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 Seil beim Klettern: Darauf kommt es an
Outdoor | 29.11.2016

Sportklettern: So findet man das passende Seil

Seil beim Klettern: Darauf kommt es an

Seil beim Klettern: Darauf kommt es an. Passende Seile machen das moderne Sportklettern überhaupt erst möglich. (Quelle: Thinkstock)
Passende Seile machen das moderne Sportklettern überhaupt erst möglich.
Bild: Thinkstock
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Wer ein Kletterseil erwirbt, steht vor der Qual der Wahl. Die Spezialisierung ist hoch, entsprechend groß ist die Auswahl. Angst vor einem folgenschweren Fehlkauf muss dennoch niemand haben. Denn welches Seil für welchen Kletterstil taugt, ist schnell zu durchschauen.

Kletterseile sichern das Überleben am Berg. Kompromisse sind da fehl am Platz. Die Industrie hat mit den heute verfügbaren Seilen ein Hightech-Produkt geschaffen, das exakten Normen unterliegt und dem jeweiligen Verwendungszweck angepasst ist.


Statt geflochtenem Hanf wie zum Beginn des Kletterbooms vor 50 Jahren kommt nun der Kunststoff Polyamid zum Einsatz, der zum Schutz ummantelt wird. Den Mantel selbst schützt je nach Seil und Hersteller wiederum eine spezielle Imprägnierung. So haben Schmutz, UV-Strahlung und Nässe keine Chance, zugleich wird der Abrieb minimiert.

Wer viel im Freien klettert, sollte ein imprägniertes Seil erwerben. Der Schutz ist dauerhaft und bedarf keiner Auffrischung.

Alle in der EU verkauften Kletterseile unterliegen den Normen der UIAA, der Union Internationale des Associations d’Alpinisme. Das garantiert, dass alle Seile einer definierten Mindestbelastung standhalten. Getestet wird beim sogenannten Normsturz aus knapp fünf Metern Höhe mit einem Gewicht von 80 kg (Halbseil 55 kg) – und das gleich mehrfach. Da bei diesen Tests – anders als am Berg – keinerlei zusätzliche Sicherung verwendet wird, gilt die Norm als hoch und ausreichend.


Dehnbar aber reißfest

Kletterseile werden grundsätzlich in zwei Kategorien unterteilt:

  • dynamische Seile
  • statische Seile

Der Unterschied zwischen diesen beiden Seiltypen liegt in ihrer Dehnbarkeit. Bei statischen Seilen wird die mögliche Dehnung des Materials auf ein Mindestmaß beschränkt. Dynamische Seile verfügen dagegen über eine weit höhere Dehnung. Sie reicht bis zu 40 Prozent.

Zum Sportklettern werden ausschließlich dynamische Seile verwendet, aus gutem Grund: Würde ein Sportkletterer, der an einem statischen Seil hängt, beim Klettern abstürzen, wäre die Verletzungsgefahr durch das abrupte Stoppen im Seil viel zu hoch.

Dynamische Seile dämpfen den Sturz des Kletterers über die Dehnung wirkungsvoll ab. Begrenzt wird dieser Dehn-Effekt vor allem, um die Gefahr eines Aufpralls auf dem Boden oder einem Felsvorsprung zu minimieren.

Statische Seile kommen aufgrund ihrer Eigenschaften zum Beispiel in der Bergrettung zum Einsatz.


Eine Frage der Verwendung

Dynamische Seile werden in drei Kategorien unterteilen, wobei es bei der Nutzung Überschneidungen geben kann. Diese sind:

  • Einfachseile
  • Halbseile
  • Zwillingsseile

Das Einfachseil

Einfachseile werden zum Klettern in der Halle, am Fels und auch auf Eis genutzt. Ihr Durchmesser liegt üblicherweise zwischen 8,5 und 11 mm. Die Seile sind vergleichsweise leicht zu handhaben und daher auch für Einsteiger eine gute Wahl.

Einfachseile gelten schon aufgrund ihres großen Durchmessers als sehr stabil, wobei das Verhältnis zwischen Kern und Mantel eine große Rolle spielt. Der Kern sorgt für eine hohe Reißfestigkeit, der Mantel schützt vor allem gegen die äußere Abnutzung und schädliche Umwelteinflüsse. Das Verhältnis beider Komponenten wird auf dem Seil angegeben.

Wer sich für ein dickes Seil mit hohem Mantelanteil entscheidet, erhält ein besonders langlebiges Produkt. Dafür muss allerdings mit dem erhöhten Gewicht und einer höheren Reibung an den Zwischensicherungen umgegangen werden, was auf Dauer Kraft beim Klettern kosten kann.

Eine Kennzeichnung am Kletterseil gibt Auskunft über den jeweiligen Typ. (Quelle: Thinkstock)
Eine Kennzeichnung am Kletterseil gibt Auskunft über den jeweiligen Typ.
Bild: Thinkstock


Das Halbseil

Halbseile kommen beim Traditionellen Klettern (Trad Climbing) und beim Alpinen Klettern zum Einsatz. Sie werden auch zum Eisklettern, zum Teil als Einzelstrang und für Dreierseilschaften verwendet.

Durch die parallele Nutzung von zwei Seilen erhöht sich bei Halbseilen im Vergleich zum Einfachseil die Sicherheit, da die Durchtrennung beider Stränge durch scharfe Kanten unwahrscheinlich ist. Die Reibung an den Sicherungen wird durch die geringere Dicke der Einzelseile verringert. Vor allem aber steht für das Abseilen mit den zwei Halbseilen nun die volle Länge zur Verfügung.

Halbseile haben einen Durchmesser von 7,5 bis 9 mm. Sie sind deutlich leichter als Einfachseile (üblicherweise unter 50 g/m).

Das Zwillingsseil

Zwillingsseile kommen vor allem im alpinen Bereich zum Einsatz. Sie sind noch einmal deutlich dünner und leichter als Halbseile, was sie vor allem für erfahrene Kletterer interessant macht. Einzeln dürfen Zwillingsseile nicht verwendet werden, da ihre Tragkraft dafür nicht ausreicht.

Der Vorteil des Zwillingsseils liegt darin, dass trotz des geringen Gewichts ein sehr hoher Sicherheitsstandard garantiert ist. Neben der Redundanz – also der ausschließlichen Nutzung im parallel laufenden Doppelstrang – wird dies auch durch 12 vorgeschriebene Normstürze mit einem Gewicht von jeweils 80 kg dokumentiert.

Für alpine Profikletterer werden zudem dreifach zertifizierte Seile angeboten, die je nach Bedarf als Einfach-, Halb- oder Zwillingsseil verwendet werden können.


Die Frage der Länge

Kletterseile werden in Längen ab 20 Meter und bis circa 200 Meter angeboten. Schon aus Gründen des Gewichts werden sich Kletterer immer für die optimale und nicht für die maximale Länge des Seils entscheiden. So sind zum Beispiel für die Kletterhalle 60 Meter völlig ausreichend. Viel kürzer sollten die Seile aufgrund des Trends immer höherer Hallen aber auch nicht sein.

Wer Routen klettert, sollte sich vorher kundig machen, welche Seillängen (auch zum Abseilen) erforderlich sind und die Ausrüstung entsprechend zusammenstellen. Neue Entwicklungen werden regelmäßig auf der ISPO präsentiert. So gehört das Epic von Auroco zu den "Products of the Year" im Bereich Outdoor 2016. Das System ist der Lage, automatisch Seil zu geben beziehungsweise zu nehmen und lässt sich zudem mit der Fernbedienung steuern. Details finden Sie hier.

Dieses kleine Kästchen sichert den Kletterer: So geht Sicherheit ohne Partner (Quelle: Auroco)
Dieses kleine Kästchen sichert den Kletterer: So geht Sicherheit ohne Partner
Bild: Auroco


Der Kauf – Kosten, Hersteller, Herstellerangaben

Kletterseile gibt es – je nach Länge, Hersteller und Verarbeitung – ab circa 80 Euro. Für ein Seil von 60 m Länge sollte man mit 120 bis 160 Euro rechnen. Folgende Angaben geben die Hersteller im Normalfall an, um die Kaufentscheidung zu erleichtern:

  • Einsatzmöglichkeit (z.B. Alpinklettern)
  • Konstruktion (z.B. Einfachseil mit 10 mm Durchmesser)
  • Normstürze (z.B. 5)
  • Fangstoß (z.B. 8,9 kN)
  • dynamische Seildehnung (z.B. 31 %)
  • statische Seildehnung (z.B. 7 %)
  • Gewicht (z.B. 60 g/m)

Zu den führenden Herstellern zählen unter anderem Beal, Edelrid, Mammut, Petzl und Salewa.
 

ISPO (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von ISPO.com, Redaktion
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