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 Mount Townsend – um Gold betrogen
Outdoor | 08.03.2016

Seven Second Summits: Mount Townsend

Mount Townsend – um Gold betrogen

. Blütenzauber am Mount Townsend im Kosciuszko-Nationalpark (Quelle: Thinkstock)
Blütenzauber am Mount Townsend im Kosciuszko-Nationalpark
Bild: Thinkstock
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Mit einer Höhe von 2.209 Metern ist der Mount Townsend die zweithöchste Erhebung auf dem australischen Festland. Wertet man allein dieses Festlandsgebiet als Kontinent, so zählt der Berg zu den berühmten „Seven Second Summits“, also den zweithöchsten Erhebungen aller Kontinente. In jedem Fall hält er eine aufregende Geschichte bereit.


Es ist eine verrückte Geschichte, die auf einer überraschenden Lösung der australischen Regierung zum Beginn des 20. Jahrhunderts beruht: Sieht man es historisch, dann ist Mount Townsend nämlich gar nicht Mount Townsend und Australiens höchster Festlands-Berg, der Mount Kosciuszko, auch nicht der Mount Kosciuszko. Die beiden Berge, die weniger als vier Kilometer voneinander entfernt sind, wurden nämlich vertauscht, im Jahr 1910 – wissentlich und aus gutem Grund. Als wiederholte Höhenmessungen zum Ende des 19. / Anfang des 20. Jahrhunderts ergaben, dass Mount Kosciuszko in Wahrheit von seinem weniger berühmten Nachbarn überragt wird, fasst man einen beherzten Entschluss: Um Verwirrungen und wohl auch Kosten zu vermeiden, tauschte man die Namen der Berge einfach aus. So standen also die ersten Bezwinger des Mount Kosciuszko eigentlich auf dem Mount Townsend – und umgekehrt.

Seven Second Summits – Bergsteigen mit Problemen

Auch die umstrittene Zuordnung zu den Seven Summits beziehungsweise Seven Second Summits – auch hier haben die beiden Gipfel ihre Mitgliedschaften ja getauscht – ist eine Erklärung wert. Die beiden führenden Summits-Modelle, erstellt vom inzwischen verstorbenen US-Amerikaner Dick Bass und dem italienischen Bergsteiger Reinhold Messner, kommen hier nämlich zu unterschiedlichen Ergebnissen: Während Bass tatsächlich Mount Kosciuszko und Mount Townsend zu den berühmten „Summits“ zählt, setzt Messner auf die weit höhere Carstensz-Pyramide und den Sumantri. Beide Gipfel erheben sich in Indonesien, stehen aber auf der ozeanischen Kontinentalplatte – was sie geologisch als Repräsentanten Ozeaniens qualifiziert.

Die verschiedenen Sichtweisen sind einer der Gründe, warum passionierte „Seven Summits“-Bezwinger wie zum Beispiel der Italiener Hans Kammerlander oder der Österreicher Christoph Stangl weit mehr als 14 Berge besteigen müssen, um gesichert die 2x7 „Seven Summits“ bewältigt zu haben. So ist wohl auch diese Verwirrung mit schuld daran, dass es gelegentlich zu Streit kommt – gerade wenn durch neue Höhenmessungen plötzlich noch weitere Berge in den Vordergrund drängen.


Mitten im Meer – Australiens höchster Gipfel

Im Falle Australiens gibt es, um die Verwirrung komplett zu machen, auch noch den Mawson Peak, der Mount Kosciuszko um mehrere hundert Meter überragt. Er steht auf australischem Staatsgebiet – ist also unstrittig die höchste Erhebung Australiens –, allerdings auf der subantarktischen und damit wirklich abgelegenen Insel Heard. Die allermeisten Australier dürften ihn in ihrem Leben nicht zu Gesicht bekommen. 

Genussvoller Bergsport am Mount Townsend

Mit klassischem Bergsteigen ist die Tour auf den Mount Townsend nicht gleichzustellen. Beim Aufstieg, der sich sogar mit der Besteigung des Mount Kosciuszko verbinden lässt, handelt es sich eher um eine lohnende Bergwanderung. Möglich ist sie zu allen Jahreszeiten, wobei sich die Flora merklich verändert. Im Frühsommer ist es besonders eindrucksvoll, da jetzt die Rhododendren blühen, während in den Folgemonaten tausende Wildblüten zu bewundern sind.

Auf den Gipfel führen vier Wege, wobei der von Schluchten durchzogene „Upper Trailhead“ der beliebteste ist. Er passiert mehrere kleine Wasserfälle und eröffnet immer wieder schöne Blicke ins Tal. Die Landschaft ist abwechslungsreich, führt im mittleren Abschnitt über eine Wiese und durch Waldlandschaften zu einer Felswand, an der auch campiert werden kann. Weiter geht es über Serpentinen Richtung Gipfel, der mit einem grandiosen Ausblick für die Strapazen entlohnt.

Mount Townsend im Kosciuszko-Nationalpark

Mount Townsend und Mount Kosciuszko gehören zu den Snowy Mountains und sind Teil des Kosciuszko-Nationalparks. Der Park wurde bereits vor über 70 Jahren gegründet und zählt zu den beliebtesten Zielen von New South Wales. Die Metropole Sydney ist nur rund 350 Kilometer entfernt.

Erstmals grundlegend erforscht wurden die beiden höchsten Gipfel um 1884/85 vom österreichischen Zoologen Robert Lendlmayer von Lendenfeld, der ein begeisterter Alpinist war. Er wählte auch den Namen Mount Townsend, der an einen staatlichen Landvermesser erinnert.   

ISPO (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von ISPO.com, Redaktion
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