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 Puncak Mandala und Puncak Trikora – im Dschungel Indonesiens
Outdoor | 14.03.2016

Seven Second Summits: Puncak Mandala und Puncak Trikora

Puncak Mandala und Puncak Trikora – im Dschungel Indonesiens

. Das Baliem-Hochtal am Fuße des Puncak Trikora (Quelle: Thinkstock )
Das Baliem-Hochtal am Fuße des Puncak Trikora
Bild: Thinkstock
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Puncak Mandala und Puncak Trikora haben vieles gemeinsam: Beide Berge stehen im Westen von Neuguinea. Mit rund 4.750 und 4.760 Metern sind sie fast identisch hoch. Vor allem aber waren beide Berge lange Kandidaten für die „Seven Second Summits“, die zweithöchsten Erhebungen der Kontinente. Doch mit dem Sumantri (4.870 m) scheint es einen lachenden Dritten zu geben.

Die Verwirrung um den zweithöchsten Berg Ozeaniens – es gibt bis zu fünf Kandidaten – lässt sich mit wenigen Worten erklären. Zum einen gibt es in der Abgelegenheit des indonesischen Dschungels kaum verlässliche Messungen, zum anderen sorgen die schmelzenden Eiskappen auf den Berggiganten für stetige Veränderungen. So wurde der Ngga Pulu, der einst sogar als höchster Gipfel des Kontinents galt, inzwischen nach hinten durchgereicht und spielt auf dem Podest der Höchsten keine noch eine Rolle. Seine Eiskappe war besonders dick und damit besonders anfällig für den Klimawandel.


Eine zweite Unsicherheit für die Gipfel der Region liegt in den Seven Summits-Modellen selbst. So spielen sie als höchste Erhebungen für Ozeanien überhaupt nur dann eine Rolle, wenn man die ganze Kontinentalplatte betrachtet, wie es zum Beispiel der Südtiroler Bergsteiger Reinhold Messner tut. Andere Theorien, vor allem die des US-Amerikaners Dick Bass, nehmen das australische Festland als Grundlage für die Kontinentalgrenze, womit der zweithöchste Berg Ozeaniens / Australiens unstrittig der 2.209 Meter hohe Mount Townsend wäre. Unter Alpinisten setzt sich das Modell, das Messner verfolgt, allerdings immer mehr durch.

Bergsteigen auf die Gipfel des Maokegebirges

So ähnlich sich die Gipfel in ihrer Höhe auch sein mögen, so unterschiedlich ist die Zahl ihrer Besucher. Am Puncak Mandala gibt es quasi keinen Berg-Tourismus, während sich der Puncak Trikora wachsender Beliebtheit erfreut. Dies liegt wohl vor allem daran, dass er über das gut erschlossene Baliem Hochtal viel besser zugänglich ist als sein Pendant im tiefen Dschungel des Landesinneren.


Die Zahl der dokumentierten Besteigungen des Puncak Mandala beschränkt sich bisher auf drei. Dazu zählt auch die Erstbesteigung aus dem Jahr 1959, die ein niederländisches Forschungsteam unternahm, darunter auch der Fotograf Piet ter Laag. Es dauerte mehrere Tage, bis der Gipfel über die nordöstliche Flanke erreicht wurde, wobei schwierige Wetter- und Schneeverhältnisse fast zum Abbruch geführt hätten. 1999 machten sich die Briten Bruce Parry und Mark Anstice auf, wobei sie 77 Tage von der Südküste aus durch die Sümpfe und Wälder der Region unterwegs waren. Sie stiegen erfolgreich von Südwesten her auf. Die Tour ist durch die prämierte Dokumentation „Extreme Lives: Cannibals and Crampons“ verewigt worden. 2012 gelang es schließlich dem österreichischen Triple-Summits-Bezwinger Christian Stangl erneut auf den Puncak Mandala vorzudringen.

Bergsteigen am Puncak Trikora

Die Geschichte der Forschung und des Bergsports am Puncak Trikora ist weit umfangreicher und beginnt schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Zwischen 1907 und 1913 dringen drei niederländische Expeditionen zu dem Berg vor, wobei die Erforschung der Flora und Fauna im Mittelpunkt steht. Am 21. Februar 1913 erreicht eine Abordnung der dritten Expedition zum ersten Mal den Gipfel, darunter auch der Offizier und Leiter der Expedition Alphons Franssen Herderschee.

Bis heute sind mehrere Routen auf den Puncak Trikora erforscht worden, wobei der Aufstieg im Nordwesten als Normalroute gilt. Er führt über das erst 1938 entdeckte Baliem-Hochtal, das heute touristisch erschlossen ist und einen Kontakt zu den noch immer sehr traditionell lebenden Bewohnern der Region ermöglicht. Der Aufstieg auf den Gipfel des Puncak Trikora hat sich in den vergangenen Jahrzehnten durch das Abschmelzen der Gletscher wesentlich verändert, die in der gesamten Region bald verschwunden sein werden. So muss heute eine weitläufige Geröllhalde passiert werden, die zu Zeiten der Erstbesteigung noch von Eis bedeckt war. Die Route auf dem Grat führt zudem über mehrere Gipfel des Trikora-Massivs, bis das Gipfelplateau erreicht wird. Eine Bronzetafel mit dem Namen des Berges markiert hier den höchsten Punkt.

Ein Besuch in der Region ist nicht nur für die Besteigung des Puncak Mandala und des Puncak Trikora interessant. Der Regenwald in Neuguinea gilt als einer der spannendsten und undurchdringlichsten unserer Erde. Dass in den dichten Wäldern noch immer Kannibalen leben, konnte von Bergsteigern wie Hans Kammerlander und Christian Stangl heute zumindest nicht mehr bestätigt werden.
 

ISPO (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von ISPO.com, Redaktion
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