ISPO.com is also available in English ×
 Mount Tyree – „technisch schwer, abweisend, saukalt"
Outdoor | 08.03.2016

Seven Second Summits: Mount Tyree

Mount Tyree – „technisch schwer, abweisend, saukalt"

. Eisige Verhältnisse: Antarktis-Bergsteigen unter extremen Bedingungen (Quelle: Thinkstock)
Eisige Verhältnisse: Antarktis-Bergsteigen unter extremen Bedingungen
Bild: Thinkstock
Artikel bewerten:
Am Mount Tyree herrschen eisige Verhältnisse, zu jeder Jahreszeit. Der Gipfel erhebt sich im Osten der Antarktis und ist mit 4.852 Metern der zweithöchste Berg des Kontinents. Er gehört damit zu den „Seven Second Summits“, den jeweils zweithöchsten Erhebungen aller Kontinente. Seine Besteigung gilt als äußerst schwierig.


Das Bergsteigen in der Antarktis ist ein Extremsport, denn die klimatischen Bedingungen sind meist schwierig, die Luft ist besonders dünn und schon die Anreise ein Abenteuer. So bekommen die mächtigen Gipfel nur selten Besuch, selbst wenn sie einen berühmten Namen tragen.

Seltenes Bergsteigen am Mount Tyree

Am Mount Tyree, dem zweithöchsten Berg des Kontinents, kann man die Gipfelstürmer bis heute an zehn Fingern abzählen. Der österreichische Bergsteiger Christian Stangl, der 2012 auf dem Mount Tyree gestanden hat, formuliert: „Der Tyree ist der K2 der Antarktis: technisch schwer, abweisend, saukalt".

Bergsteigen: Mount Tyree 1967 erstmals bezwungen

Erstmals bestiegen wurde der 4.852 Meter hohe Gipfel 1967 – eine Herausforderung, die größer ist als am Mount Vinson, der mit 4.897 Metern als höchster des Kontinents gilt. Beide Berge sind nur wenige Meter voneinander entfernt. Und so nutzten die Erstbesteiger die Gunst der Stunde und drangen bei der von Nicolas Clinch geleiteten Expedition gleich auf beide Gipfel vor. Mehr als das: Mit Mount Shinn und Mount Gardner schafften sie es auch auf die Nr.3 und 4 im Antarktis-Ranking.

Am Mount Tyree schrieben sich Barry Corbet und John Evans als Erstbesteiger in die Geschichtsbücher ein, während am Mount Vinson, dem prestigeträchtigen Seven Summit-Vertreter, neben den beiden auch Pete Schoening und Bill Long den Gipfel erreichten. Weitere Mitglieder der Expedition folgten auf den Mount Vinson, allerdings nicht mehr an jenem 18. Dezember 1966. Nur drei Tage später – am 21. Dezember – stand Barry Corbet dann schon auf dem Mount Shinn, gemeinsam mit drei weiteren Expeditions-Teilnehmern.

Bergsport 2012: Kammerlander, Stangl, Miller – schwierige Tour

Für Schlagzeilen sorgten im Nachhinein die beiden Seven-Second-Summit-Rivalen Hans Kammerlander und Christian Stangl, die im Januar 2012 gemeinsam auf den Mount Tyree vordrangen. Kammerlander behauptete jedoch später, Stangl habe den höchsten Punkt gar nicht erreicht, sondern sei wenige Meter vor dem Ziel geblieben. Der Steirer Stangl sprach daraufhin von einer „Verleumdung“, die er mit Bild- und Videoveröffentlichungen zu widerlegen versuchte.


Auf bergsteigen.com findet sich dazu auch ein hochinteressanter Bericht von Robert Miller, der bei der strittigen Tour auf den Mount Tyree dabei war, ebenfalls den Gipfel erreichte und einiges zur Klärung der damaligen Verhältnisse beizutragen hat. Zugleich erhält der Leser eine Vorstellung von der Route am Berg, die unter den Beteiligten umstritten war. Da Mount Tyree zuvor fast 15 Jahre nicht bezwungen wurde, zählt die Schilderung Millers zu den seltenen Einblicken. Einen Eindruck von den schwierigen Sichtverhältnissen erhält man auch bei YouTube, wo eine Sequenz der Aufnahmen von Christian Stangl veröffentlicht wurde.

Nach der Erstbesteigung 1967 hatte es sogar noch einige Jahre länger gedauert, bis der US-Amerikaner Mugs Stump 1985 erneut bis zum Gipfel vordrang.

Die Vorgeschichte des Streits zwischen Kammerlander und Stangl dürfte bereits 2010 begonnen haben – ohne dass ein direkter Zusammenhang nachweisbar wäre. Damals hatte Stangl bezweifelt, dass der Südtiroler Hans Kammerlander tatsächlich den Gipfel des Mount Logan, des zweithöchsten Gipfel Nordamerikas, bezwungen hatte, was dieser später auch als Möglichkeit einräumte. Beide Männer haben die Seven Summits und Second Seven Summits letztlich nachweislich bezwungen. Die Frage der vollständigen Erstbesteigung bleibt strittig, wird jedoch meist Stangl zugeschrieben.

Platz für Entdeckungen: Bergsteigen in der Antarktis

Touren-Angebote auf den Mount Tyree finden sich für 2016/17 im Internet nur „auf Nachfrage“. Doch diese ist nicht hoch. So könnte es erneut Jahre dauern, bis der Berg wieder in Angriff genommen wird. Wer in der Antarktis in die tiefe Abgeschiedenheit des Ellsworthgebirges vordringt, hat ein anderes Ziel: den Mount Vinson. Doch auch dort ist es zur besten Reisezeit im Dezember und Januar nicht unbedingt überlaufen.  

ISPO (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von ISPO.com, Redaktion
Kommentare
Top Themen
ISPO Newsletter
ISPO Newsletter
Jetzt anmelden
Social Media