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 Das müssen Bergschuhe können
Outdoor | 10.04.2016

Was bei Bergschuhen wichtig ist

Das müssen Bergschuhe können

. Das richtige Schuhwerk entscheidet mit über den Erfolg der Bergtour (Quelle: Thinkstock )
Das richtige Schuhwerk entscheidet mit über den Erfolg der Bergtour
Bild: Thinkstock
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Für jede Sportart gibt es den idealen Schuh, der das Körpergewicht optimal trägt und den Sportler perfekt unterstützt. Beim Bergsteigen sind feste, rutschsichere Schuhe der wichtigste Ausrüstungsgegenstand. Übertriebene Sparsamkeit ist fehl am Platz.

Gletscher, Geröll oder leichte Trekkingtour: Bergsteigen fängt bei der Entscheidung für den passenden Schuh an. Der bequeme Turnschuh ist nie eine gute Wahl, denn er stützt die Fußgelenke nicht ausreichend, und die Sohle bietet nicht genug Halt und Griffigkeit. Es sollte ein spezieller Bergstiefel angeschafft werden. Die Auswahl ist riesig und auf die jeweiligen Vorhaben und geplanten Routen zugeschnitten. Was leider nicht zu finden ist, sind richtige Alleskönner, die auf dem Gletscher ebenso perfekt funktionieren wie im Dschungel, oder auf Asphalt ebenso wie im unbefestigten Gelände.

Bergsteigen – nicht ohne das passende Schuhwerk

Generell gilt: Ein Schuh für das Bergsteigen sollte gut passen und eng am Fuß sitzen. Dennoch sollten sie im Zweifelsfall eher etwas größer als zu klein ausfallen. Einlegesohlen können leicht Abhilfe schaffen und den Platz für dickere Socken „freihalten“. Zu knappes Schuhwerk führt leichter zu Blasen und Abschürfungen, außerdem frieren die Füße schneller, was im Extremfall Erfrierungen begünstigt. In keinem Fall dürfen die Zehen im Schuh direkt vorne anstoßen.


Der richtige Schuh soll dem Fuß Halt und Schutz geben. Schlechte Schuhe sind ein Sicherheitsrisiko und bedeuten letztlich eine echte Gefahr für die Gesundheit. Wer beim Bergsteigen umknickt und das Fußgelenk dann nicht mehr belasten kann, hat auf mehrtägigen Strecken fern von belebten Straßen ein echtes Problem.

Geplante Bergtour bestimmt Schuhentscheidung

Vor dem Schuhkauf stehen Überlegungen zur jeweiligen Tour. Wo wollen Sie Bergsteigen, in welcher Jahreszeit sind Sie aktiv, wie ist die Beschaffenheit der Strecke? Wenn eine kombinierte Tour aus Wandern und Bergsteigen geplant ist, empfiehlt es sich, die Bergschuhe eher zu fest als zu leicht zu wählen – sicherer Tritt schlägt mehr Bewegungsfreiheit. Ein fester Aufbau des Schuhs, eine Höhe, die deutlich über den Knöchel reicht, eine griffige und abriebresistente Gummisohle mit einem guten, möglichst selbstreinigenden Profil – im Fachhandel gibt es professionelle Beratung und Gelegenheit, ausgiebig zu probieren. Nicht jedes Modell eignet sich für jeden Fuß. Letztlich sollte der neue Bergschuh mehrere Wochen vor der geplanten Tour angeschafft werden, denn er muss im wahren Wortsinn „eingelaufen“ werden. Geben Sie Fuß und Schuh ausreichend Gelegenheit, sich aneinander zu gewöhnen. Gerade vor anspruchsvolleren Touren reicht es nicht aus, zu Hause auf dem Teppich zu testen …

Benötigen Sie für ihre Tour Schuhe mit Steigeisenfestigkeit, sollten sie die Wander-Distanz gering halten. Dazu sind diese Schuhe nicht geeignet, das sie das Abrollen des Fußes behindern.

Schuhe fürs Bergsteigen – die Materialfrage

Leder oder Kunststoff? – beides hat Vor- und Nachteile. Generell sollte der Schuh wasserdicht und atmungsaktiv sein und möglichst nur wenige Nähte besitzen. Nähte sind anfällig für Nässe, hier können die Schuhe zudem zuerst kaputt gehen oder scheuern.

Lederschuhe sind langlebig und bei jedem Wetter atmungsaktiv, sie nehmen die Feuchtigkeit vom Fuß sehr gut auf. Allerdings bringen sie mehr Gewicht mit als Schuhe aus Kunststoff und trocknen deutlich langsamer. Deshalb sind sie besonders gut für Tagestouren geeignet.
Schuhe mit Kunststoffen wie Gore-Tex etc. halten den Fuß sehr gut trocken, bei nassem Wetter aber geht der Feuchtigkeitstransport vom Fuß weg schnell verloren. In diesen – vom Gewicht her leichteren – Schuhen schwitzt man schneller und sie „müffeln“ auch mehr, was im Zelt nicht ganz zu vernachlässigen ist. Dafür trocknen diese Modelle deutlich schneller.
Daneben gibt es auch Plastikbergschuhe – bestehend aus einem steigeisengfesten und wasserfesten Außerschuh und einem wärmenden Innenschuh – die eine gute Wahl beim Bergsteigen in Schnee und Eis oder in sumpfigem Gelände sind.

Übrigens sind beim Bergsteigen auch die Socken in den Schuhen wichtig. Von Baumwollmodellen sollte man Abstand nehmen, weil sie den Schweiß aufsaugen und sehr langsam trocken. Empfehlenswert sind Varianten aus Wolle und Kunstfasern im Verhältnis 30:70 oder komplett aus Kunstfaser – sehr praktisch, aber mit dem leidigen Geruchsproblem. Hier kann der Einsatz von Polygiene-Socken eine Option sein,


Gute Pflege zu Hause und unterwegs

Besonders Leder-Bergschuhe müssen gut gepflegt, sprich gefettet, werden – übrigens auch während einer mehrtägigen Tour. Sonst hat man trotz hohem Anschaffungspreis wenig Freude damit. Gute Pflege dient einer längeren Lebensdauer. Auch die Funktionen – allem voran die Atmungsaktivität – werden besser erhalten.

Lederschuhe sollten immer langsam – vielleicht ausgestopft mit Zeitungspapier – getrocknet werden. Werden sie starker Wärme ausgesetzt, kann das Leder spröde und brüchig werden. Nach einer Tour sollten die Treter mit einer feuchten Bürste gesäubert und dann imprägniert werden. Sind sie komplett getrocknet, mehrmals dünn mit Wachs oder Lederfett massieren. Auch das Lederfutter mit einem feuchten Lappen reinigen und anschließend fetten.

Bei Schuhen aus Gore-Tex und ähnlichen Materialien ist nach der Reinigung nur eine gut Imprägnierung wichtig. Es empfiehlt sich, die Bergschuhe nach dem Bergsteigen an einem Ort zu lagern, der keinen extremen Temperaturschwankungen ausgesetzt ist – also besser nicht auf dem wenig isolierten Dachboden.

Schuhe fürs Bergsteigen - Safety first

Die Gesundheit hat Priorität. Wer wenig Erfahrung im Bergsteigen mitbringt und unsicher ist, sollte ein besonderes Augenmerk darauf legen, dass die Schuhe eine wirkliche Hilfe bei der Tour sind. Auch wer etwas mehr auf die Waage bringt, ist stärker auf sicheres, festes und stützendes Schuhwerk angewiesen. Trotz des hohen Gewichts nehmen manche Bergsteiger ein zweites Paar Schuhe den Abstieg und alle Eventualitäten mit. 

ISPO (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von ISPO.com, Redaktion
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