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 Was verbirgt sich eigentlich hinter dem Umwelttrend Upcycling?
Nachhaltigkeit | 24.02.2016

Upcycling – was ist das überhaupt?

Was verbirgt sich eigentlich hinter dem Umwelttrend Upcycling?

. Von der Hose, zur Tasche zum ? Upcycling ist kreativer Umweltschutz. (Quelle: Thinkstock )
Von der Hose, zur Tasche zum ? Upcycling ist kreativer Umweltschutz.
Bild: Thinkstock
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Es ist ein Trend für Kreative und Umweltbewusste, für Sparfüchse und Individualisten: Upcycling. „Abfälle“ aus allen Lebensbereichen werden nicht geschreddert oder eingeschmolzen, sprich re-cycelt, sondern in ihrer Form aufgewertet, up-cycelt. Nachhaltigkeit trifft auf Innovation – Upcycling ist eine saftige Ohrfeige für die Wegwerfgesellschaft.


Fast jeder hat eine Jeans im Schrank, die stonewashed ist. Ganz Modebewusste besitzen vielleicht sogar ein Lieblingsteil im Destroyed-Look. Die neue Wohnungseinrichtung im Shabby-Chic bietet Flair und das gewisse Etwas – oder nicht? Kein Zweifel, der sogenannte Used-Look ist angesagt. Aber wenn man darüber nachdenkt, muss man über die Ideen findiger Marketing-Strategen eigentlich eher den Kopf schütteln. Ist es nicht absurd, mit künstlicher Alterung die Verkaufschancen zu erhöhen – und zugleich den Gebrauchswert zu senken?

Vorwärtsweisender Trend

Ganz anders sieht es beim sogenannten Upcycling aus. Der Begriff – eine Zusammensetzung aus den englischen Begriffen up (hoch) und recycling (Wiederverwertung) – meint nicht nur die Nutzung der Abfall-Ressourcen in veränderter Form. Es geht darum, den „Müll“ in neue, nützliche Dinge zu verwandeln. Dabei wird die ursprüngliche Form gewissermaßen umgewidmet und aufgewertet, ohne dass das Material vorher zerstört wurde. Die alte Kabelrolle wird zum Gartentisch, verwitterte Bootsplanken zu Regalen, Holzpaletten zu Sitzgruppen, wettergegerbte Segel zu Kissenbezügen oder eben die Sporttasche zur Mütze und das geliebte Skateboard zu Untersetzern, Klemmbrettern und Flaschenöffnern.

Britische Begriffs-Wurzeln

Wer hat’s erfunden? Das scheint schwer festzumachen zu sein, sicher gibt es vergleichbare Verfahren eigentlich schon immer. Der Begriff selbst ist jedoch 1994 zuerst in der britischen Monatsschrift „Salvo“ in einem Interview mit dem Ingenieur Reiner Pilz aufgetaucht. Konkret ging es um die Wiederverwertung von Baumaterialien. Pilz hatte bestehende Abfallrichtlinien angeprangert und gesagt: „“Recycling, I call it down-cycling. They smash bricks, they smash everything. What we need is up-cycling where old products are given more value, not less.” (dt.: Recycling, ich nenne es down-cycling. Sie zertrümmern Ziegel, sie zertrümmern alles. Was wir brauchen, ist up-cycling, bei dem alten Produkten mehr Wert gegeben wird, nicht weniger.)


Aus der Not geboren

Was sich in einer Überflussgesellschaft wie Deutschland als ästhetischer Trend etabliert hat, ist in ärmeren Regionen der Welt längst selbstverständlich. Wo, wie in den Entwicklungsländern, in allen Bereichen Mangelwirtschaft betrieben werden muss, kann man sich nicht leisten, ausgediente Produkte einfach wegzuwerfen. Hier ist fantasievolles Upcycling ohnehin an der Tagesordnung – auch ohne tätige Umweltpolitik.

Chance

Angesichts wachsender Müllberge jedoch fordert nicht nur Umweltpolitiker neue Strategien ein. „Upcycling läutet eine neue Ära der Abfallverwertung ein“, hofft Christian Rauch, Leiter des Zukunftsinstituts in Frankfurt am Main. In seinen Augen befinden wir uns auf dem Weg von der Wegwerf- in die Kreislaufgesellschaft. Es gelte, die Rohstoffmengen, die im Umlauf sind, dauerhaft zu nutzen. „Beim Recycling führen wir Produkte mit einem relativ hohen Energieaufwand einem niedrigeren Verarbeitungsniveau zu – beim Upcycling fällt das weg, da nimmt man die Produkte, wie sie sind.“ Der Trendforscher erwartet, dass das Phänomen Upcycling nicht in der Lifestyle-Sphäre hängenbleibt. Ein Beispiel sind für ihn Architekturmodelle, bei denen Mithilfe von alten Schiffscontainern neue Häuser entstehen – rein aus Abfallprodukten.

Fazit

Upcycling ist eine Idee, deren Vorteile ins Auge springen: Zuerst ist es aktive Müllvermeidung, dann werden die Ressourcen geschont, weil weniger Rohstoffe nötig sind. Außerdem regt es Kreativität und Phantasie an – wer mag, kann seine Individualität und den persönlichen Stil ausleben und dabei noch den Geldbeutel schonen. Upcycling ist beides: Nachhaltig und voll im Trend. Wie wusste schon der US-amerikanische Erfinder Thomas Alva Edison: „Zum Erfinden brauchst Du eine gute Phantasie und einen Haufen Schrott.“ Er hat bewiesen, dass es funktionieren kann.

ISPO (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von ISPO.com, Redaktion
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