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 Wingsuit-Piloten: Tragische Unfälle der Basejumper
Action-Sports | 23.02.2016

Den Tod im Gepäck

Wingsuit-Piloten: Tragische Unfälle der Basejumper

Wingsuit-Piloten: Tragische Unfälle der Basejumper. Extremsport Wingsuit – im Flug der Erde entgegen (Quelle: Thinkstock )
Extremsport Wingsuit – im Flug der Erde entgegen
Bild: Thinkstock
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Wingsuit ist Action Sports der Superlative, leider auch in punkto Gefahr. Jahr für Jahr rasen Extremsportler in ihren Fledermausanzügen in den Tod. Pikante Krönung: Dank Helmkamera und medialer Aufmerksamkeit können Interessierte die Wingsuit-Todesflüge quasi live miterleben.


Wingsuit-Piloten sind die Könige der Lüfte. Sie schlagen der Schwerkraft ein Schnippchen und schweben wie bunte Vögel der Erde entgegen. Unendliche Freiheit, doch der Tod fliegt immer mit. So mancher atemberaubende Stunt geht schief, sei es durch technisches Versagen oder eine plötzliche Windböe, die gegen den Fels drückt.

Am 17. August 2016 starben gleich zwei Wingsuit-Piloten im selben Tal: Neben Basejump-Legende Uli Emanuele kam auch ein 49-jähriger US-Amerikaner im Lauterbrunnental in der Schweiz ums Leben. Das Tal im Berner Oberland trägt aufgrund der vielen toten Basejumper den traurigen Beinamen „Death Valley“. Hier ließen schon mehr als 40 „Vogelmenschen“ ihr Leben.

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WiSBase (Wingsuit-Base-Jumping) ist ein Outdoor-Vergnügen für Adrenalin-Junkies und die meisten Extremsportler, die ihn betreiben, kennen den möglichen Preis. Gerade bei Problemen mit dem Fallschirm gibt es bei der extremen Geschwindigkeit kaum eine Chance, heil davonzukommen.

Viele der herausragenden Piloten der Wingsuit-Szene haben ihre wagemutigen Sprünge nicht überlebt. Die seit 1981 geführte Todesliste der Basejumper verzeichnet über 300 Einträge, immer neue kommen hinzu. Mehr als jeder Dritte dieser tödlich verunglückten Sportler war mit dem Wingsuit unterwegs.

Es ist die Entscheidung jedes Einzelnen, doch Fragen ist erlaubt: Ist das Risiko unkalkulierbar – und damit vielleicht zu hoch?

Action-Sports-Opfer: Victor Kovats

Der ungarische Wingsuit-Sportler starb am 8. Oktober 2013 bei einem Übungssprung im Tianmen Nationalpark in der chinesischen Provinz Hunan. Er gehörte zur Elite in seinem Sport und war zur 2. Wingsuit-Weltmeisterschaft nach China gereist.

Sein letzter Sprung von einem 700 Meter hohen Felsen scheiterte, weil sich der Fallschirm nicht wie geplant öffnete. Eine Mannschaft von 200 Polizisten und Feuerwehrleuten konnte den toten Birdman nach langer Suche am Fuß einer Klippe bergen.

Die von Red Bull gesponserte Weltmeisterschaft startete trotz des tödlichen Auftakts. Anders als geplant gingen statt 15 nur noch 14 Wingsuit-Enthusiasten an den Start.

Action-Sports-Opfer: Mark Sutton

Der britische Stuntman ist durch die Eröffnungsfeierlichkeiten zu den Olympischen Spiele 2012 weltbekannt geworden, bei denen er als James Bond-Double aus dem Hubschrauber ins Stadion sprang. Im Jahr darauf wurde ihm ein Sprung in den Schweizer Alpen nahe Trient zum Verhängnis.

Der Extremsportler war mit 20 anderen Action-Sports-Helden für ein Wingsuit-Happening im französischen Chamonix unterwegs. Nach dem Sprung aus etwa 3.300 Metern Höhe kollidierte er am 14. August 2013 mit einem Felsvorsprung. Bei einer Fluggeschwindigkeit von ungefähr 200 Kilometern pro Stunden war an ein Ausweichen nicht zu denken.


Action-Sports-Opfer: Dean Potter

Hunderte Male ist er mit dem Wingsuit gestartet: „Wenn ich fliege, betrachte ich häufig meinen Schatten auf der Erde – er erinnert mich an einen schwarzen Raben. Dann sehe ich mich als diesen Raben“, hatte Dean Potter gesagt. 

Für den aus New Hampshire stammenden Extremsportler war Gefahr ein Fremdwort. Mehr als das: Er war selbst unter den Extremen ein Sonderfall und sah die Todesnähe als spirituelle Erfahrung. So reizte er das Risiko aus, beim Free-Solo-Klettern, beim Slacklining und beim Wingsuit. Er liebte die Sprünge aus dem Hubschrauber oder von einer Base.

Am 16. Mai 2015 verfolgte Dean Potter den gewagten Plan, vom 2.300 Meter hohen Taft-Point-Felsen im Yosemite-Nationalpark abzuspringen, um dann durch einen schmalen Felsspalt zu fliegen. Doch Potter und sein Partner Graham Hunt verfehlten die Lücke.

Action-Sports-Opfer: Johnny Strange

Der Amerikaner verbrachte sein kurzes Leben auf der Überholspur, Freunde und Fans ließ er regelmäßig auf YouTube an seinen Abenteuern teilhaben. Bereits mit 17 Jahren hatte Johnny Strange als bisher Jüngster alle „Seven Summits“ – die höchsten Gipfel der sieben Kontinente – bezwungen.

Am 1. Oktober 2015 kam er in den Schweizer Alpen bei einem Wingsuit-Basejump aus 2.000 Metern Höhe zu Tode. Augenzeugen berichteten, Johnny Strange habe gleich zu Beginn die Balance verloren und es sei ihm nicht gelungen, den Sprung noch einmal zu stabilisieren. Strange wurde nur 23 Jahre alt.

Action-Sports-Opfer: Ulrich Wambach

Der Fallschirmtechniker kam am 24. Januar bei einem Wingsuit-Sprung von der italienischen Paganella-Base ums Leben. Ulrich Wambach galt als erfahrener Fallschirmsportler, denn der Sport war seit mehr als 30 Jahren sein Leben.

Trotz der Suche nach immer neuen Herausforderungen galt Wambach als sehr umsichtig, als ein Extremsportler, bei dem Sicherheit großgeschrieben wurden. Letztlich konnte ihn auch die Erfahrung aus mehr als 8.800 absolvierten Fallschirmsprüngen nicht retten. Offenbar hatte in Italien die Technik des überlebenswichtigen Schirms im entscheidenden Moment versagt.


ISPO (Quelle: ISPO)
Ein Beitrag von ISPO.com, Redaktion
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