder 3.000 Metern noch abrufbar sein wird. Das hat auch einen Einfluss auf die richtige Krafteinteilung. Beim Bergwandern geht es nicht um Zeitrekorde, im Gegenteil: Eine langsame Gewöhnung an die Höhenverhältnisse ist wichtig. Die Höhenkrankheit mit Symptomen wie Atemnot, Übelkeit und Erbrechen kann bei mehrtägigen Touren schon bei 2.500 Höhenmetern auftreten. Dann heißt das Motto: Abstieg. Der Erkrankte sollte dabei nie alleine gelassen werden.

Die Ausrüstung

Auf die Frage nach der richtigen Ausrüstung gibt es keine Antworten mit Garantieschein, denn es bleibt ein Spagat: Auf der einen Seite steht der Wunsch nach einem Minimum an Gewicht – einem wichtigen Punkt, denn viel Gepäck kostet viel Kraft. Auf der anderen Seite kann man sich hineinversetzen, welche Gegenstände man in bestimmten (Not-)Situationen zwingend braucht. Ist ein Taschenmesser nicht Pflicht? Und dürfen es nicht 2, 3 Energieriegel mehr sein?

Eine Minimalliste könnte wie folgt aussehen:

  • Bergwanderschuhe und Funktionskleidung (Zwiebelprinzip am Körper), Regenjacke
  • geladenes Handy mit GPS-Funktion oder ein separates GPS-Gerät
  • Trinkwasser oder ein Sportgetränk
  • 1.Hilfe-Set (First-Aid-Kit) mit Rettungsdecke
  • Rucksack

Die Hersteller von Bergsport-Ausrüstung arbeiten seit Jahren daran, das Equipment bei verbesserter Funktionalität immer leichter zu machen. So wiegen manche Rucksäcke (Eigengewicht) inzwischen unter einem Kilo. Bergwanderern ermöglicht das, weitere Utensilien mitzuführen, die wichtig werden können. Dazu zählen zum Beispiel eine Stirnlampe oder ein zweiter Underlayer.


Ist die Wanderlust geweckt? Dann könnten diese Frühlingsziele in die Berge locken. Unsere Auswahl anspruchsvoller Touren …

  

ISPO (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von ISPO.com, Redaktion
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